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„Ätzend“ in Berlin : „Tatort“: Mord im Niemandsland

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Aus der Onlineredaktion

Rubin und Karow sind ein äußerst komisches Ermittlergespann. Im Berliner Migrantenmilieu, wo die Angst regiert, sollen sie zwei Morde aufklären. Wie soll das bloß klappen?

shz.de von
erstellt am 15.Nov.2015 | 12:14 Uhr

Berlin | Flüchtlingskrise im Fortgeschrittenenstadium: Das meint illegale Einwanderer, die oft seit Jahren in Deutschland hausen. Ohne Bleiberecht, ohne Papiere, ohne Zukunft.

Für die Berliner Neu-Kommissare Rubin und Karow (Meret Becker, Mark Waschke) ist es daher ein Heimspiel, wenn sie ein Mordfall ins Neuköllner Migrantenmilieu führt. Denn Stephan Wagner und Mark Monheim (Drehbuch) schicken sie genau dahin, wo die Angst regiert. Die Angst der „Papierlosen“, entdeckt und abgeschoben zu werden.

Los geht’s mit zwei unappetitlichen Leichen, die sich beim Abriss einer Laubenkolonie finden. Die eine, halb zerfressen, in einem Säurefass, die andere, stark vermodert, mit einem Einschussloch im Kopf. In der Fassleiche entdeckt Karow einen Herzschrittmacher, der einem Iraner namens Saed Merizadi gehört. Doch Merizadi (Husam Chadat) lebt und betreibt seit 20 Jahren ein Dentallabor. Wie geht das?

Im Kopf der anderen Leiche steckt eine Kugel, die aus der selben Waffe stammt, mit der Karows Ex-Partner erschossen wurde. Was für erhebliche Turbulenzen mit Kollegin Rubin sorgt. Sie traut Karow mit dessen düsterer Vergangenheit immer noch nicht über den Weg. Können die beiden bei so viel Knatsch überhaupt zusammenfinden und Mordfälle lösen? Gemeinsam?

Anders als beim Debüt von Becker und Waschke im März, wo es offenbar nur knallen sollte, macht heute Abend Regisseur Dror Zahavi den Dauerzoff zwischen den Kommissaren produktiv und inszeniert seine Protagonisten als komplexe Charaktere. Hier die haltlose Grenzgängerin, knallharte Beamtin und rührselige Mutter. Da der einsame Wolf mit Intellekt und Witz, der schon mit seiner Bi-Sexualität in keine Schublade passt.

Und dazwischen das sündige Berlin, die schier unlösbare Migrantenfrage und eine maximal gestresste Polizeitruppe (u.a. Maryam Zaree, Tim Kalkhof, Carolyn Genzkow). Oh ja, Zahavi lässt uns ahnen, was im neuen Berlin-„Tatort“ steckt: Nicht „hippe“ Groß(stadt)-Kotze, sondern quere Malocher für Recht und Gesetz. Das funzt, echt!

Aufgrund einer Sondersendung wegen der Terroranschläge von Paris hat die ARD die Sendezeit auf 20.30 Uhr veschoben.

 

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