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Theater : Eugene O'Neill: Werk und Leben voller Tragik

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erstellt am 16.Okt.2013 | 00:01 Uhr

Im Erdgeschoss darunter drängeln sich die Menschen in der Filiale einer Kaffeekette: Der Ort, an dem Eugene O'Neill am Mittwoch (16. Oktober) vor genau 125 Jahren geboren wurde, zählt heute zu den belebtesten und geschäftigsten in ganz New York.

Mitten in Manhattan, dort, wo heute der Times Square flimmert und lärmt, stand einst ein bescheidenes Hotel. In einem der Zimmer brachte die Frau des damals beim Publikum sehr beliebten Schauspielers James O'Neill den kleinen Eugene Gladstone zur Welt, der später einer der bedeutendsten Dramatiker der Welt werden sollte.

Aber die Umstände waren keine glücklichen: Eugenes Bruder Edmund war gerade im Alter von nur anderthalb Jahren an Masern gestorben. Der als Kind aus Irland eingewanderte Vater James O'Neill war ständig mit verschiedenen Theaterstücken auf Tour und nahm seine Familie mit - worunter Eugene, seine später medikamentensüchtige Mutter und sein später dem Alkohol verfallener zweiter Bruder stark litten. Die Geschwister gingen auf wechselnde Internate. «Ich hatte keine Kindheit», soll Eugene O'Neill einmal gesagt haben.

Die Elite-Universität Princeton verließ er nach nur einem Jahr wieder. Er heuerte als Matrose an, fuhr rastlos durch die Welt und nahm verschiedene Jobs an, während er immer stärker dem Alkohol verfiel und an Depressionen litt. Schließlich landete er unter anderem auch wegen einer Tuberkulose-Erkrankung in einem Sanatorium im US-Bundesstaat Connecticut - ein Wendepunkt in seinem Leben. O'Neill begann wie wild zu lesen und beschloss, Dramatiker zu werden. Die tragischen Umstände, die ihn in das Sanatorium brachten, beschrieb er später in dem pulitzerpreisgekrönten Stück «Eines langen Tages Reise in die Nacht», das einen Tag im Leben einer an Sucht und Hass zerbrochenen Familie schildert. Mit «Blut und Tränen» habe er Medienberichten zufolge das Stück geschrieben, «geboren aus frühem Schmerz».

Fast 40 Theaterstücke und Einakter entstanden in den folgenden zehn Jahren. 1920, 1922 und 1928 gewann er die ersten seiner insgesamt vier Pulitzer-Auszeichnungen. Aus dem Leid und den Schmerzen seiner Kindheit und Jugend gepaart mit per Selbststudium erworbenen Kenntnissen des klassischen dramatischen Kanons formte O'Neill teils tieftraurige Tragödien.

Leicht anzuschauen sind diese meist langen und dunklen Stücke für das Publikum selten, aber O'Neill weigerte sich, Kompromisse einzugehen. «Das Stück muss von 8.00 Uhr bis wann immer es verdammt noch mal fertig zu sein gedenkt gehen, vielleicht Viertel vor 12. Wenn es Wiederholungen gibt, müssen sie drinbleiben, weil sie absolut wichtig sind, für das, was ich vermitteln will», sagte er laut Medienberichten einmal.

Kritiker urteilten voll des Lobes, er habe den psychologischen und sozialen Realismus auf die US-Bühnen gebracht und der amerikanischen Tragödie eigentlich erst so richtig zu ihrer Geburt verholfen. «Seine Bedeutung kann gar nicht zu hoch eingeschätzt werden», schrieb jüngst noch einmal der britische «Guardian». «Ohne O'Neill hätte es keinen Arthur Miller gegeben, keinen Tennessee Williams, und schon gar keinen David Mamet oder Sam Shepard.»

Aber O'Neills private Situation verbesserte sich nicht. Seine Eltern und sein Bruder waren innerhalb von nur drei Jahren alle gestorben. Er heiratete dreimal und hatte drei Kinder, von denen zwei Söhne Selbstmord begingen. Seine Tochter Oona heiratete später den Komiker und Filmemacher Charlie Chaplin - woraufhin O'Neill sie enterbte und nie mehr mit ihr sprach.

Er verfiel wieder dem Alkohol und wurde so krank, dass ihm der Literaturnobelpreis 1936 ans Krankenhausbett gebracht werden musste. Aber er schrieb weiter, unter anderem noch das von vielen Kritikern als bestes seiner Stücke angesehene «Eines langen Tages Reise in die Nacht», für das er 1957 posthum den vierten Pulitzerpreis bekam.

Vier Jahre zuvor war er im Alter von 65 Jahren gestorben. Sein Geburtshaus, das bescheidene Hotel am New Yorker Times Square, war da längst abgerissen worden und einem größeren und moderneren Haus gewichen. O'Neill war in Boston als er starb, wieder in einem Hotel. «Ich wusste es», sollen laut «Guardian» die letzten Worte des rast- und ruhelosen Dramatikers gewesen sein. «Ich wusste es. Geboren in einem Hotelzimmer und - gottverdammt - gestorben in einem Hotelzimmer.»

Informationen zum Nobelpreis von O'Neill

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