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Theater : Intendanten-Reigen an deutschen Theatern

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Vieles neu macht dieser Herbst in der Welt des deutschen Sprechtheaters.

shz.de von
erstellt am 17.Sep.2013 | 09:41 Uhr

Mit Karin Beier kommt beispielsweise eine der erfolgreichsten Theater-Intendantinnen der vergangenen Jahre nach Hamburg, der auch als Dramatiker gefeierte Armin Petras, der zuletzt in Berlin Theaterchef war, tritt in Stuttgart an, und der zuletzt in Stuttgart erfolgreiche Hasko Weber wirkt jetzt in Weimar.

Wer wo als Intendant(in) antritt - Posten-Neubesetzungen in Hamburg, Köln, Berlin, Stuttgart, Weimar, Leipzig, Düsseldorf und Bonn im Überblick:

HAMBURG, Deutsches Schauspielhaus - Karin Beier: Große Erwartungen und Vorfreude in der Hansestadt Hamburg, der zweitgrößten Metropole Deutschlands. Die gefeierte Karin Beier (47) beginnt ihre lang ersehnte Schaffenszeit am größten und gerade frisch sanierten Sprechtheater-Gebäude der Republik, dem Deutschen Schauspielhaus. Während ihrer sechs Spielzeiten langen Intendanz am Schauspiel Köln führte Beier das Theater 2010 und 2011 zweimal zu dem von Kritikern verliehenen Titel «Theater des Jahres». Mit ihr nach Hamburg kommt Kölns Shooting-Theaterstar Lina Beckmann, aber auch der Schauspieler und Autor Joachim Meyerhoff («Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war») vom Wiener Burgtheater. Saison-Auftakt ist Mitte November.

KÖLN, Schauspiel - Stefan Bachmann: Karin Beier hinterlässt eine große Lücke, die der Schweizer Regisseur und inszenierende Intendant Stefan Bachmann (47) aber wohl gut füllen wird. Der frühere Schauspieldirektor vom Theater Basel plant zum Beispiel lokal inspirierte Stücke vor ungewöhnlicher Kulisse. Depots auf dem Industriegelände des ehemaligen Carlswerks im rechtsrheinischen Köln-Mülheim sind Ausweich-Spielstätten, während das Schauspielhaus in der Innenstadt umgebaut wird. Als bekanntester Neuzugang im Ensemble kann Fassbinder-Schauspieler Peter Kern gelten. Am 27. September startet die Spielzeit mit Michael Frayns «Der nackte Wahnsinn» (Regie: Rafael Sanchez), einen Tag später inszeniert Moritz Sostmann Brechts «Der gute Mensch von Sezuan».

BERLIN: Gorki Theater - Shermin Langhoff: Das Berliner Maxim Gorki Theater eröffnet am 8. November seine erste Spielzeit unter der künstlerischen Leitung von Shermin Langhoff und Jens Hillje. Mit einem 17-köpfigen Schauspiel-Ensemble will sich das Theater in Berlin-Mitte in erster Linie mit Umbrüchen beschäftigen - aktuellen und historischen. Die Theaterpädagogik soll ausgebaut werden. Geplant sind auch englische Übertitel für alle Aufführungen - touristenfreundlich nahe dem Prachtboulevard Unter den Linden. Langhoff leitete in den vergangenen fünf Jahren das Off-Theater Ballhaus Naunynstraße in Berlin-Kreuzberg, das vor allem mit dem 2011 zum Theatertreffen eingeladenen Stück «Verrücktes Blut» von Nurkan Erpulat und Jens Hillje Aufsehen erregte.

STUTTGART, Schauspiel Stuttgart - Armin Petras: In Berlin, wo es kein eigenständiges Kulturressort mehr gibt, wurde Armin Petras (alias Fritz Kater als Theaterautor) nicht glücklich. Enttäuscht von der nach seinen Worten mangelnden finanziellen Hilfe des Landes Berlin und des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit hat er das Gorki Theater verlassen und ein «verlockendes Angebot» aus Stuttgart angenommen, wo er die Nachfolge von Hasko Weber antritt (der jetzt Generalintendant am Weimarer Nationaltheater ist). Armin Petras (49) und sein Team wollen sich am 29. September mit Mini-Performances im renovierten Schauspielhaus vorstellen («Hello! Look at me! Das neue Ensemble stellt sich vor»). Richtig los geht es dann am 25. Oktober mit dem «Urgötz» nach Goethe (Regie: Simon Solberg).

