Uni Flensburg : Studieren für einen Abschluss ohne Wert

Die Zentrale Hochschulbibliothek ist schlecht ausgestattet - aber längst nicht das einzige Problem der Uni.  Foto: Staudt
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Die Zentrale Hochschulbibliothek ist schlecht ausgestattet - aber längst nicht das einzige Problem der Uni. Foto: Staudt

In Flensburg studieren 1200 junge Menschen Vermittlungswissenschaften - ohne zu wissen, ob ihr Abschluss-Zeugnis irgendeinen Wert haben wird. Die Prüfagentur "ZEvA" verweigert dem Bachelorstudiengang bisher die Akkreditierung - er ist zu schlecht organisiert.

shz.de von
13. August 2008, 03:27 Uhr

Viele Studenten wüssten weder etwas über die genauen Mängel, noch etwas darüber, dass die Anerkennung ihres Studienganges überhaupt ausgesetzt wurde - das berichtet Petra Richter, Vorsitzende des Asta (Allgemeiner Studierendenausschuss) der Uni. "Die Studenten können sich nicht wehren. Eine Woche vor den Semesterferien wurden die Probleme bekannt und es brach Panik aus. Wir sind enttäuscht, dass das Rektorat nicht gleich Stellung genommen hat." Sie glaube nicht, "dass die meisten wirklich registriert haben, was da genau passiert. Erst, wenn sie aus den Ferien kommen, werden sie sehen, was auf sie zukommt."
Hoher Lehrkräftemangel, ungenaue Studienmodule, zu hohe Prüfungsbelastungen - laut der Uni Flensburg sind dies die Hauptmängel, die die Prüf-Agentur "ZEvA" dem Studiengang "Vermittlungswissenschaften" ankreidet, der seit drei Jahren an der Uni das klassische Lehramtsstudium ablöst. Die Akkreditierung wurde ausgesetzt - 1237 Studenten pauken nun in einem Bachelor-Studiengang, der nicht anerkannt ist; Abschluss-Zeugnisse haben zudem nicht ihren vollen Wert. Im umfangreichen Prüfbericht der "ZEvA" vom 6. Juni 2008, der dem Tageblatt nun vorliegt, finden sich die genannten Mängel zwar wieder, und die "ZEvA" bezeichnet - abgesehen vom hohen Lehrkräftedefizit - diese auch als "unwesentlich". Vor allem in Bezug auf die Prüfungsbelastungen liest sich die Kritik der Agentur jedoch alles andere als bedeutungslos, besonders in Bezug auf die Studiensituation, in der sich die betroffenen Studenten derzeit befinden.
Bis zu 80 Prozent fallen durch
Das Prüfungssystem der "Vermittlungswissenschaften" wird in dem Dokument deutlich kritisiert. Die Prüfungszahl insgesamt müsse gesenkt werden. Weiter bezweifeln die Gutachter, "ob die vorhandene Bonus- und Maluspunkteregelung angemessen ist." Die Regelung, die beinhaltet, dass jeder Student ein Prüfungskonto besitzt, das positive und negative Studienleistungen verbucht, sei ein "Indiz für ein Missverhältnis zwischen den Qualifikationen der Studierenden und dem von den Dozenten oder vom Curriculum (Lehrplan; d. Red.) definierten Anspruchsniveau". Die Gutachter empfehlen im Falle von Prüfungen, die häufig nicht bestanden werden - "bestimmte Klausuren in Mathematik haben 80% Durchfallquote" - eine Änderung der Prüfungsanforderung und des Veranstaltungsaufbaus, um auf besagte Regelung verzichten zu können. Was für Studenten noch schwerer wiegt: "Einzelne Prüfer verstoßen gegen §9 der Prüfungsordnung" (gegen die "Form der Prüfungsleistung"; d. Red.), da sie "unzulässigerweise" die am Semester-Anfang angekündigten Prüfungsformen im Laufe des Semesters ändern. Die "ZEvA" empfiehlt daher, "die Dozenten dringend auf eine durchgängig faire und ordnungsgemäße Ankündigung und Durchführung von Prüfungen hinzuweisen und die Prüfungen in ihrer zeitlichen Abfolge besser aufeinander abzustimmen."
Kompetenz wird überhaupt nicht genutzt
Das Gesamturteil: "Es gibt Bedenken hinsichtlich einer fehlenden durchgängigen Behandlung vermittlungswissenschaftlicher Inhalte im gesamten Bachelor- und Masterstudium, überwiegend wird aber die Durchmischung von fachwissenschaftlichen mit fachdidaktischen Inhalten kritisch gesehen." An anderer Stelle wird zudem angemerkt: "So gibt es im Bereich Management sogar ein eigenes Institut, dessen Kompetenz jedoch überhaupt nicht genutzt wird."
Zwar wird der Uni eine "gute Ausstattung" im Bereich Informations- und Medientechnologie attestiert. Die Bibliotheks-Ausstattung lässt jedoch zu wünschen übrig: Die Experten trafen bei ihrer Vor-Ort-Begutachtung dem Bericht zufolge Studenten, die unter einem "erheblichen Anschaffungsbedarf von neuerer Fachliteratur" leiden und zudem berichteten, dass "bei manchen Teilmodulen ein einziges Buchexemplar für 300 Studierende zur Verfügung stünde".

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