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Musik : Höllers Bulgakow-Oper «Meister und Margarita» in Hamburg

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Hamburg (dpa) – Der russische Dichter Michail Bulgakow (1891-1940) hat in seinem Jahrhundert-Roman «Meister und Margarita» einen wahren Wirbelsturm an fantastischen, grotesken und mythisch verkanteten Welten entfacht.

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erstellt am 15.Sep.2013 | 12:51 Uhr

Satans-Ball, Himmelfahrt des Pontius Pilatus, rollende Köpfe, ein Kater mit übersinnlicher Kraft und dazu – Goethes «Faust» lässt grüßen – der Teufel als Motor und Mentor aller magischen Entwicklungen: Der 1944 geborene Kölner Komponist York Höller, Experte speziell auch für elektronische Musik, hat die verstörende und betörende Vielschichtigkeit des von Stalins Zensur bis 1966 totgeschwiegenen Meisterwerks facettenreich und mit Bravour nachzugestalten gewusst.

Das hatte schon in Paris, wo Höllers ambitioniertes Musiktheater-Werk «Der Meister und Margarita» 1989 zur Uraufführung kam, erheblichen Eindruck gemacht. In Hamburg suchte man nun den Zwei-Akter in der berühmten Varieté-Szene mit einer «Apple»-Persiflage aufzufrischen. «Schmidt-Theater»-Chef Corny Littmann, den man als Conférencier angeheuert hatte, nahm dabei auch noch hanseatische «Pfeffersack»-Mentalitäten und andere bekannte Hamburg-Bezüge aufs Korn. Danach lichteten sich die Reihen im Parkett.

Dabei hatte die Hamburger Inszenierung mit Johannes Leiackers ganz puristisch auf Schwarz-Weiß gestimmtem Bühnenbild durchaus ihre Meriten. Verriet sie doch ein gut durchdachtes Konzept und schlüssige Lösungen. So ließ der Jung-Regisseur Jochen Biganzoli Bulgakows Moskauer Teufeliaden aus der Hoch-Zeit stalinistischer Repressionen im quasi abstrakten Ambiente einer riesigen Neon-Röhren-Konstruktion spielen, die mal zur Psychiatrie, mal zur Folterkammer, mal zum gespenstisch bevölkerten Ballsaal, mal zu Golgatha wurde.

Das stärkte natürlich die zeitlos allgemeingültige Symbolkraft des Werks. Da sich auf der Hamburger Bühne Orte und Zeiten aber ständig überlappten und auch noch etliche Doubles ihr modisches Unwesen trieben, ließ sich das schwierig versponnene Geschehen oft nur mühsam enträtseln. Dietrich Henschel, der die Doppelrolle des Meisters und des Jeschua (Jesus) mit blendendem Leidens-Elan sang, hatte als stärkste Mitstreiterin Cristina Damian in der Rolle der Margarita. Ihr Pakt mit dem Teufel (Derek Welton als Magier) soll ihrem geliebten «Meister» Erlösung von seinen irdischen Leiden bringen. Doch Dichter-Ruhm ist diesem (wie Bulgakow) erst nach dem Tode vergönnt.

Höllers elektronisch klug beflügelte Musik hat ihre erstaunliche Faszinationskraft bewahren können. Sie überzeugt vor allem in den stilleren, sparsam instrumentierten und lyrisch bewegten Momenten, weniger im etwas monotonen Überdruck orchestraler Klang-Massierungen. Marcus Bosch führte die Philharmoniker und die Sänger präzise animierend. Der fast erblindete 69-jährige Komponist war von der späten Hamburger Premiere seines Herzenswerks sichtlich gerührt und dankte allen Anwesenden.

Staatsoper

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