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Theater : Intendant Weber: Mit «Faust» ein Signal in Weimar setzen

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Das Deutsche Nationaltheater Weimar (DNT), in dem Johann Wolfgang von Goethe einst mehr als 20 Jahre lang das Sagen hatte, spielte im Kanon der deutschen Theater immer eine besondere Rolle.

shz.de von
erstellt am 05.Sep.2013 | 11:07 Uhr

Im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa erklärt der neue Generalintendant Hasko Weber, wie er mit Goethes «Faust» und Wagners «Lohengrin» gleich zu seinem Antritt ein Signal setzen will und welche Rolle der Zuschauer bei ihm spielt.

Frage: Herr Weber, Goethes Tragödie «Faust, Erster Teil», Wagners Oper «Lohengrin» und als Uraufführung «Weiskerns Nachlass» nach dem Roman von Christoph Hein - die Wahl Ihrer Stücke zum Auftakt Ihrer ersten Spielzeit in Weimar lässt aufhorchen. Kann dies nicht auch zu einem Rucksack werden?

Antwort: Ich sehe dies nicht als Rucksack, sondern will mit den Werken ein Signal setzen. Die Erwartungen in Weimar an das Haus sind groß, teilweise auch konträr entgegengesetzt. «Faust» ist ein klares Bekenntnis zur Stadt, «Lohengrin» wurde 1850 in Weimar uraufgeführt - beide Stücke sind hier immer gefragt. «Weiskerns Nachlass» behandelt das «Faust»-Thema - die Problematik eines einzelnen Wissenschaftlers - in unserer Zeit und aus heutiger Sicht. Alle drei Inszenierungen ergeben ein inhaltliches Paket, ein Angebot an die Weimarer. Und ich hoffe, dass es aufgeht.

Frage: Ein neuer «Faust» wird immer mit Argusaugen beleuchtet. Möchten Sie den Schleier ein wenig lüften? Was kommt auf die Premierenbesucher am 6. September zu?

Antwort: Wir sind aus Goethes Vorlage in die Inszenierung gegangen. Es gibt keine Verkehrung oder Umkehrung der Faust-Figur. Ich sehe den Faust auch als Individuum auf der Bühne im absoluten Zentrum. Es ist eine Konzentration auf das Thema.

Frage: Welche Schwerpunkte sehen Sie für den Weimarer Spielplan?

Antwort: Wir wollen als Thüringer Staatstheater, das gleichzeitig Stadttheater ist, zunächst neugierig machen. Ich habe das Gefühl, dass erstmal eine Tür aufgestoßen werden muss. Es ist eine neue Saison, eine neue Intendanz, eine gute Mischung aus bisherigen und neuen Mitarbeitern. Bei den drei Premieren zum Auftakt sind alle Sparten - Schauspiel, Musiktheater, Staatskapelle - vertreten. Es ist sehr wichtig, gemeinsam zu beginnen. Inhaltlich wird es neben der Beschäftigung mit dem klassischen Kanon immer auch um die Bezüge zum Jetzt und zum Heute gehen.

Frage: Was liegt Ihnen besonders am Herzen?

Antwort: Der Austausch mit dem Publikum. Wir machen ein Angebot mit unseren Inszenierungen und Konzerten und wollen die Reflexion und das Gespräch mit Besuchern und Stadt. Theater darf keine Einbahnstraße sein. Wir wollen herausfinden, wie sich unsere Suche im Konkreten mit den Erwartungen der Zuschauer deckt und wo sie auseinanderdriftet. Die Leute sollen das Gefühl entwickeln, dass sie bei uns gewollt sind.

Frage: Welchen Stellenwert messen Sie Kooperationen mit anderen Häusern bei?

Antwort: Ich halte es für sehr wichtig, unsere Kompetenzen auszutauschen. Kooperationen sind in der Zukunft mit Berlin, Rudolstadt oder Erfurt möglich - das ist noch völlig offen. Meine wichtigste Aufgabe ist die Stärkung des Hauses und seiner Position in der Stadt. Ich glaube aber fest daran, dass es in Zukunft sehr viel mehr um kooperative Zusammenarbeit gehen muss, weil ich darin die Chance einer kulturellen und künstlerischen Stabilisierung sehe. Gerade für die Thüringer Theaterlandschaft könnte das sehr interessant sein.

Nationaltheater Weimar

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