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Kultur : Intendant Joachim Lux über die Finanzkrise

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Für den Intendanten des Hamburger Thalia-Theaters, Joachim Lux, gibt es keine Krise der Theater in Deutschland - weder mit dem Publikum noch künstlerisch. Schuld an dem Theatersterben sei die heftige Finanzkrise der Kommunen, unter der auch die Theater leiden.

Im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa fordert der 55-Jährige daher eine bessere Ausstattung der Kommunen.

Frage: Wie bewerten Sie aktuell die Situation der Theater in Deutschland?

Antwort: Es gibt - abgesehen von normalen Schwankungen - weder eine Krise mit dem Publikum noch eine künstlerische Krise. Allerdings darf die Schere zwischen künstlerischen Erzählweisen und dem Publikum nicht weiter aufgehen. Es gibt allerdings aus zahlreichen und vor allem steuerrechtlichen Gründen eine heftige Finanzkrise der Kommunen. Sie schlägt voll auf die kommunalen Aufgaben durch: auf den Straßenbau genauso wie auf zahlreiche öffentliche Institutionen. Dazu gehören Schwimmbäder, Bibliotheken und Kindergärten, und eben auch die Theater. Sie sterben derzeit wie die Fliegen.

Frage: Was muss eine neue Bundesregierung für die Theaterlandschaft vordringlich tun?

Antwort: Die Bundesregierung muss die Kommunen grundsätzlich besser ausstatten, anstatt sie sukzessive auszubluten. Alternativ dazu könnte sie politisch dafür sorgen, dass die zwischen den Tarifparteien und den Theaterträgern (in der Regel sind das die Städte, Kommunen und Länder) ausgehandelten Tariferhöhungen nicht einfach an die Theater durchgereicht werden. Daran gehen sie über kurz oder lang kaputt.

Frage: Braucht Deutschland einen Bundeskulturminister?

Antwort: Ja, als Makler zwischen Hauptstadtinteressen und der segensreichen föderalen Struktur unseres Landes.

Frage: Haben Intellektuelle und Kulturschaffende noch Einfluss auf die Politik?

Antwort: Immer weniger. Zum einen fehlen offenbar die Visionen, für die man kämpfen würde. Zum anderen gibt es seit langem einen Strukturwandel der Öffentlichkeit. Frühere hatten die Wortmeldungen von Grass, Böll, Enzensberger u.a. eine hohe gesamtgesellschaftliche Bedeutung. Das gibt es so nicht mehr. Und wird es wohl auch so nie mehr geben.

Kurzvita bei Thalia-Theater

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erstellt am 26.Aug.2013 | 15:17 Uhr

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