Sonntagskrimi aus Wien : „Tatort“: Die tödliche Chemie der Macht

Am Sonntagabend lief in der ARD der aktuelle Tatort aus Wien mit Bibi Fellner und Moritz Eisner.

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07. Juni 2015, 11:19 Uhr

Wien | Erst Agententhriller („Deckname Kidon“), dann Historiendrama („Grenzfall“) – der dritte Wiener „Tatort“ dieses Jahr könnte sich doch mal wieder unseren BKA-Lieblingen Moritz Eisner und Bibi Fellner widmen (Harald Krassnitzer, Adele Neuhauser), oder? Denn so souverän sich die beiden inzwischen bei der Mörderjagd geben, so wackelig tapsen sie noch immer durch ihr Privatleben. Zwischen Midlife-Crisis und renitenter Tochter, zwischen Sprit-Problemchen und ruheloser Einsamkeit.

Doch nix da, die Privatissima bleiben auch heute Abend tabu. Denn Verena Kurth (Buch) und Robert Dornhelm (Regie) schieben diesmal eine Figur in den Mittelpunkt, die sonst nur auftaucht, wenn Moritz und Bibi in der Klemme stecken – Sektionschef Dr. Rauter (Hubert Kramar). Der feiert gerade seinen 60., als die Nachricht hereinplatzt, dass sein Patenkind Roswita (Emily Cox) in einer Chemiefabrik Opfer eines Unfalls geworden ist.

Schlimm genug, dass sich die Flusssäure aus einer defekten Leitung durch ihren Schutzanzug gefressen hat wie „Alien“-Blut, sie war auch noch schwanger. Aber war es wirklich ein Unfall?
Rauter jedenfalls schickt Moritz und Bibi in die Spur, die not amused sind, nun in Sachen Arbeitsschutz zu ermitteln. Doch kurz darauf liegt der Geschäftsführer des Chemiekonzerns (Michael Masula) tot in seinem Büro. Und plötzlich wird aus einem tragischen Unfall ein knallharter Machtkampf um die Führung des Konzerns.

Genau das will dieser „Tatort“ – er hinterfragt die Klischees von den scheinbar aalglatten Konzernlenkern und reduziert die Überflieger auf eine menschliches Maß. Und siehe, in den Chefetagen geht es reichlich banal zu. Fast wie bei uns Normalos – zwischen Liebe, Leidenschaft und Loyalität, zwischen Gier und Hass und Skrupellosigkeit.

Sehen wir von dem etwas behäbigen Duktutus und manch platten Dialogen ab, kommt so ein fein ziselierter Wirtschaftskrimi heraus, der uns ins Grübeln bringen kann: Warum gewinnen immer die Psychos?

„Tatort – Gier“, 20.15 Uhr, ARD

Wer ermittelt wann und wo? Ihre Lieblingsermittler im Einsatz unter www.shz.de/tatort.

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