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Theater : «Fast normal»: Turbulentes Rock-Musical begeistert

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In den USA erhielt das Musical den Pulitzer-Preis und Tony Awards. Jetzt hat das Stadttheater Fürth auch eine deutschsprachige Fassung von «Next to Normal» auf die Bühne gebracht - und den Mut bewiesen, sich mit einem sonst eher tabuisierten Thema auseinanderzusetzen.

Anfänglich sieht alles nach Familienglück aus. Plötzlich aber tun sich bei den Goodmans tiefe Abgründe auf - Mutter Diana leidet unter einer schweren Depression und droht mit ihren seelischen Achterbahnfahrten die ganze Familie in den Abgrund zu reißen. Mit dem preisgekrönten Broadway-Musical «Fast Normal» («Next to normal») hat sich das Stadttheater Fürth zum Auftakt der neuen Spielzeit an schwer verdauliche Bühnenkost gewagt.

Das Premieren-Publikum reagierte begeistert auf den mutigen Versuch, das häufig tabuisierte Thema Depression im oft gefälligen Musical-Format auszuleuchten. Mit minutenlangem Applaus feierten die Zuschauer die deutschsprachige Erstaufführung des Rock-Musicals, das ursprünglich aus der Feder der US-Amerikaner Tom Kitt (Musik) und Brian Yorkey (Buch und Liedtexte) stammt.

Regisseur Titus Hoffmann hat dazu die deutschsprachige Bühnenfassung geliefert. Seine Charaktere lässt er auf einer pechschwarzen, doppelstöckigen Stahlträger-Bühne agieren. Er schafft damit mehrere Spielebenen, die er immer wieder für Parallelhandlungen nutzt. Eine rückwärtige Leinwand, hinter der Hoffmann das sechsköpfige Orchester platzierte, dient als Projektionsfläche für häufig wechselnde Lichteffekte.

Hoffmanns Inszenierung zeichnet sich durch eine ungewöhnliche Ausleuchtung aus. Mal taucht eine Scheinwerfer-Galerie an der Bühnendecke die Akteure darunter in fahles Licht. Mal lassen Scheinwerfer aus dem hinteren Teil der Bühne die Schauspieler als Schattenrisse erscheinen. Den Drogenrausch von Dianas Tochter Nathalie unterlegt der Regisseur mit einem psychedelischen Farbenspiel, bei Dianas Selbstmordversuch lässt er eine riesige Blutlache an der Bühnenrückwand zerfließen.

Die Handlung des Stücks ist dagegen eher einfach gestrickt. Für Spannung sorgt im Wesentlichen Dianas dramatischer Krankheitsverlauf: Die verzweifelte Mutter und Ehefrau gerät immer tiefer in den Strudel ihrer Depression. Ihre Stimmungsschwankungen zwischen ekstatischer Euphorie und lähmender Niedergeschlagenheit machen den Theaterbesucher zum mitleidenden Beobachter - und schaffen damit Verständnis für ein vielfach verkanntes Krankheitsbild.

Das US-Erfolgsmusical wurde 2010 mit dem Pulitzer-Preis für das beste Drama ausgezeichnet. Gelitten hat die Fürther Inszenierung aber phasenweise unter der Dominanz des Orchesters. Immer wieder mussten die Sänger gegen das laut wummernde Schlagzeug ansingen. Sensible Gesangsdialoge gingen dabei oft unter. Auch blieben einige Akteure unter ihren stimmlichen Möglichkeiten. Schließlich erwies sich auch die Tontechnik als nicht optimal. An dem Eindruck, einen ungewöhnlichen Musical-Abend erlebt zu haben, änderte das aber nichts.

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erstellt am 12.Okt.2013 | 12:11 Uhr

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