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Musik : Orchester gegen Lohnverzicht und Stellenabbau

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Die deutschen Orchester blasen zum Protest: Bei bundesweiten Warnstreiks und anderen Aktionen haben am Montag Musiker gegen Stellenabbau und für Lohnerhöhungen demonstriert.

Nach Angaben der Deutschen Orchestervereinigung (DOV) beteiligten sich Musiker aus rund 100 staatlichen und kommunalen Klangkörpern. Hintergrund der Proteste sind die am Dienstag in Berlin beginnenden Tarifgespräche zur Übertragung der Lohnabschlüsse des öffentlichen Dienstes auf die Orchester. «Das Maß ist jetzt voll», erklärte DOV-Geschäftsführer Gerald Mertens. Ein weltweit einmaliges Kulturerbe sei massiv gefährdet.

Mertens verwies darauf, dass immer mehr Orchester auf Lohn verzichteten und seit 2010 von Lohnerhöhungen im öffentlichen Dienst vielerorts ausgenommen seien. Die DOV war in der vergangenen Woche mit der Forderung nach einer automatischen Tarifanpassung an den öffentlichen Dienst vor dem Bundesarbeitsgericht gescheitert. Der Deutsche Bühnenverein wies Anschuldigungen des DOV zurück: «Warnstreiks sind zurzeit unzulässig und rechtswidrig, da sich die Musikergewerkschaft DOV über drei Jahre jeder Verhandlung verweigert hat.» Die DOV habe den Verhandlungstisch verlassen, um ein gerichtliches Verfahren einzuleiten, welches sie nun verlor.

Auch deshalb gingen am Montag Tausende Musiker in ganz Deutschland auf die Straße. In Schwerin vertauschten Kollegen der Mecklenburgischen Staatskapelle ihre Instrumente mit Trillerpfeifen. Nach Angaben des DOV sollen die Schweriner auf 25 Prozent der Vergütung verzichten und von derzeit 68 Stellen auf 58 schrumpfen. In Chemnitz sieht es nicht besser aus. Dort sollen sich die 99 Musiker der Robert-Schumann-Philharmonie fortan 86 Stellen teilen. Laut DOV drohen der Staatskapelle Halle und den Hamburger Symphonikern die Insolvenz. Die Anhaltische Philharmonie Dessau laufe Gefahr, abgewickelt oder in die Staatskapelle Halle eingegliedert zu werden.

Musiker der Staatskapelle Berlin reisten deshalb am Montag nach Dessau und spielten dort zum Zeichen der Solidarität gemeinsam mit ihren Dessauer Kollegen. Proteste gab es beispielsweise auch in Lübeck und Erfurt. In Dresden traten Musiker der Sächsischen Staatskapelle und der städtischen Philharmonie mit Kollegen aus anderen Orchestern der Region gemeinsam auf. Mit Fahnen, Plakaten und Blasmusik wurden Einwohner und Gäste der Stadt auf das Anliegen eingestimmt. In Leipzig kamen etwa 100 Musiker des Gewandhausorchesters und der Musikalischen Komödie auf den Treppen des Opernhauses zusammen.

Auch die Flaggschiffe der deutschen Orchesterkultur beteiligten sich am Protest. Die Berliner Philharmoniker begannen ihren Probentag mit einer Kundgebung: «Denn auch wir tragen eine hohe Verantwortung für die Zukunft der Orchesterkultur in Deutschland», sagte Orchestervorstand Ulrich Knörzer. Sein Dresdner Kollege Bernward Gruner (Sächsische Staatskapelle) brachte es so auf den Punkt: Es gehe nicht nur darum, die großen Orchester zu erhalten, sondern auch die Basis. «Es genügen nicht die Leuchttürme allein. Es sind auch die anderen Seezeichen nötig, deren Licht zwar nicht so weit leuchtet, die vor Ort aber existenziell sind für Skipper oder Kapitäne.»

Protestaktion

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erstellt am 30.Sep.2013 | 15:03 Uhr

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