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Festspiele : Jung, cool, hip: Salzburger Sommernachtstraum

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Dieser Salzburger Sommernachtstraum könnte auch einem Drogenrausch auf einer Designer-Party in einem Londoner Penthouse entsprungen sein. Denn sie sind alle sehr hip, cool und schick, die sich da beim britischen Regisseur Henry Mason in Liebeswirren verfangen.

Hippolyta macht in Wellnesskleidung Schwangeren-Yoga, Hermia verfolgt mit Schnürschuhen, Hornbrille und Oversize-Blazer ihren Liebsten und Puck wirkt im engen Blumenmuster-Anzug zeitweise wie das Abziehbild eines schwulen In-Designers. Auch die Sprache ist sehr modern, der Regisseur hat Shakespeares Stück selbst ins Deutsche übersetzt.

Das Publikum der Open-Air-Premiere im Salzburger Residenzhof war vom leichten und kurzweilig-modernen Musiktheater begeistert: Nach der rund dreistündigen Vorstellung bei tropischen Temperaturen gab es langanhaltenden Applaus und begeisterte Bravo-Rufe für Schauspiel, Regie und das Mozarteumorchester Salzburg unter Ivor Bolton.

Überzeugend hat Mason die Schauspielmusik von Felix Mendelssohn Bartholdy in die Komödie integriert: In allen Musik-Sequenzen lässt er die Schauspieler die Handlung weiter spielen. So beherrschen beispielsweise zu Beginn hektische Hochzeitsvorbereitungen die für Renovierungsarbeiten abgeklebte Bühne: Caterer, Techniker, Floristen und Putzpersonal kommen und gehen. Dazwischen soll sich die schwangere Hippolyta, die aber mehr an ihren Yoga-Übungen interessiert ist, ein Kleid aussuchen. Theseus ist im Morgenrock ganz genervt-wichtiger Manager. Dann stellen alle Darsteller mit teils akrobatischen Verrenkungen «Ein Sommernachtstraum» als menschliche Buchstaben dar und die Handlung beginnt.

Jan Meier hat auf die Bühne ein grünes Metallgerüst gebaut, auf dem oben das Orchester auf einer Galerie über dem Geschehen thront. Nach Entfernung der Renovierungsplanen ist der Blick frei auf den mit Birkenstämmen angedeuteten Wald: Hier herrschen freakig-freche Feen unsicheren Geschlechts, mit zerrissenen Netzstrumpfhosen und derben Stiefeln ganz im Punk- oder Gothicstil. Markus Meyer zeigt einen in jeder Hinsicht stets einsatzbereiten, frechen und differenzierten Puck mit allerlei Akrobatik-Einlagen.

Auch die vier Liebenden müssen bei ihren Verirrungen viel turnen und überzeugen mit Spielfreude: Hermia (Tanja Raunig) stöckelt in Ankle-Boots und mit Koffer-Ensemble als verwöhntes Töchterchen durch den Wald, Helena (Eva Maria Sommersberg) ist im Schlabber-Look eher hippe Außenseiterin. Da ist gleich klar, dass sie letztendlich zu Demetrius (Claudius von Stolzmann) gehört - ebenfalls mit Hornbrille und Lederjacke ganz Hipster. Lysander (Daniel Jeroma) im Anzug gehört damit zur schicken Designerbraut Hermia. Bei so viel gestylter Coolness nimmt man dem Quartett - wie auch den anderen Paaren - heiße Liebesqualen aber nicht so recht ab.

Karoline Eichhorn zeigt eine ebenso wie ihre Hippolyta kühl-schroffe Elfenkönigin Titania mit Glatzkopf, die auch mal kurzerhand einen Vogel erdolcht, weil sie sich in sein Nest legen will. Einzig Michael Rotschopf bringt als Theseus und mehr noch als Elfenkönig Oberon Wärme und glaubhaftes Interesse für die Geschehnisse ins Spiel.

Die ihr Stück probenden Handwerker - bei Mason vom Caterer über die Brautmodenverkäuferin zum Veranstaltungstechniker allesamt von den Hochzeitsvorbereitungen - überzeugen durchweg in ihrer Komik. Am Ende darf die erste Zuschauerreihe Konfetti auf die Hochzeitsgesellschaft werfen und die Elfen tragen Lichtkugeln ins Publikum: Ein stimmiger, wenn auch sehr cooler Sommernachtstraum mitten in der österreichischen Hitze-Welle.

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erstellt am 19.Aug.2013 | 00:21 Uhr

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