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Theater : «De spaansche Fleeg» schwirrt im Ohnsorg-Theater

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Die Herren tragen wie gedrechselt aussehende Lockenfrisuren, «Vatermörder» als Hemdkragen oder auch Frackjacken mit schräg nach hinten abstehenden Schwalbenschwänzen.

Die Dame des Hauses (Beate Kiupel) hat an ihrem bodenlangen dunkelgrünen Schnürkleid da, wo der verlängerte Rücken liegt, ein übergroßes Polster - «Cul de Paris», Hintern von Paris, genannt.

Pausenlos durch diverse Türen trippelnd, stolzierend oder auch mal stolpernd, trifft man im Salon des Senffabrikanten Klinke (Till Huster) aufeinander. Dort gemahnt bereits die gemalte Natur auf der Tapete an all die Triebe, die sich unter der üppigen Aufmachung der mehr oder weniger sittenstrengen Bürger verstecken. Nicht nur die detailfreudig-schräge wilhelminische Ausstattung bereitete dem Publikum im Hamburger Ohnsorg-Theater viel Vergnügen, als dort Sonntagabend «De spaansche Fleeg» (Die spanische Fliege) die erste Spielzeit-Premiere gefeiert hat. Reichen Beifall gab es für Folker Bohnets ganze, stark karikierende Inszenierung der unverwüstlichen Posse von Franz Arnold und Ernst Bach aus dem Jahr 1913.

Mit etlichen Ohnsorg-Stars, aber auch sehr erfreulichen Jungtalenten wie Markus Gillich als sächselndem Stadtratssohn aus Chemnitz, hat Bohnet die Geschichte aus dem Tollhaus temporeich ins Bild gesetzt. Dabei geht es um ein uneheliches Kind, vermutete und verheimlichte Vaterschaft, verbotene Küsse und sogar um wahre Liebe.

Nach dem langen Schlussapplaus wartete der Intendant Christian Seeler noch mit einer besonderen Überraschung auf: Félicie Lavaulx-Vrécourt, die Bühnenbild und Kostüme verantwortete und 33 Jahre lang - unter anderem als Ausstattungsleiterin - am Haus tätig war, erhielt die Verdienstmedaille der Stiftung zur Förderung des Ohnsorg-Theaters.

Ohnsorg-Theater

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erstellt am 26.Aug.2013 | 10:37 Uhr

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