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Musik : Hamburger Staatsoper mit «Verdi im Visier»

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Beim spektakulären «Wagner-Wahn» im Mai dirigierte Hamburgs Opernintendantin Simone Young alle zehn Hauptwerke von Richard Wagner in nur drei Wochen.

shz.de von
erstellt am 14.Okt.2013 | 09:27 Uhr

Nun stemmt die australische Dirigentin im Oktober ein weiteres Marathon-Projekt: Mit «Verdi im Visier» präsentiert die Staatsoper zum 200. Geburtstag von Giuseppe Verdi (1813-1901) mit «La Battaglia di Legnano» (20.10.), «I due Foscari» (27.10.) und «I Lombardi» (10.11.) drei frühe Opern als Neuproduktionen in drei Wochen.

«Diese Stücke sind so gut wie unbekannt und enthalten herrliche Chorszenen, grandiose Duette, packende Finali, geheimnisvolle Verschwörungsszenen. Ich glaube, man kann sich ein Leben lang mit Verdis Werken beschäftigen und immer noch überrascht werden», sagte Young der Nachrichtenagentur dpa zu dem Projekt.

Für die Recherche ist die 52-jährige Dirigentin extra ins Ricordi-Archiv nach Mailand gefahren, um die Originalpartituren zu studieren. «Fragen zu Artikulation, Phrasierungen, Dynamik sind bei Verdis Frühwerken schwer zu beantworten. Denn vieles, gerade was Artikulation und Phrasierung angeht, ist nicht konsequent durch alle Stimmen notiert, und das empfinde ich als besonders faszinierend», erzählt Young.

Vieles von dem, was später in gedruckte Partituren übernommen wurde, entspricht manchmal eher der Meinung von Verlagsleitern oder Redakteuren. «Aus diesem Grund ist es für mich umso wichtiger gewesen, genau zu sehen: Was steht in der handschriftlichen Partitur?»

Wie alle großen Werke Verdis seien die drei Opern zunächst einmal fesselndes Familien- und packendes Polit-Drama in einem:

«La Battaglia di Legnano» (Die Schlacht von Legnano, 1849) war Verdis Antwort auf den Risorgimento, die Einheitsbewegung der Italiener, die dem Revolutionsjahr 1848 folgte. Das Eifersuchtsdrama spielt vor dem geschichtlichen Hintergrund des Sieges einer kleinen lombardischen Armee über Friedrich Barbarossa.

«I due Foscari» (Die beiden Foscari, 1844) liegt als intimeres Kammerspiel zwischen den anderen beiden großen Choropern und basiert auf einem Vater-Sohn-Drama von Lord Byron.

In «I Lombardi alla prima crociata» (Die Lombarden auf dem ersten Kreuzzug, 1843) stehen sich zwei Brüder vor dem Hintergrund des ersten Kreuzzugs gegen die Muslime in einem Streit gegenüber.

«Alle drei Werke haben mit der Verlagerung von Gegenwartsproblemen ins Mittelalter beziehungsweise die Renaissance zu tun. Und sie stammen alle aus dem ersten Drittel des Lebenswerkes Verdis und sind dabei im musikalischen Stil sehr unterschiedlich», sagt Young.

Die Idee, drei Werke zu nehmen, die inhaltlich eine Verbindung haben, musikalisch aber sehr eigenständig sind, habe sie «besonders reizvoll» gefunden. «Und so haben wir uns entschlossen, als zusammenfassende Klammer das Gesamtkonzept bewusst in einen einheitlichen Raum zu stellen.»

Inszenieren wird die «Verdi-Trilogie» der amerikanische Regisseur David Alden, der sich in Deutschland mit Händel- und Wagner-Opern an der Bayerischen Staatsoper einen Namen gemacht hat.

Da alle drei Opern in einem kurzen Zeitraum hintereinander präsentiert werden sollen, kam die Idee auf, die Stücke für die Solo-Rollen individuell zu inszenieren, den Chor aber ganz bewusst szenisch anders einzusetzen als üblich. «Die Funktion des Chores in diesen drei Werken ist vergleichbar mit jener in der griechischen Tragödie. Dort ist der Chor von vornherein statisch angelegt, versinnbildlicht die Meinung der Masse, bietet eine Vielfalt von Informationen oder kommentiert die entscheidenden Themen des Stückes», sagt Young.

Der Bühnenbildner Charles Edwards hat einen variablen Grundraum geschaffen, der sich konstant über die Produktionen hinweg weiterentwickelt. Die Kostüme stammen von Brigitte Reiffenstuel.

Hamburgische Staatsoper

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