Flug QZ8501 : Taucher bergen Blackbox der abgestürzten Air-Asia-Maschine

Das Heck der verunglückten Maschine konnte bereits am Samstag geborgen werden.
Das Heck der verunglückten Maschine konnte bereits am Samstag geborgen werden.

Warum ist AirAsia Flug QZ8501 vor zwei Wochen abgestürzt? Die Ermittler sind der Aufklärung ein Stück näher gekommen. Sie konnten einen der Flugschreiber bergen, der technische Daten gespeichert hat.

shz.de von
12. Januar 2015, 12:20 Uhr

Jakarta | Taucher haben in Indonesien am Montag den Flugdatenschreiber der vor zwei Wochen abgestürzten AirAsia-Maschine geborgen. Ein Marineschiff brachte das leuchtend orangefarbene Gerät in einer durchsichtigen Plastikbox zum Militärflughafen Iskandar in Pangkalan Bun auf der Insel Borneo. Es soll in den nächsten Tagen in der Hauptstadt Jakarta ausgewertet werden.

In der Nähe der Fundstelle wurde außerdem ein Ultraschallsignal aufgefangen, das aller Wahrscheinlichkeit nach von dem zweiten Flugschreiber stamm, der die Gespräche im Cockpit aufzeichnet, wie Einsatzleiter Suryadi Supriyadi sagte. Taucher fanden das Gerät in dem 30 Meter tiefen Wasser zunächst aber nicht.

Der Airbus A320 der Billigfluglinie mit der Flugnummer QZ8501 war am 28. Dezember mit 162 Menschen an Bord auf dem zweistündigen Flug von Surabaya auf der indonesischen Insel Java nach Singapur aus bislang unbekannten Gründen abgestürzt. Niemand überlebte.

Der Flugschreiber sei allem Anschein nach in gutem Zustand, sagte der Chef der Behörde für Transportsicherheit, Tatang Kurniadi. Er werde in den nächsten Tagen in Jakarta ausgewertet, zusammen mit Experten aus Singapur und Frankreich: „Es wird zwei, drei Tage dauern, die Daten herunterzuladen. Aber sie auszuwerten dauert länger.“ Insgesamt seien 81 Taucher vor Ort, berichtete Militärchef Moeldoko. „Ich habe keinen Zweifel, dass wir alles finden werden, auch den zweiten Flugschreiber“, meinte er. „Es ist nur eine Frage der Zeit, und es wird nicht lange dauern.“

Starke Strömungen haben die Bergung von Wrackteilen und Leichen bislang behindert. Bis Montag wurden 48 Leichen gefunden.

Ermittler erhoffen sich von der Auswertung der Flugschreiber Aufschluss über die Absturzursache. Kurz bevor die Maschine vom Radar verschwand, hatte der Pilot um Erlaubnis für eine Kursänderung gebeten, um Gewitterwolken zu umfliegen. In der Nähe waren aber mindestens sechs weitere Maschinen unterwegs, die trotz Unwetters unversehrt an ihren Zielflughäfen ankamen.

Was ist die Funktion der Blackbox?

Ein Flugdatenschreiber (Flight Data Recorder) und ein Stimmenrekorder (Voice Recorder) helfen nach einem Flugzeugabsturz bei der Rekonstruktion des Unfallhergangs – und bestenfalls beim Versuch, weitere Unfälle zu verhindern.

Wie sehen Flugdatenschreiber aus?

Die Flugdatenschreiber - häufig in der Signalfarbe grell-orange - werden umgangssprachlich Blackbox genannt. Das von dem Australier David Warren entwickelte Gerät wird seit Mitte der 50er Jahre serienmäßig in Flugzeuge eingebaut. Die meist im Heck der Maschine untergebrachten Stahlkästen sind etwas größer als ein Schuhkarton und wiegen je nach Hersteller vier bis fünf Kilogramm. Das Gehäuse übersteht Abstürze aus großer Höhe und ist absolut wasserdicht. Es kann hohem Wasserdruck und bis zu einer halben Stunde lang Temperaturen von bis zu 1100 Grad Celsius widerstehen.

Welche Daten speichert die Blackbox?

Das Gerät zeichnet auf allen Flügen relevante Daten wie Kurs, Geschwindigkeit, Flughöhe oder Neigungswinkel der Maschine auf. Durch das Speichern von GPS-Daten gibt es zudem Auskunft über den genauen Ort eines Unglücks - auch wenn die Trümmer später weit verstreut sind. Auf einem Stimmenrekorder sind Tonaufnahmen der Gespräche von Pilot und Co-Pilot sowie weitere Geräuschen im Cockpit gespeichert.

Welchen Zeitraum umfassen die Daten?

Der Flugdatenschreiber kann 25 Stunden lang aufzeichnen, auch Informationen des vorletzten Flugs sind darum meist noch erhalten. Neuere Modelle des Stimmenrekorders speichern einen Zeitraum von zwei Stunden, früher waren es etwa 30 Minuten. Wichtig für die Ortung nach einem Absturz im Meer: Die Box kann etwa einen Monat lang Positionsangaben senden, dann ist die Batterie des Signalgebers leer.

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