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Theater : Britischer Theater-Hit «War Horse» kommt nach Berlin

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Fantastisches Puppenspiel, mörderisches Kriegsgemetzel und die ergreifende Freundschaft zwischen einem englischen Bauernjungen und seinem Pferd sind der Stoff, aus dem «War Horse» gemacht ist. Weltweit haben vier Millionen Zuschauer Albert und dem lebensechten «Joey» auf der Bühne zugeschaut.

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erstellt am 03.Okt.2013 | 12:37 Uhr

Nach seiner Uraufführung im National Theatre (NT) in London vor sechs Jahren eroberte das Anti-Kriegs-Stück im Sturm die Bühnen der USA, Kanadas und Australiens. Steven Spielberg drehte einen prämierten Film.

In seiner ersten nicht-englischen Fassung feiert «War Horse» jetzt Deutschland-Premiere. Das Stück über den Ersten Weltkrieg kommt unter dem Titel «Gefährten» am 20. Oktober im Theater des Westens in Berlin auf die Bühne. Für den britischen Jugendbuchautor Michael Morpurgo, der «War Horse» schrieb, erfüllt sich ein Traum.

«Es war mein Traum von dem Augenblick an, als das Stück Abend für Abend vor vollen Häusern spielte. Und nun ist er wahr geworden. Die Versöhnung ist das Wichtigste an dieser Geschichte, das ist für mich persönlich von enormer Bedeutung», sagte Morpurgo in einem Interview, das die Produktionsfirma Stage Entertainment verbreitete.

Erst mit der Erschaffung des magischen Pferds Joey und der Darstellungskunst des Puppenspiels wurde «War Horse» zum Hit. Hinter dem Spektakel steht die Handspring Puppet Company aus Südafrika. «Joey» und weitere rund 20 Artgenossen aus einem Kunstgeflecht von Bambus, Leder und Metall laufen, traben und galoppieren wie lebendige Tiere über die Bühne. Sie schnaufen wie Pferde, bewegen sich wie Pferde und wiehern wie Pferde.

Mit Hilfe mechanischer Details werden die Tiere von jeweils drei Puppenspielern - auf Kopfhöhe, am Herzen und Hinterteil - perfekt und lebensecht gesteuert. Farmtiere verfolgen plappernd das Geschehen, während Puppenspieler mit Vogelfiguren über die Bühne fegen.

Die Zuschauer verfolgen über die Identifikation mit Joey die Geschichte der schmerzlichen Trennung und der Wiedervereinigung von Albert und seinem Pferd. Albert wird in der deutschen Aufführung von dem 25-jährigen Philipp Lind gespielt, die Rolle seines Vaters Ted übernimmt Heinz Hoenig.

Kriegsgegner werden unter dem Eindruck von Tod und Grausamkeit zu Freunden und wünschen sich nichts sehnlicher als Frieden. «Wenn ich im Kampf stehe, weiß ich nicht was ich tue, ich will nur in die Heimat und in Frieden leben», sagt ein deutscher Offizier in dem Stück, nachdem er die Identität eines getöteten Sanitäters angenommen hat. «Was habt ihr getan, um das zu verdienen?», lautet seine Frage an die Pferde.

Die Idee zu «War Horse» bekam Morpurgo von dem 87-jährigen Wilf Ellis aus der südwestenglischen Grafschaft Devon. Er erzählte in einem Pub von seinen Erfahrungen an der Front im Ersten Weltkrieg. Der Veteran berichtete über Kriegshorror und seine ständige Todesangst, über die er mit seinen Kameraden nicht reden konnte. «Aber wenn ich am Abend mein Pferd fütterte und streichelte, habe ich ihm von meiner Angst vor dem Tod und meiner Hoffnung, bald nach Hause zu kommen, erzählt», zitiert Morpurgo den alten Kämpfer.

«Und da habe ich entschieden, die Story über das universelle Leid von einem Pferd erzählen zu lassen - einem Beobachter, der die Geschichte von allen Seiten sieht - von der britischen Seite, der deutschen Seite, der belgischen Seite und der französischen Seite.» Wenn sich 2014 der Beginn des Ersten Weltkriegs zum 100. Mal jährt, könnte Morpurgos zweiter großer Traum wahr werden, «War Horse» simultan auf der Bühne in London, Berlin und Paris zu zeigen. «Wenn Berlin ein Erfolg wird, produzieren wir das Stück auch in Paris», verriet NT-Exekutivdirektor Nick Starr.

Stage Entertainment

National Theatre

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