Neu im Kino : The First Purge: Rassenkrieg als blutiger Karneval

Blutiger Karneval: 'The First Purge' wagt sich an das Thema Rassismus.
Blutiger Karneval: "The First Purge" wagt sich an das Thema Rassismus.

Die "Purge"-Reihe feiert im Kino einen Karneval der Gewalt. "The First Purge" ist der erste Rassenkrieg der Horrorreihe.

shz.de von
03. Juli 2018, 18:00 Uhr

Berlin | Am Donnerstag, 5. Juli 2018, kommt "The First Purge" ins Kino. Die dystopische Horrorreihe setzt diesmal auf einen schwarzen Cast. Der blutige Zirkus wird diesmal zum Rassenkrieg weißer Eliten gegen das Ghetto. Wie brisant ist der Film? (Von Ant-Man bis Bergman: Die wichtigsten Filme im Juli)


Wovon handelt die "Purge"-Reihe?

In der Schmuddelecke des Horrorfilms ist ein hochrentables Franchise entstanden: Schon in drei Filmen hat James DeMonaco die Vereinigten Staaten in die "Purge" geschickt. Der Begriff bezeichnet einen jährlichen Gewaltkarneval, bei dem im Amerika einer finsteren Zukunft für eine Nacht alle Verbrechen straffrei bleiben. Der dystopische Krieg aller gegen alle trifft offenbar eine Nerv in einer Zeit, in der die USA so gespalten sind wie lange nicht mehr: Mit einem Budget von insgesamt 22 Millionen Dollar haben die ersten drei Teile weltweit über 300 Millionen Dollar eingespielt. Für September hat der US-Sender Syfy einen Serienableger angekündigt; im Kino startet jetzt Teil 4: "The First Purge" dreht die Geschichte auf Anfang, erzählt den Gründungsmythos der Exzesse - und gießt munter Öl ins Feuer realer Konflikte. (Tarantinos Charles-Manson-Film: Erstes Bild von Leonardo DiCaprio)


Irre toben sich aus: 'The First Purge' macht perverse Träume wahr.
Universal Pictures/Annette Brown
Irre toben sich aus: "The First Purge" macht perverse Träume wahr.


"The First Purge": Rassistischer Krieg gegen die Unterschicht

Darum geht's: In einem von Unruhen gebeutelten Land stellen die "New Founding Fathers of America" den US-Präsidenten. Die Ultrarechten setzt der Krise das Sozialexperiment der Purge entgegen, zunächst noch auf Staten Island begrenzt. Vordergründig soll der kathartischen Gewaltausbruch einer Nacht Sicherheit für den Rest des Jahres garantieren. Tatsächlich ist allerdings geplant, den gesellschaftlichen Verteilungskampf qua Massenmord an der Unterschicht zu beenden - die hier geschlossen aus Dunkelhäutigen besteht. "The First Purge" ist der erste Teil der Reihe, in dem alle zentralen Figuren Afro-Amerikaner oder Latinos sind. Und der Film schildert nicht weniger als einen Rassenkrieg weißer Eliten gegen die Farbigen aus dem Ghettos.


Das Ghetto schlägt zurück

In seiner ersten Hälfte verhandelt "The First Purge" noch individuelle Konflikte: Gang-Mitglieder und lokale Psychopathen nutzen die Straflosigkeit für private Fehden, Kleinkriminelle bereichern sich, Triebtäter überfallen Frauen. Gerard McMurray, der diesmal die Regie von DeMonaco übernommen hat, skiziiert dabei unglaubhafte Figuren, ist in seiner Ästhetik des Terrors aber umso effektiver: In einer Grundstimmung permanenter Verfolgung steigert mit jede Sequenz die Schockeffekte. Erst der zweite Teil zeigt dann die Söldnertrupps, die im Regierungsauftrag systematisch morden - und dabei die verfolgte Black Community zusammenschweißen. Am Ende schlägt das Ghetto, das hier sauber in Gläubige und Gangs geschieden ist, den weißen Feind mit vereinter Kraft zurück. Eine blutige Selbstbefreiung, die in den USA ausgerechnet am symbolträchtigen Datum des Independence Day Premiere feiert. (Neu auf Netflix: Wann kommt endlich Scorseses "The Irishman"?)

Fragwürdige Verzahnung mit der Realität

Markenzeichen der "Purge"-Reihe sind grausige Maskierte, und das karnevalistische Setting hat etwas Fantastisches. In seinen Koordinaten ist der Film aber betont nah an der Realität: Populismus und Waffenlobby, Macho-Politik und internationale Isolation, soziale Spaltung und Rassenkonflikte: "The First Purge" steigert die Probleme der gespaltenen USA ins Extrem. Und das ist fragwürdig, denn McMurray ist kein distanzierter Kritiker von Fehlentwicklungen. Seinen Film trägt gerade die Komplizenschaft mit Angstlust und Adrenalinkick: Im Finale tritt der Held gegen Ku-Klux-Killer und einen Fetisch-Nazi in Gummi-Mantel und Gasmaske an. Es hat etwas Befriedigendes, das Monstrum sterben zu sehen. In einem Film, der reale Konflikte verhandelt, ist das ganz entschieden die falsche Empfindung.

"The First Purge": USA 2018. R: Gerard McMurray. D: Y'Lan Noel as William, Lex Scott Davis, Joivan Wade, Luna Lauren Velez, Marisa Tomei, Melonie Diaz. 97 Minuten.Filmstart ist der 5. Juli 2018.


Ein Gangster rächt sein Ghetto: 'The First Purge' verwandelt den blutigen Karneval der Reihe in einen Rassenkrieg.
Universal Pictures/Annette Brown
Ein Gangster rächt sein Ghetto: "The First Purge" verwandelt den blutigen Karneval der Reihe in einen Rassenkrieg.


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