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Theater : Mit Puppen: «Der gute Mensch von Sezuan» in Köln

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Moritz Sostmann, einer der neuen Hausregisseure des Kölner Schauspiels, hat sich einen Namen mit dem Einsatz von Puppen gemacht.

Und die spielen nun auch in Bertolt Brechts Stück «Der gute Mensch von Sezuan» mit, das im Kölner Schauspiel Premiere hatte - oder genauer gesagt im «Depot 2».

Das Depot, eine frühere Industriehalle, wird während der Sanierung des Schauspielhauses bespielt - und das Publikum war am Ende des Abends begeistert und reagierte mit langem Beifall auf die ungewöhnliche Inszenierung in einer besonderen Umgebung.

Brechts Parabel: Die Götter sind besorgt. Sie haben erfahren, die Menschen könnten nicht gut sein. Deshalb werden göttliche Inspektoren auf die Erde gesandt um zu prüfen, ob die Klage berechtigt ist. Niemand will den Göttern Obdach gewähren, die Menschen sind mit sich selbst beschäftigt, Reiche wie Arme. Nur Shen Te lädt sie zu sich ein. Sie geht auf den Strich - die Götter erfahren, wie schwer es ist, gut zu sein. Sie geben Shen Te ein bisschen Geld, sie kauft sich einen Tabakladen - und steht bald wieder vor dem Ruin, weil allzu viele Freunde und Verwandte von ihr Hilfe einfordern.

Deshalb ersinnt (und spielt) Shen Te ihren Vetter Shui Ta. Der ist knallhart, gründet mit dem Restkapital eine Tabakfabrik und beutet die Arbeiter nach Strich und Faden aus. Wenn Shen Te gut sein will, muss Shui Ta erst einmal das Geld zusammenraffen. Als Shen Te sich in einen Flieger verliebt, droht wieder das Aus. Der will Geld, um sich in Peking einen Job zu kaufen.

Shui Ta ist die Gute, Wang ist ein Wasserverkäufer mit zergrübeltem Gesicht und nie endenden Sorgen. Beide werden von Schauspielern verkörpert - und auch von Puppen. Aber warum diese Puppen zum Einsatz kommen, wird nie überzeugend klar. Brechts Stück kommt ohne sie aus. Die sowieso schon komplexe Handlung wird durch die Doppelbesetzung noch schwieriger zu durchschauen.

Das Komische und Unterhaltsame der Parabel bekommt zu viel Gewicht - aber zum Schluss gewinnt die Handlung Konzentration und Übersichtlichkeit: Wenn die Götter mit der beruhigenden Nachricht, alles sei in Ordnung, die Erde wieder verlassen, weiß jeder im Publikum, dass sie die Augen vor der Wahrheit verschließen. Ihre Schöpfung ist missglückt, man müsste, wenn die Menschen gut sein sollten, das System ändern. Und das ähnelt, wen wundert es bei Brecht, stark dem Kapitalismus.

Die Spielstätte Depot 2 ist akustisch schwierig. Wenn die Schauspieler rasch und laut sprechen, lagert sich der Hall über den Dialog und macht ihn schwer verständlich oder produziert Klangbrei.

Kölns neuer Schauspielintendant Stefan Bachmann (Nachfolger von Karin Beier, die nach Hamburg gegangen ist) setzte an den Anfang seiner Amtszeit den «Nackten Wahnsinn» (Regie: Rafael Sanchez), eine Farce, in der der britische Meisterdramatiker Michael Frayn sich darüber lustig macht, wie der Egoismus der Theaterleute ihre Kunst ruiniert - also ein selbstkritisches Stück von hohem Unterhaltungswert. Und auf Brechts «guten Menschen von Sezuan» folgt bald eine Inszenierung des Intendanten: «Der Streik», die Bühnenbearbeitung eines stark umstrittenen Romans von Ayn Rand.

«Der gute Mensch von Sezuan», Schauspiel Köln im Depot 1 und 2

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erstellt am 29.Sep.2013 | 11:57 Uhr

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