zur Navigation springen

Sonntagskrimi : "Tatort" aus Leipzig: Soap statt Krimi

vom

Die Leipziger "Tatort"-Kommissare Saalfeld und Keppler sind keine glaubwürdigen Ermittler. Ein Welpenblick Wuttkes, ein Wimpernschlag der Thomalla - und das fragile Filmgebilde liegt am Boden.

Eines muss man dem MDR lassen: Er trägt seinen "Tatort" wie eine Monstranz vor sich her. Auch wenn es lächerlich wirkt und abgehoben - in diesem Mittelmaß-Geglitzer. Auch wenn die Hostienträger in Gestalt der Kommissare Saalfeld und Keppler (Simone Thomalla, Martin Wuttke) zu Witzfiguren degradiert werden.
Mit Bedacht, wie langsam zu vermuten ist. Denn längst interessiert uns bei der Leipziger TV-Messe nicht mehr, wer wann wen umgelegt hat, sondern wie sich das Liebespaar von einst bekappelt. Soap statt Krimi. Und mit der Frage aller Fragen: Finden sie wieder zusammen?
Am Sonntagabend siehts mal wieder danach aus. Ein kleines Mädchen wird an einem zugefrorenen See tot aufgefunden. Natürlich nicht an irgendeinem See, sondern genau da, wo vor Jahren Evas und Kepplers Liebe begann. Was Wunder, dass der Tod der kleinen Amelie erneut an den Verlust des eigenen Kindes der Kommissare gemahnt. Schluchz!
Doch diesmal fließt keine Träne, sondern Blut. Eva muss Amelies Vater (Pasquale Aleardi) davon spenden, weil der sich vor lauter Gram die Pulsadern aufgeschnitten hat. Und weil seine Ex (Anne Ratte-Polle), ihn des Mordes verdächtigt. Vieles deutet auch darauf hin. Nur Kepplers frühere BKA-Kollegin Linda Groner aus Wiesbaden (Katja Riemann) hegt einen anderen Verdacht und funkt den Leipzigern permanent dazwischen. Die Folge: Kompetenzgerangel und Zickenkrieg. Hilfe!
Selbst Krimi-Profis, wie André Georgi, Harald Göckeritz (Buch) und Miguel Alexandre (Buch, Regie, Kamera) schaffen es nicht, aus einer Möchtegern-Diva und einem Bühnen-Berserker ein glaubwürdiges "Tatort"-Paar zu zimmern. So anrührend ihre Story auch angerührt ist - ein einziger Wimpernschlag der Thomalla, ein einziger Welpenblick Wuttkes genügt, dieses fragile Filmgebilde am Boden zu zerstören. Noch bevor es sich aufschwingen kann zu einem echten Drama über Liebe, Verlust und Trauer. Wann sieht der MDR endlich ein, dass großes "Tatort"-Kino mit Thomalla und Wuttke nicht zu haben ist?

zur Startseite

von
erstellt am 17.Jun.2013 | 06:28 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen