"Costa Concordia" havariert vor Italien : Suche nach Überlebenden geht weiter

Dramatische Szenen auf der 'Costa Concordia': Noch immer werden Menschen vermisst. Foto: dpa
Dramatische Szenen auf der "Costa Concordia": Noch immer werden Menschen vermisst. Foto: dpa

Noch immer werden Menschen vermisst: Vor der Küste von Italien wird noch nach Passagieren des Luxusliners "Costa Concordia" gesucht. Eine Familie aus Norddeutschland konnte sich retten.

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15. Januar 2012, 05:05 Uhr

Taucher haben am Sonntag zwei Leichen im havarierten Kreuzfahrtschiff "Costa Concordia" gefunden. Die Toten seien im überfluteten Heckteil des Schiffes entdeckt worden, berichtete die italienische Nachrichtenagentur Ansa am Sonntag. Die zwei älteren Männer seien mit Schwimmwesten in einer Kabine gefunden worden. Damit steigt die Zahl der Todesopfer des Schiffbruchs vor der toskanischen Küste auf fünf. Nähere Angaben zur Herkunft der Opfer gab es zunächst nicht.
Doch noch geben die Retter die Hoffnung nicht auf, Überlebende des Unglücks zu finden. Mehr als 24 Stunden nach der spektakulären Havarie des Kreuzfahrtschiffes "Costa Concordia" vor der toskanischen Küste haben Rettungskräfte zwei Überlebende geborgen. Ein Spezialkommando der Feuerwehr befreite in der Nacht zum Sonntag ein frisch vermähltes Paar aus Korea aus einer Kabine im Rumpf des Schiffes, das vor der Insel Giglio gekentert war.
Familie aus Norddeutschland überlebt Unglück
Gute Nachrichten auch von einer Familie aus Norddeutschland: Sie überlebten das Unglück auf dem Luxusliner. Das Schicksal von mehr als 30 Menschen war dagegen noch ungeklärt. Es gab keine offiziellen Angaben, ob sie noch in dem halb gesunkenen Schiff waren oder sich schon auf die Heimreise gemacht haben.
Die "Costa Concordia" war am späten Freitagabend mit mehr als 4200 Menschen an Bord auf einen Felsen vor der italienischen Insel gelaufen. Fünf Menschen starben, 60 wurden verletzt, darunter zehn Deutsche. Die Staatsanwaltschaft erhebt schwere Vorwürfe gegen den festgenommenen Kapitän des Schiffes.
Hochzeitsreise endet im Krankenhaus
Bei der Suche nach Überlebenden näherten sich Feuerwehrleute am Sonntag vorsichtig einem eingeschlossenen Mann, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete. Es war vermutlich ein Besatzungsmitglied. Bei der Suche von Kabine zu Kabine hörten die Rettungsmannschaften auf dem dritten Deck Geräusche. Es sei schwierig, den dritten Überlebenden zu befreien, sagte der Präfekt Grossetos, Giuseppe Linardi. Man müsse sich erst einen Weg zu ihm bahnen.

Glück hatten die beiden Koreaner: Die beiden 29-Jährigen seien auf Hochzeitsreise gewesen, hieß es. Es gehe ihnen den Umständen entsprechend gut. Sie konnten das Krankenhaus nach Untersuchungen wieder verlassen.
Noch immer Vermisste
Zu dem weiterhin ungeklärten Schicksal der 39 Menschen sagte Linardi am Sonntag, die Listen der Reederei und die der nach der Rettung registrierten Passagiere und Besatzungsmitglieder müssten noch verglichen werden. Das könne die Differenz zwischen den 4232 Menschen an Bord und den nach dem Schiffbruch registrierten 4193 ausmachen. Passagiere aus der Toskana und Latium hätten sich möglicherweise sofort auf den Weg nach Hause gemacht.
Der Kapitän Francesco Schettino wurde festgenommen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den 52-Jährigen wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung und Herbeiführung eines Schiffbruchs. Er sei im Dienst gewesen und habe die Route vorgegeben, auf der sich das Schiff "sehr ungeschickt" der Insel Giglio genähert habe und auf einen Felsen gefahren sei, sagte Staatsanwalt Francesco Verusio. Zudem habe er das Schiff verlassen, als ein Großteil der Passagiere und Besatzung noch darauf wartete, von Bord zu kommen. Auch gegen den ersten diensthabenden Offizier werde ermittelt, berichtete Ansa.
Warum die "Costa Concordia" auf einen Felsen auflief - darüber wurde am Wochenende nur spekuliert. Ein Stromausfall könnte nach Meinung eines Experten Ursache des Unglücks auf dem Kreuzfahrtschiff gewesen sein. Ohne Strom könnte die Crew die Kontrolle über die Navigation des riesigen Schiffes verloren und es auf Felsen im Meer gesteuert haben, sagte der Schifffahrtsexperte Malcolm Latarche vom Magazin "IHS Fairplay Solutions" der britischen Nachrichtenagentur PA. Passagiere hätten von einem Stromausfall berichtet, außerdem sei ein lauter Knall gehört worden. Es könnte zu einer Explosion im Maschinenraum gekommen sein, sagte Latarche.

Nach starkem Wassereinbruch hatte sich das Schiff geneigt und kippte schließlich auf die Seite. Bei der Evakuierung spielten sich nach Angaben von Passagieren chaotische Szenen ab. Etwa zehn der über 560 deutschen Passagiere wurden leicht verletzt.

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