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Theater : Lang: «Dantons Tod» in München

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In nur fünf Wochen schrieb Georg Büchner «Dantons Tod» - damals, im Jahr 1835. Das reichte den Münchner Kammerspielen wohl nicht, denn für die Neuinszenierung des Dramas im Jahr 2013 haben sie Büchners Text durch die Bearbeitung von Matthias Günther und Tobias Staab einiges hinzugefügt.

So endet die Geschichte nicht - wie bei Büchner - mit der Hinrichtung Dantons und seiner Mitstreiter, sondern das Stück wagt einen weiteren Ausblick unter anderem auf den späteren Tod Robespierres. Und dafür gibt Regisseur und Kammerspiel-Intendant Johan Simons dem Text viel Raum - vielleicht zu viel.

Gerade erst haben Kritiker die Kammerspiele in der Zeitschrift «Theater heute» zum Theater des Jahres erklärt, weil Simons die Bühne moderner gemacht hat und internationaler. International geht es zu bei der Premiere am Donnerstagabend. Die Revolutionäre sprechen Französisch - zumindest ab und an. Ansonsten aber kommt Simons Inszenierung überraschend eintönig und langatmig daher. Mehr als drei Stunden dauert sein «Danton», nicht alle Zuschauer finden nach der Pause auf ihren Platz zurück.

Eine Stunde dauert es, bis überhaupt etwas passiert auf der Bühne. Bis dahin haben sich die revolutionären Charaktere an einer langen Festtafel versammelt, einem Kammerorchester gelauscht und - meist sitzend - Monologe getauscht. Dann aber treffen Danton (Pierre Bokma) und Robespierre (Wolfgang Pregler) direkt aufeinander und im Zusammenspiel zwischen den beiden nimmt die Inszenierung Fahrt auf.

Bokma und Pregler spielen die entfremdeten Co-Revolutionäre tempo-, facettenreich und so aufopferungsvoll, dass Pregler am Ende des Stücks splitterfasernackt vor dem Publikum steht. Sie ernten dafür zu Recht am Schluss den größten Applaus.

Abgesehen davon aber schleppt sich das Stück streckenweise so anscheinend uninspiriert und manchmal auch unstimmig dahin, wie München es von Simons nicht kennt. Das Bühnenbild bleibt konstant (Bühne: Eva Veronica Born), oft wirkt das, was da oben auf der Bühne des Schauspielhauses passiert, wie die Lesung eines weitgehend aber eben nicht vollständig bekannten Textes.

Ein Highlight der Bearbeitung: Eine neu hinzugefügte philosophische und durchaus unterhaltsame Abhandlung über die Guillotine, launig vorgetragen von Benny Claessens als Henker. Szenen wie diese sind es wohl, die das Publikum in regelmäßigen Abständen aus der Lethargie holen und für den freundlichen Applaus am Ende sorgen.

Unter den Premierengästen war auch Matthias Lilienthal, der das Theater von 2015 an als Nachfolger von Simons leiten soll. Nur wenige Stunden vorher hatte der Kulturausschuss des Münchner Stadtrates ihn einstimmig zum künftigen Kammerspiel-Intendanten gewählt. Simons wird dann Intendant der Ruhrtriennale.

Münchner Kammerspiele

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erstellt am 27.Sep.2013 | 08:13 Uhr

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