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Theater : «Ilona. Rosetta. Sue»: Drei Frauen, drei Nationen

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Seine letzte internationale Produktion wurde ein Riesen-Erfolg: 2011 inszenierte Sebastian Nübling «Three Kingdoms» von Simon Stephens an den Münchner Kammerspielen.

Eine trinationale Ko-Produktion, die für Furore sorgte und von den Kritikern der Zeitschrift «Theater heute» zum «Ausländischen Stück des Jahres» erklärt wurde. Jetzt legt Nübling mit seiner nächsten trinationalen Produktion nach. In München feierte «Ilona. Rosetta. Sue» Uraufführung, eine Gemeinschaftsproduktion der Kammerspiele mit den Theatern NO99 in Tallinn und KVS Brüssel. Drei Nationen, drei Frauen. Schauspieler aus drei Ländern stehen auf der Bühne. Entsprechend international geht es dort zu.

Es herrscht ein Sprachgewirr, durch das deutsche Übertitel hindurchhelfen. Das Schicksal von Ilona, Rosetta und Sue steht im Mittelpunkt der düsteren Geschichte, die auf Filmen der bekannten Regisseure Aki Kaurismäki, Luc und Jean-Pierre Dardenne sowie des israelischen Regisseurs Amos Kollek basiert. Das Stück erzählt die Geschichte dreier Frauen, die erst ihre Arbeit verlieren und dann immer weiter ins gesellschaftliche Abseits geraten. Existenzangst, Alkohol, Prostitution, soziale Ausgrenzung.

Erstaunlich unmodern wirkt die Geschichte über den Kampf in der und gegen die Arbeitswelt, in der Menschen nicht als Menschen gelten, sondern nicht mehr sind als Produktionsmittel, Mittel zum Zweck. Ganz zum Schluss nimmt Schauspieler Steven Scharf als Ilonas Mann Lauri das Wort Kommunismus in den Mund. Gute alte Kapitalismuskritik. Für Nüblings Inszenierung gibt es am Premierenabend zunächst eher zögerlichen Applaus. Einige Zuschauer schienen etwas ratlos zu sein nach der Aufführung, einer Aneinanderreihung depressiver, deprimierender, tragikomischer Szenen, aus denen vor allem Wiebke Puls als gescheiterte Existenz Sue heraussticht.

Zwei Zuschauer aus der ersten Reihe gehen nach der Hälfte. Einer, der bis zum Ende geblieben ist, buht. Dabei ist das, was Nübling auf die Bühne des Schauspielhauses bringt, durchaus berührend. Rosetta (Mirtel Pohla) kämpft um einen Job - irgendeinen - und mit ihrer alkoholabhängigen Mutter (Maarika Vaarik). Ilona (Starlette Mathata) gegen die Finanzbehörden und Sue (Puls) vor allem gegen sich selbst. Wahllos geht sie mit Männern ins Bett - stets auf der Suche nach ein bisschen Nähe. Als Ben (Rasmus Kaljujärv) sie ihr geben will, kann sie sie nicht annehmen. Die Behörden lassen alle drei allein.

Nübling verwebt die drei Geschichten kunstvoll zu einer melancholischen, menschlichen Tragödie. «Es ist das Modell einer Stadt, wie wir sie alle kennen, ein Ort, an dem die verschiedensten Lebenswirklichkeiten Tür an Tür leben, ohne sich direkt zu berühren», sagt Regisseur Nübling nach Kammerspiel-Angaben. «Und es ist das Modell einer Stadt, in der die öffentlichen Orte - Arbeitsämter, Arbeitsplätze, Cafés, Parks - potenzielle Orte der Begegnung sein könnten, aber selten sind.»

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erstellt am 19.Okt.2013 | 10:57 Uhr

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