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Musik : Nike Wagner geht: Das Kunstfest Weimar wagt Neuanfang

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Nike Wagner hat Kunst und Kultur in Weimar mitgeprägt - wie einst ihre Ahnen Franz Liszt und Richard Wagner. 2014 locken neue Herausforderungen mit der Intendanz des Beethovenfestes in Bonn.

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erstellt am 13.Sep.2013 | 11:07 Uhr

Bis Samstag nimmt die Kunstfest-Chefin noch mit ihrem ambitionierten Programm «Wagner-Idyll» zum 200. Geburtstag ihres Urgroßvaters Richard Wagner Abschied von der Klassikerstadt. Besucher lernten in dem ausgefeilten Programm «den schlanken, reduzierten, den idyllischen Wagner» im Spiegel der zeitgenössischen Kunst kennen. Für große Aufführungen mit berühmten und teuren Wagner-Interpreten fehlt dem Kunstfest schlichtweg das Geld.

«Pèlerinages» (Pilgerfahrten) nannte Nike Wagner ihr Festival nach einem Stück ihres Ururgroßvater Franz Liszt, der in Weimar seine wichtigsten Werke schrieb. Ihre bis in das kleinste Detail ausgeklügelten «Pilgerfahrten» mit Künstlern wie Robert Wilson, Gidon Kremer oder William Forsythe waren Kunstgenuss pur, weckten Neugier und setzten Maßstäbe. «Ästhetik und Politik» auf höchstem Niveau, sagt Oberbürgermeister Stefan Wolf (SPD). «Es war eine gute Zeit für Weimar mit Nike Wagner. Sie hat nicht nur das Kunstfest gemacht, sie war auch Botschafter für Weimar.»

Thüringens Kulturminister Christoph Matschie (SPD) ergänzt: «Nike Wagner hat es geschafft, in Weimar über zehn Jahre ein Kunstfest zu etablieren, das nationale und internationale Ausstrahlung besitzt. Es war ein Kunstfest, das versucht hat, Brücken zu schlagen zwischen der Tradition des klassischen Weimar und neuer Kunst, Musik, Theater und Experimenten. Ein Kunstfest für die Massen war es nicht.» Eine relativ niedrige Besucherzahl - im Schnitt 20 000 bis 23 000 Besucher - bei recht guter Förderung von Bund, Land und Stadt brachten der Literatur- und Musikwissenschaftlerin den Vorwurf ein, ein eher elitäres Festival zu entwerfen.

Wagner setzte bei ihrer Arbeit unbeirrt auf den Faktor Zeit: «Wenn man die Weimarer schätzt, wird man ihnen "gutes Futter" vorsetzen, beste künstlerische Qualität. Dass so manche zeitgenössische Herausforderung nicht gleich "ankommt", ist normal - aber da spielt dann auch der Zeitfaktor eine Rolle und das wachsende Vertrauen in ein Festival. Das Publikum will ja gar nicht immer TV-Unterhaltung und Entertainment, es will gar nicht unterfordert werden. Mir war es wichtig, Neugier zu wecken, die Vorbehalte zu unterlaufen. Darauf haben wir alle Kräfte und Mühe verwendet. Den Hund zum Jagen tragen kann man freilich nicht.»

Nicht zu toppen, betonten Matschie und Wolf, sei Wagners Einsatz und Überzeugungskraft, Sponsorenmittel einzuwerben: Zwischen 300 000 und 400 000 Euro jährlich konnte die 68-Jährige durch ihre guten Kontakte bei einer Förderung von zuletzt 900 000 Euro von Land und Stadt beisteuern.

Nach zehn Jahren, da sind sich Kunstfest-Chefin und Geldgeber einig, ist es Zeit, wieder neue Wege zu beschreiten. Das Kunstfest Weimar - 1990 zur deutschen Wiedervereinigung vom Bund ins Leben gerufen - hat schon mehrmals einen Neuanfang wagen müssen, stand sogar mal auf der Kippe. 2014 kommt es verwaltungsmäßig als eigene Sparte unter das Dach des Deutschen Nationaltheaters. Künstlerisch soll es unabhängig bleiben. «Nike Wagner setzte vor allem auf Musik, wir wollen, dass - unterhaltsam und anspruchsvoll - alle Künste bedient werden», ist der Anspruch Wolfs.

Kunstfest Weimar

Deutsches Nationaltheater

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