WEIMAR, Deutsches Nationaltheater - Hasko Weber: Er war zuletzt Intendant beim Staatsschauspiel Stuttgart, nun hat Hasko Weber (49) die Nachfolge von Stephan Märki in Weimar angetreten. Der Schweizer war bereits im Sommer 2012 nach Bern gewechselt. Zum Auftakt hat der neue Generalintendant des Deutschen Nationaltheaters (DNT) Anfang September einen erfrischenden «Faust» auf die Bühne gebracht. Inszenierungen von «Der Tragödie erster Teil» haben in der Klassikerstadt Tradition. Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) lebte rund 50 Jahre in Weimar und war mehr als 20 Jahre auch für das Theater zuständig. Der Spielplan 2013/14 schlägt den Bogen von der Klassik zu zeitgenössischem Theater. Im Vergleich zu Stuttgart, wo er acht Jahre gesellschaftspolitisches Theater gemacht habe, sei Weimar anders, sagt Weber. Das DNT sei zugleich Stadttheater und Thüringer Staatstheater. Das sommerliche Kunstfest Weimar wird ab 2014 - nach dem Weggang von Nike Wagner - zur Sparte des DNT.

LEIPZIG, Schauspiel Leipzig - Enrico Lübbe: Als Nachfolger von Sebastian Hartmann tritt im öfter auch mal «Hypezig» genannten Leipzig der als Schauspielerregisseur gefeierte Enrico Lübbe (38) an. Das Theater firmiert jetzt wieder ausschließlich als Schauspiel Leipzig. Die Bühne hatte einst Centraltheater geheißen und dann jahrzehntelang Schauspiel Leipzig. Hartmann hatte bei seinem Amtsantritt 2008 den Namen Centraltheater wieder eingeführt. In Lübbes erster Spielzeit sind 30 Premieren angesetzt, von Klassikern wie Shakespeare und Schiller bis hin zu zeitgenössischen Dramatikern. Mit diesem breitgefächerten Programm will der ehemalige Direktor des Chemnitzer Theaters die Interessen und den Geschmack seines neuen Publikums ausloten. Der neue Chef will sich Anfang Oktober mit Lessings «Emilia Galotti» vorstellen.

DÜSSELDORF, Schauspielhaus Düsseldorf, Manfred Weber: In der Landeshauptstadt von Nordrhein-Westfalen ist jetzt Manfred Weber, der dort seit 2006 Geschäftsführender Direktor ist, Interimsintendant. Der bisherige Intendant Staffan Holm war Ende November nach nur 16 Monaten wegen eines Burnout-Syndroms zurückgetreten. Bei der Nachfolgersuche kam es zum Eklat, nachdem vertrauliche Kandidatennamen publik geworden waren. Vier prominente externe Mitglieder waren daraufhin aus der Findungskommission zurückgetreten. Los ging die Spielzeit bereits am 13. September mit dem Lustspiel «Der Parasit oder Die Kunst sein Glück zu machen» (Regie: Nurkan Erpulat). Am Samstag (21. September) ist die Uraufführung von «Jalta» geplant, einer Komödie über den Weltkriegs-Gipfel 1945 auf der Krim. TV-Star Imogen Kogge (früher «Polizeiruf 110») steht dabei als Winston Churchill auf der Besetzungsliste.

BONN, Theater Bonn, Bernhard Helmich: Neuer Generalintendant der Bonner Bühnen ist Bernhard Helmich, der zuletzt in Chemnitz wirkte. Fürs Schauspiel hat er fünf Uraufführungen angekündigt. Politische Themen stehen im Vordergrund, etwa «Helmut Kohl geht durch Bonn». Franz Wittenbrink, der bislang viel in Hamburg arbeitete, wurde von der neuen Schauspieldirektorin Nicola Bramkamp für einen musikalischen Abend namens «Eltern» (Premiere: 18. Oktober) gewonnen. Erstmals auf die Bühne gebracht werden soll auch der Roman «Nullzeit» der in Bonn geborenen Autorin Juli Zeh (Premiere 6. März). Am Sonntag (22. September) gibt es zum Auftakt ein Theaterfest von Oper und Schauspiel mit musikalischen Kostproben und konzertanten Aktionen.

Schauspielhaus Hamburg

Schauspiel Köln

Maxim Gorki Theater Berlin

Schauspiel Stuttgart

DNT, Nationaltheater Weimar

Schauspiel Leipzig

Schauspielhaus Düsseldorf

Theater Bonn

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