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Theater : Melancholie im «Hotel Capri»

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Für manche war und ist die italienische Insel Capri ein Sehnsuchtsort, der sie träumen lässt vom sonnigen Glück.

shz.de von
erstellt am 21.Sep.2013 | 10:11 Uhr

Und so hat der Dramatiker Thomas Jonigk sein neues Stück «Hotel Capri» genannt und es dann an einen Ort verlegt, dessen schlechter Zustand in keinem größeren Gegensatz zu dieser Sehnsucht stehen kann. Am Freitagabend war Uraufführung im Münchner Cuvilliés-Theater.

Hier, in dieser heruntergekommenen Absteige, versucht der in die Jahre gekommene Werner von Späth, seiner Vergangenheit auf die Spur zu kommen. Denn in diesem Hotel verbrachte er als junger Mann einst die glücklichsten Stunden seines Lebens mit der Liebe seines Lebens.

Für die Rolle des Werner von Späth kehrt Schauspieler Lambert Hamel nach zweijähriger Pause an das Bayerische Staatsschauspiel zurück. Von 2001 bis 2011 war er Ensemble-Mitglied bei Dieter Dorn.

Jetzt spielt er den alten, reichen Mann, der von der Idee getrieben ist, seine große Liebe noch einmal wiederzusehen, um herauszufinden, ob die zwei eine Chance gehabt hätten. Ihm selbst fehlte damals, in den 1960er Jahren, der Mut, sich in einer repressiven Gesellschaft und Familie zu dieser Liebe zu bekennen, denn sie gilt einem Mann.

Werner will seine Ruhe, doch da macht eine aufgedrehte Frau ihm einen Strich durch die Rechnung, die behauptet, ebenfalls in Zimmer Nummer 11 zu wohnen und sich über ihren Mitbewohner freut - sie sei schließlich so ungern alleine. Juliane Köhler spielt diese rastlose Christine, die in einem Tempo spricht, das selbst eine gestandene Schauspielerin wie sie ab und zu ins Stolpern bringt.

Zwischen Wahnvorstellungen, Träumen und melancholischen Erinnerungen wartet Werner, der starke Medikamente nimmt, in dem Hotelzimmer auf ein Treffen mit seinem Franz (Arnulf Schumacher). Jonigks Stück ist eines über Homosexualität in den 1960er Jahren und im Alter. Und es erinnert daran, was junge Männer noch vor gar nicht allzu langer Zeit durchmachen mussten, wenn sie ihre Homosexualität öffentlich machten.

Regisseurin Tina Lanik macht aus Jonigks Vorlage ein ebenso temporeiches wie melancholisches Stück, das beim Publikum am Premierenabend zwar nicht frenetisch gefeiert wurde, aber ganz gut ankam.

Residenztheater

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