zur Navigation springen
Deutschland & Welt

12. Dezember 2017 | 04:00 Uhr

Teurer Schock für Sauna-Gänger

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

von
erstellt am 23.Nov.2014 | 13:43 Uhr

Den Saunagängern in Schleswig-Holstein stehen Preiserhöhungen von rund zwölf Prozent ins Haus. Das prophezeit der Vorsitzende des Heilbäderverbands, Hans-Jürgen Kütbach. Anlass ist, dass Bund und Länder den ermäßigten Umsatzsteuersatz auf Saunabesuche zum 1. Juli 2015 abschaffen wollen. „Es zeichnet sich ab, dass die Betreiber etwa von Thermen und Schwimmbädern mit Saunabereich keine andere Möglichkeit sehen, als dies an die Kunden weiterzugeben“, sagt Kütbach.
In der Dünentherme St. Peter-Ording zum Beispiel würde der Eintritt für zweieinhalb Stunden von derzeit 13,50 Euro um mindestens 1,60 Euro klettern. Eine Tageskarte würde sich von heute 17,50 Euro um rund 2,10 Euro verteuern. Ähnlich wäre die Folge etwa in der Holstentherme Kaltenkirchen: Dort stiege der Zwei-Stunden-Preis von jetzt 13 Euro um gut 1,50 Euro, der für das Tagesticket von jetzt 18 um bis zu 2,20 Euro.

Das Kieler Finanzministerium führt die künftige Berechnung auf ein Urteil des Bundesfinanzhofs zurück. Der habe bereits im Jahr 2005 entschieden: In den Genuss einer ermäßigten Mehrwertsteuer dürften nur Anwendungen kommen, die der Behandlung einer Krankheit oder einer anderen Gesundheitsstörung und damit dem Schutz der menschlichen Gesundheit dienen. Was lediglich dem allgemeinen Wohlbefinden zugute komme, dürfe nicht derart bevorzugt werden. Und in diese Kategorie gruppierte der Bundesfinanzhof auch normale Saunabesuche ein.

Der Heilbäderverband, der 15 größere Urlaubsorte in Schleswig-Holstein überwiegend mit größeren Bäderlandschaften vertritt, sieht das anders. „Jeder Saunabesuch stärkt das Immunsystem und ist schon deshalb eine gesundheitliche Prävention“, sagt der Vorsitzende Kütbach. Er findet: „Der Gesetzgeber sollte lieber ein Signal setzen, damit möglichst viele Menschen einen Anreiz haben, etwas für ihre Gesundheit zu tun.“ Genau aus dieser Erwägung sei der reduzierte Steuersatz auch 1968 eingeführt worden – „und nicht, weil einige Bundestagsabgeordnete so besonders gern in die Sauna gegangen sind“.

Die Betreiber der Bäder- landschaften mit Saunen sind überwiegend Städte oder Gemeinden – und bei denen treibt die höhere Besteuerung den Verantwortlichen Sorgenfalten auf die Stirn. Vergebens protestierten Städteverband und Gemeindetag bei Finanzministerin Monika Heinold (Grüne). Jochen von Allwörden, Geschäftsführer des Städteverbands, sieht durch höhere Eintrittspreise Besucherrückgänge vorprogrammiert. „Es ist zu befürchten, dass sich dadurch der Kostendeckungsgrad vieler Anlagen weiter verschlechtert.“ Denn dazu tragen oft die Saunabereiche besonders bei. Von Allwörden spielt auf ein paradoxes Szenario an: Bund und Länder holen mit dem höheren Steuersatz mehr Geld in ihre Kassen, doch die kommunalen Haushalte würden dadurch weiter geschwächt.

Der Deutsche Sauna-Bund nimmt bei einem Besucherminus von zehn Prozent allein bei den 2150 öffentlichen Saunaanlagen einen wirtschaftlichen Schaden von 70 Millionen Euro an. Ganz zu schweigen von den Folgen für kleinere private Saunabetreiber.

Finanzministeriumssprecher Christoph Hermann gibt zu bedenken, dass die Saunabetreiber seit dem Urteil des Bundesfinanzhofs immerhin noch mehrere Jahre nach der alten Rechtslage ihre Preise gestalten konnten. Er ergänzt: Möglicherweise hätten auch immer abenteuerlichere Kreationen von Saunaanwendungen dazu beigetragen, das Fass zum Überlaufen zu bringen: Dass etwa ein „Schokobad“ im Zusammenhang mit einem Saunabesuch die Gesundheit schütze und deshalb nur mit sieben Prozent zu besteuern sei – das sei kaum glaubhaft.

In den Wellness-Hotels in Schleswig-Holstein ist die Steuererhöhung ebenfalls ein Thema, allerdings in abgestufter Form. Bei den Tagesgästen, die extra zum Saunabesuch ins Haus kämen, werde sich die Steuererhöhung „am Ende des Tages auf den Preis niederschlagen“, heißt es etwa aus der Direktion des „Alten Meierhofs“ in Glücksburg. Ebenso wie dort sieht man auch im „Vitalia Seehotel“ in Bad Segeberg keine Konsequenzen für die Übernachtungsgäste. Für die sei die Wellnessanwendung eine Nebenleistung, die Übernachtung hingegen die Hauptleistung – und nach der richte sich der Steuersatz.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen