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Provinz in Ostsyrien : Terrormiliz IS vertreibt Assad-Truppen

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Mehrere zehntausend Islamisten sollen in Syrien und im Irak für die Errichtung eines Gottesstaats kämpfen. Am Wochenende ging die IS-Terrormiliz in die Offensive.

shz.de von
erstellt am 25.Aug.2014 | 07:02 Uhr

Bagdad/Damaskus | Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat offenbar ihre Macht im Osten Syriens ausgeweitet. Nach heftigen Gefechten mit Hunderten Toten vertrieben die Extremisten die Regierungstruppen vom strategisch wichtigen Militärflughafen Al-Tabka. Dieser war die letzte Bastion des Regimes von Präsident Baschar al-Assad in der Provinz Al-Rakka, wie die oppositionelle Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte. Trotz inzwischen fast 100 US-Luftangriffen auf IS-Stellungen gingen die Dschihadisten auch im benachbarten Irak in die Offensive. Die Armee des Landes konnte einen Angriff auf die wichtige Erdölraffinerie Baidschi nördlich von Bagdad aber nach eigenen Angaben abwehren.

Nach Angaben der Menschenrechtsbeobachter starben bei den Gefechten um den Flughafen in Syrien mindestens 500 Menschen, darunter mindestens 346 Extremisten. Hunderte weitere seien verletzt worden. Zudem seien mehr als 170 Soldaten der syrischen Armee getötet worden. Die Terrorgruppe habe zudem mindestens 150 Soldaten in der Nähe des Flughafen eingekesselt, sie seien wahrscheinlich in Gefangenschaft geraten. Sollte die IS-Miliz den Militärflughafen unter ihrer Kontrolle behalten, könnte sie die Region unbehelligt beherrschen - ein herber Rückschlag für die Regierung in Damaskus. Die Extremisten dominieren ohnehin im Osten und Norden Syriens bereits ein Drittel des Landes, und ebenso große Teile im Norden und Westen des Iraks.

Seit Wochen versuchen die Dschihadisten, deren Stärke Beobachter inzwischen auf mehrere zehntausend Kämpfer schätzen, zudem die Raffinerie Baidschi im Irak einzunehmen. Bei heftigen Kämpfen um die Anlage seien 30 Extremisten umgekommen, berichteten Sicherheitskräfte am Sonntag. Die Extremisten griffen die Anlage der Nachrichtenseite Al-Mada zufolge aus allen Richtungen an. Sieben Selbstmordattentäter hätten sich dabei in die Luft gesprengt. Die irakische Armee erhielt demnach Unterstützung von Kampfflugzeugen.

Britische Geheimdienste identifizierten laut „Sunday Times“ den Mörder des enthaupteten US-Journalisten James Foley. Es soll sich um einen 23-Jährigen aus London handeln, berichtete das Blatt aus Regierungskreisen. Foley war im November 2012 in Syrien verschwunden, der IS enthauptete ihn als Rache für die US-Luftangriffe im Nordirak. Ein 27-jähriger Deutscher kam hingegen laut „Welt am Sonntag“ nach rund einem Jahr aus der Geiselhaft der IS-Terrormiliz in Syrien frei. Der Mann aus Brandenburg soll im Juni für eine „substanzielle Gegenleistung“ freigelassen worden sein, wie das Blatt unter Berufung auf Sicherheitskreise berichtete. Das Auswärtige Amt wollte dies weder bestätigen noch dementieren. Der Mann war laut „WamS“ naiv in das Bürgerkriegsland gereist, um als humanitärer Helfer aktiv zu werden. Auch ein amerikanischer Journalist wurde am Sonntag nach fast zwei Jahren Geiselhaft in Syrien freigelassen. Peter Theo Curtis war nach Angaben von US-Außenminister John Kerry Gefangener der mit der Terrororganisation Al Kaida verbundenen Al-Nusra-Front. Laut „New York Times“ wurde der freiberufliche Reporter aus Boston im Oktober 2012 nahe der syrisch-türkischen Grenze entführt. Er war demnach zunächst längere Zeit zusammen mit dem US-Fotojournalisten Matthew Schrier eingesperrt. Schrier gelang im Juli 2013 die Flucht. Dem Blatt zufolge sind vermutlich mindestens drei weitere US-Bürger Geiseln der IS-Miliz - zwei Männer und eine Frau. IS und die Al-Nusra-Front nutzen systematisch westliche Geiseln, um hohe Lösegeldzahlungen zu erpressen.

Nach dem verheerenden Angriff auf eine sunnitische Moschee mit Dutzenden Toten am Freitag durchlitt der Irak ein blutiges Wochenende: Bei mehreren Bombenanschlägen starben mehr als 30 Menschen. Allein bei drei Attentaten in der nordirakischen Stadt Kirkuk kamen am Samstag mindestens 23 Menschen um, 127 wurden verletzt, wie Augenzeugen berichteten. Zwei der Selbstmordattentäter stammen nach IS-Angaben aus Deutschland. Sie sollen die Kampfnamen Abu Jassir al-Almani und Abu Ibrahim al-Almani tragen. Es ließ sich zunächst nicht überprüfen, ob die Erklärung authentisch ist.

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