Musik : «Falstaff» im Altersheim an der Deutschen Oper Berlin

Noel Bouley als Sir John Falstaff (l.) und Michael Nagy als Ford bei der Foto-Probe in Berlin.
Noel Bouley als Sir John Falstaff (l.) und Michael Nagy als Ford bei der Foto-Probe in Berlin.

«Falstaff» geht in Rente: Die Deutsche Oper Berlin hat Giuseppe Verdis letztes Bühnenwerk ins Altersheim verlegt.

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18. November 2013, 09:07 Uhr

Die Eskapaden des englischen Schwerenöters ließ Regisseur Christof Loy am Sonntagabend in dem vom italienischen Komponisten in Mailand tatsächlich gegründeten und bis heute bestehenden Heim für Musiker, der «Casa di Riposo», spielen. Statt der Ritter bevölkern Rentner die Bühne, die Schwerter werden durch Gehstöcke ersetzt. Das Premierenpublikum spendete freundlichen Applaus.

Die Komödie nach einer Vorlage von Shakespeares «Die lustigen Weiber von Windsor» und «Heinrich IV.» und dem Libretto vom Arrigo Boito komponierte Verdi (1813-1901) mit 80 Jahren. Sie gilt als eines der großen Meisterwerke des Italieners.

Die Sache mit dem Altersheim bei Verdi ist nicht neu: Dustin Hoffman hat seine Filmkomödie «Quartett» über alternde Musiker im Ruhesitz spielen lassen, noch in diesem Sommer inszenierte Damiano Michieletto «Falstaff» bei den Salzburger Festspielen in einen Nachbau der «Casa Verdi» in Mailand. Auch an der Berliner Volksbühne hatte Johann Kresnik eine Hommage an die Mailänder Residenz choreografiert. Kein Wunder: Der abgetakelte Sir John hat schon bessere Zeiten erlebt. Jetzt steht er, von Fresssucht und Alkohol gezeichnet, vor dem Lebensabend und will es noch mal wissen.

Allerdings zieht Loy in seiner siebten Verdi-Inszenierung – und nach «Jenufa» seiner zweiten Arbeit an der Deutschen Oper - das Altersheim-Motiv nicht immer konsequent durch. Manchmal reicht im Bühnenbild von Johannes Leiacker eine Tür, um innen und außen anzudeuten, Requisiten werden hin- und hergeschoben, Falstaffs Lebensmittelpunkt, das Bett, landet schließlich im Wald.

Für eine gelungene «Falstaff»-Inszenierung ist allerdings die Besetzung der Titelpartie ein Schlüssel zum Erfolg. Der für die Rolle vorgesehene Markus Brück hatte aus Gesundheitsgründen abgesagt, für ihn sprang Noel Bouley ein. Doch der Stipendiat der Deutschen Oper ist mit der Rolle ziemlich überfordert und mit seinem schwachen Bariton der körpermächtigen Rittergestalt Falstaffs nicht gewachsen.

Dagegen glänzten vor allem Dana Beth Miller als Intrigantin Mrs. Quickly sowie Michael Nagy als der eifersüchtige Ehemann Ford. Auch zwischen Bühne und Orchester, meist souverän von Generalmusikdirektor Donald Runnicles geleitet, scheppert es mehrmals.

Deutsche Oper

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