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Theater : Orchestermusiker streiten für Tarifvertrag

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Ob in Rostock, Halle oder Hannover - an vielen deutschen Theatern muss mit sehr spitzem Bleistift gerechnet werden. Sinkende Zuschüsse und steigende Personalkosten belasten die knappen Etats der Häuser.

shz.de von
erstellt am 24.Sep.2013 | 15:17 Uhr

Eine Gerichtsentscheidung an diesem Mittwoch könnte eine weitere Kostenlawine ins Rollen bringen. Wenn das Bundesarbeitsgericht der Deutschen Orchestervereinigung Recht gibt, müssen die Theater auf einen Schlag Gehaltserhöhungen von 8,8 Prozent für ihre Musiker verkraften. Das könnte manches finanziell angeschlagene Haus in zusätzliche Schwierigkeiten bringen.

«Wir können das definitiv nicht zahlen», sagt der kaufmännische Geschäftsführer des Volkstheaters Rostock, Stefan Rosinski. Das Drei-Spartentheater ist bereits 2012 aus dem Arbeitgeberverband ausgetreten, weil es sich die Tarifabschlüsse des Öffentlichen Dienstes nicht mehr leisten konnte, wie Rosinksi sagt. Der Tarifvertrag für Musiker in Kulturorchestern (TVK) lehnt sich an den Tarifvertrag des Öffentlichen Dienstes (TVÖD) an, dessen Gehaltsabschlüsse wurden bislang eins zu eins übernommen. Weil der Deutsche Bühnenverein als Arbeitgeberverband diesen Automatismus nicht mehr mitmachen will, schwelt seit 2010 ein Streit zwischen den Tarifparteien, über den jetzt das Bundesarbeitsgericht in Erfurt in dritter Instanz entscheidet.

Da die Musiker vor dem Hintergrund des Streits seit Januar 2010 von den Tarifsteigerungen des öffentlichen Dienstes abgekoppelt waren, drängt die Orchestervereinigung jetzt auf Nachzahlung. «Wir gehen davon aus, dass ein voller Nachzahlungsanspruch besteht, egal wie das Gericht entscheidet», sagt der Geschäftsführer der Deutschen Orchestervereinigung, Gerald Mertens. Damit wäre zum 1. August eine Gehaltssteigerung von 8,8 Prozent fällig. Ein Orchestermusiker verdient laut TVK je nach Instrument, Berufsjahren und Orchestergröße monatlich zwischen 2400 Euro und 5100 Euro brutto.

Das Problem mit der drohenden Nachzahlung hat das Volkstheater Rostock gelöst, in dem es die Zahlungsverpflichtung und seine dafür gebildeten Rücklagen der Stadt Rostock abgetreten hat. «Die hofft aber, dass sich die Tarifparteien darauf einigen, einen Teil der Nachzahlungen über Freizeitausgleich abzugelten», sagt Rosinski. Wie er die zukünftigen Tarifsteigerungen bezahlen soll, weiß er nicht. «Wir müssen über den bestehenden Flächentarifvertrag nachdenken. Theater in armen Gegenden können nicht das gleiche leisten, wie Theater in den wohlhabenden Kommunen im Süden», sagt er.

Zwischen 20 und 30 der bundesweit 131 Kulturorchester werden die Nachzahlungen nicht leisten können, schätzt der Direktor des Deutschen Bühnenvereins, Rolf Bolwin. «Aber über die Zeit sind Summen aufgelaufen, die bei einigen Theatern zu Problemen führen», sagt er.

Häuser wie die Bühnen Halle, die Theater Chemnitz oder das Theater Lübeck haben immerhin in den vergangenen Jahren Rückstellungen gebildet, auf die sie zurückgreifen können. «Wir hoffen allerdings auf einen Kompromiss, so dass wir nicht die volle Summe auszahlen müssen», sagt der Geschäftsführer der Bühnen Halle (Sachsen-Anhalt), Rolf Siska. Bei der Staatsoper Hannover lässt man dagegen das Problem auf sich zu kommen. «Erst mal muss ein Tarifvertrag unterschrieben sein, vorher wird keine Nachzahlung fällig», sagt der Kaufmännische Geschäftsführer, Jürgen Braasch. «Aber alles, was noch an Tarifsteigerungen kommt, muss ich aus dem Etat bestreiten. Das geht ins Fleisch», sagt er.

Deutsche Orchestervereinigung

Deutscher Bühnenverein

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