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Musik : Hélène Grimaud wagt sich an Brahms' Klavierkonzerte

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Hélène Grimaud hat 15 Jahre gebraucht, bevor sie sich nach ihrer Einspielung des ersten Klavierkonzerts von Johannes Brahms auch an das zweite Meisterwerk des Komponisten traute.

Da gefällt es, dass Brahms seine Nummer zwei in B-dur erst 22 Jahre nach dem Erstling zu Notenpapier brachte. Einmal dabei hat sich die energische Pianistin auch wieder seines ersten Klavierkonzerts in d-moll angenommen. Eingespielt wurden die beiden herausragenden Werke mit zwei verschiedenen Orchestern - dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks und den Wiener Philharmonikern - aber mit einem Dirigenten: Dem Letten Andris Nelsons, von dem sich die Französin verstanden fühlt.

Grimaud ist eine Künstlerin mit vielen Facetten, die ihre Hingabe an die Musik stets betont. Als Pianistin legte sie eine glanzvolle Karriere hin, und wird von Kritik und Publikum geliebt. Bemerkenswert, wieviel Kraft und Zeit sie neben Konzertreisen für ihre vielen anderen Aktivitäten findet. Sie ist engagierte Naturschützerin, Mitglied der «Musicians for Human Rights» und Buchautorin.

Das Klavirkonzert Nr. 1 in d-moll, der Lieblingstonart der 43-Jährigen, war das erste Werk von Brahms, das sie je hörte: «Ich könnte mir mein Leben nicht ohne das d-moll-Konzert von Brahms vorstellen.» Und das Gefühl der Vertrautheit, das ihr «Papa Brahms» gibt, will sie auch ihrem Publikum vermitteln.

Die beiden Klavierkonzerte des Dritten der drei großen Bs verlangen jedem Pianisten viel ab. Nicht nur technisches Können und Virtuosität sind nötig, sondern auch Kraft. Grimaud, die Musik lebt, trotzdem aber keine Ausdrucksfanatikerin ist, zeigt bei den beiden Werken, zu großer Kunst gehört auch, dass man hören darf, wie schwer es fällt. Die Frau aus Aix-en-Provence arbeitet sich an den Brahms'schen Noten ab, und es ehrt sie, dass sie ihre Fehler nicht mit den Möglichkeiten der heutigen Technik vertuscht.

Es scheint, dass jeder Pianist, der auf sich hält, diese beiden Juwele der klassischen Pianokunst einmal zu Gehör gebracht haben muss. Und man fragt sich, ob eine abermalige Einspielung der beiden Brahms-Highlights dem Hörer etwas Neues bringt. Doch dürfte dieser Aspekt die Verehrer von Hélène Grimaud nicht interessieren. Sie werden die ehrliche Interpretation ihrer Lieblingsvirtuosin bevorzugen.

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erstellt am 09.Okt.2013 | 09:41 Uhr

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