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ARD-Sonntagskrimi in der Kurzkritik : „Tatort“: Ein sehenswertes Psychoduell

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Dieser Frankfurter „Tatort“ wird gruselig. Die Kommissarin Anna Jannecke trifft in „Die Geschichte vom bösen Friederich“ auf einen mordenden Psychopaten und muss sich mit alten Geistern auseinandersetzen.

shz.de von
erstellt am 10.Apr.2016 | 09:33 Uhr

Wenn einer Jussi Adler-Olsen intus hat, dann Wolfram Koch. Hat er doch sämtliche Bücher des dänischen Thriller-Meisters eingesprochen und uns damit höchst aufregende Hörbücher beschert. Dass da irgendwann der kauzig-geniale Kommissar Mørck auf ihn abfärbt, muss nach sechs Büchern und über 3.000 Seiten nicht verwundern.

Wer also genau hinsieht (und hinhört!), der wird auch heute Abend in Kochs Frankfurter „Tatort“-Kommissar Paul Brix ein bisschen Carl Mørck wiederfinden. Speziell dieses Unangepasste und bisweilen Schrullige, das uns beide Figuren so teuer macht. Erst recht, da es heute eher um Kollegin Anna Janneke geht (Margarita Broich), die einen Querdenker und Quertreiber wie Brix mehr denn je in ihrer Nähe braucht.

 

Denn der verurteilte Mörder Alexander Nolte (Nicholas Ofzcarek) ist nach 19 Jahren wieder auf freiem Fuß und will sich bei ihr auf seine Weise bedanken. Ihr Gutachten als Polizeipsychologin damals hatte ihn schließlich hinter Gitter gebracht.
Dass Nolte ein Psychopath ist, sehen wir bald. Aus purer Lust sticht er einen Obdachlosen ab. Ganz in Annas Nähe. Und während Brix noch das Penner-Milieu des Opfers ausleuchtet, weiß Anna nur zu gut, was die Stunde geschlagen hat. Denn so sehr, wie Nolte etwa seine betreuende Psychologin (Ursina Lardi) mit Sex und schönen Worten manipuliert, so wenig Zeck wird er mit Anna machen. Irgendwann steht er in ihrer Wohnung.

Echt zum Gruseln, dieser „Tatort“, der immer dann kribbelt, wenn Nolte mit seinen Gegenübern spielt. Wir Zuschauer wissen ja, woran wir bei ihm sind, nicht aber die Protagonisten (Buch: Volker Einrauch, Regie: Hermine Huntgeburth). Ein feines Vexierspiel.
Und eine Paraderolle für Ofzcarek, der es zum Glück vermeidet, seine Figur nur eindimensional auf Schockeffekt zu bürsten. Broich und Koch müssen schon tief in ihre Trickkiste greifen, um diesem Edel-Ekel Paroli zu bieten. Ein sehenswertes Psychoduell, wahrlich kein Betthupferl. Fast wie die Mørck-Krimis von Adler-Olsen.
 

„Tatort – Die Geschichte vom bösen Friederich“, 20.15 Uhr, ARD

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