zur Navigation springen

Musik : Donaueschingen spielt gegen den «Mainstream der Musik»

vom

Die Donaueschinger Musiktage widmen sich in diesem Jahr musikalischen Großformen. Sie gehen damit neue Wege.

Erstmals seit Jahren steht das Hantieren mit Technik oder Elektronik nicht unmittelbar im Vordergrund, sagte Festivalleiter Armin Köhler am Donnerstag in Donaueschingen im Schwarzwald in einem Interview der Nachrichtenagentur dpa. Es gehe stattdessen um Musikexperimente.

Die Musiktage, die jährlich vom Südwestrundfunk (SWR) veranstaltet werden, gelten als das weltweit älteste und renommierteste Festival für Neue Musik. Sie beginnen am Freitag (18.10.) und dauern bis Sonntag.

Frage: Die Musiktage haben sich als Forschungslabor neuer Musik einen Namen gemacht. In diesem Jahr greifen sie ein eher klassisches Thema auf. Keine Lust mehr auf Experimente?

Antwort: Die Lust am Experiment ist ungebrochen. Nach dem vergangenen Jahr, in dem es sehr stark um neue Technologien und neue Medien ging, konzentrieren wir uns diesmal auf ein rein musikalisches Thema. Es schöpft zwar aus der Historie, ist aber gänzlich im Hier und Heute verankert. In dieser Konzentration hilft es uns, Dinge bewusster zu machen. Mit diesem historischen Thema streben wir gegen den aktuellen Mainstream im Umgang mit Musik.

Frage: Was meinen Sie damit?

Antwort: Im Raum steht die spannende Frage, wie sich musikalische Strukturen mit der Zeit verfestigen und verändern. Und welche Erwartungen Künstler und das Publikum an Musik heute haben. Das Festival sucht im Meer unterschiedlichster ästhetischer Konzepte und eines zunehmend auseinanderdrifteten Publikums Übereinstimmungen und Gegensätze in der aktuellen Kunstdebatte. Es zeigt auf, was Menschen von Musik heute erwarten und wie sie mit ihr umgehen.

Frage: Aus welchem Anlass setzen Sie auf dieses Thema?

Antwort: Die musikalische Moderne hat eine Reihe von Insignien hervorgebracht. Eine handelt vom Diktat der Kürze. Wir fragen uns: Ist Form nun Wollust oder Konzentration oder beides zugleich? Was passiert mit uns, wenn wir uns in ein Wahrnehmungsfeld hineinbegeben, bei dem aktuelle gesellschaftliche Kriterien des schnellen Tempos, des kurzen Schnittes, der Multitasking-Arbeit, die Anbetung der Oberfläche in den Hintergrund treten?

Frage: Im Gegensatz zu früheren Jahren setzen Sie auf Künstler, die in der Szene bekannt sind und auch schon mehrfach bei Ihrem Festival waren. Warum nicht junge, unbekannte Künstler?

Antwort: Wir greifen bewusst auf etablierte Künstler zurück, weil wir bei den Kompositionen ein großes Risiko eingehen. Es handelt sich um Mammutproduktionen, die musikalisch und organisatorisch nur von erfahrenen Musikern gestemmt werden können.

Frage: Ist das ein Signal für die kommenden Jahre?

Antwort: Um einen Gesamteindruck zu bekommen, darf man nie einen Festivaljahrgang alleine sehen. Erst die Zusammenschau von drei bis vier Jahren vermittelt einen gewissen Überblick. Und dieser ist geprägt von einem großen Mix aus jungen und erfahrenen Künstlern, aus musikalischem Kern und technologischer Offensive. In diesem Jahr steht die Konzentration auf Musik und ihren Kern im Mittelpunkt, das Besinnen auf die musikalische Form und Struktur.

Frage: Wie sehen Sie die Zukunft des Festivals? Antwort: Die Experimentierfreude ist unverändert groß. Der Drang und die Begeisterung daran, Musik immer wieder neu zu erfinden, ist noch immer aktuell. Und wird es auch bleiben. Und Donaueschingen ist ein Zeitmesser und zugleich der Motor dieser Entwicklung. Wir registrieren eine unverändert hohe Zahl von Bewerbungen. Dies gilt auch für die kommenden Jahre. Das Festival steht auf guten Beinen, die Zukunft ist gesichert.

Frage: Was bleibt langfristig von diesem Festival?

Antwort: Die Erfahrung zeigt, dass sich viele der in Donaueschingen erstmals präsentierten Ideen langfristig im allgemeinen Musikleben durchsetzen. Viele etablierte Künstler haben hier ihren Beginn. Einige scheitern auch. Aber Scheitern ist Bestandteil jedes musikalischen Prozesses. Kreativität ohne Mut zum Risiko und ohne Scheitern gibt es nicht.

Festival

zur Startseite

von
erstellt am 17.Okt.2013 | 14:07 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen