zur Navigation springen

Unwetter und Feuer in Europa : Stromausfall in Norditalien und Waldbrände in Portugal

vom

Während im Süden des Landes die Hitzewelle nicht nachlässt, hat der Norden mit starken Unwettern zu kämpfen.

Heftige Unwetter mit starkem Wind, Regen, Hagel und Gewitter sind über Norditalien hinweggezogen. Im äußersten Nordosten des Landes saßen 70 000 Stromkunden am Donnerstagabend im Dunkeln.

Campingplätze an der Adriaküste nahe Venedig wurden unter Wasser gesetzt, zahlreiche Bäume stürzten um. Mehrere Menschen wurden verletzt.„Ich habe das Gewitter über dem Meer heranziehen sehen und bin zum Campingplatz gelaufen. Die Bäume um mich herum stürzten um, und einer traf eine 42-jährige Touristin“, sagte ein Feuerwehrmann, der in dem Ort Jesolo Ferien machte, der Zeitung „Corriere della Sera“. Zusammen mit einem Arzt habe er am Donnerstag die Äste durchbrochen, bis die Frau befreit war. Die Verletzte hätten sie dann auf einem Surfbrett zum Strand transportiert, von wo aus sie mit einem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus geflogen wurde.

Ob es sich dabei um die im Italien-Urlaub verletzte Sozialministerin Brandenburgs, Diana Golze (Linke), handelte, war zunächst unklar. Die Politikerin wurde in Norditalien von einem umstürzenden Baum getroffen und schwer verletzt. Der Vorfall habe sich am späten Donnerstagnachmittag bei einem Unwetter auf einem Campingplatz in Norditalien ereignet, hieß es aus dem Ministerium. Golze sei in einem Krankenhaus sofort operiert worden, und es gehe ihr den Umständen entsprechend gut.

Um die 50 Menschen hätten sich an die Unfallstellen der umliegenden Krankenhäuser gewandt, nachdem über die Orte Caorle, Jesolo und San Michele al Tagliamento an der Adriaküste eine Windhose gezogen war.

Die Menschen waren von umherfliegenden Gegenständen getroffen worden. Die meisten seien leicht verletzt, berichtete Ansa.

In Portogruaro deckte der starke Wind einen Supermarkt ab, in Caorle wurden Unterkünfte und Strandbäder in Mitleidenschaft gezogen, wie „Corriere della Sera“ berichtete. Die Schäden werden in der Region Venetien auf mehrere Millionen Euro geschätzt.

Unwetter wüteten am Donnerstag auch in der Region Friaul-Julisch Venetien, die an der Grenze zu Österreich und Slowenien liegt. Das Stromnetz brach zusammen, 70.000 Kunden waren betroffen, wie der Versorger e-distribuzione mitteilte. Rund 500 Techniker waren im Einsatz, am Freitagmorgen war ein Großteil der Haushalte wieder versorgt. 18.000 Kunden mussten allerdings noch ohne Strom ausharren.

Bereits letztes Wochenende waren mehrere Menschen bei schweren Unwettern in Norditalien gestorben.

Während der Norden des Landes mit den heftigen Unwettern kämpft, hält die Hitzewelle in Zentral- und Süditalien weiter an. Die Waldbrandgefahr ist nach wie vor hoch. Die Feuerwehren im Norden waren wegen Unwetterschäden im Einsatz, und im Süden hielten bereits am Freitagvormittag mehr als 100 Wald- und Buschbrände die Kräfte auf Trab. Die Temperaturen mäßigten sich zum Wochenende hin aber auch dort. Hatte das Gesundheitsministerium in den vergangenen Tagen noch die höchste Hitzewarnstufe für mehr als ein Dutzend Städte verhängt, galt diese am Freitag nur noch für das sizilianische Catania und Bari in der Region Apulien.

Auch in Portugal nimmt die Hitzewelle kein Ende. Knapp zwei Monate nach den verheerenden Bränden mit 64 Toten in der Region Pedrógão Grande halten brennende Wälder in Portugal die Feuerwehr weiter in Atem. Mehr als 2100 Feuerwehrleute waren am Freitag im ganzen Land im Einsatz, um mehr als 170 Brandherde zu bekämpfen, wie der Zivilschutz in Lissabon mitteilte. Dabei wurden 680 Fahrzeuge und 15 Flugzeuge eingesetzt.

 

Feuerwehrfahrzeuge fahren in der Nähe von Abrantes zu einem Waldbrandeinsatz.
Feuerwehrfahrzeuge fahren in der Nähe von Abrantes zu einem Waldbrandeinsatz. Foto: Armando Franca/dpa

Am schlimmsten war die Lage zuletzt im Kreis Abrantes im Zentrum des Landes rund 130 Kilometer nordöstlich von Lissabon. Dort wurden am Donnerstag die Bewohner von vier Dörfern, die von den Flammen unmittelbar bedroht waren, in Sicherheit gebracht. Einige der zumeist älteren Bewohner seien in Panik geraten, berichtete der Fernsehsender TVI24. In der Ortschaft Aldeia do Mato sei etwa das Haus einer 80-Jährigen von den Flammen völlig zerstört worden.

Aufgrund der unkontrolliert lodernden Flammen wurden in der Nacht zum Freitag eine Autobahn und eine Landstraße mehrere Kilometer gesperrt.

Sie sind inzwischen aber wieder befahrbar. Trotz der anhaltenden Trockenheit und der starken Winde seien fast alle Feuerherde in der Nacht unter Kontrolle gebracht worden, sagte die Bürgermeisterin der Gemeinde Abrantes, Maria do Céu Albuquerque, dem TV-Sender RTP. „Es gibt nur noch einen gefährlichen Feuerherd, der wird uns aber viel Arbeit bereiten.“ In vielen Regionen brannten vor allem die leicht entzündbaren Eukalyptusbäume. So war das auch bei den schweren Bränden im Juni in Pedrógão Grande im Zentrum des Landes gewesen. Damals starben 64 Menschen, 20.000 Hektar Land wurden zerstört. Seit Januar wurden in Portugal nach amtlichen Angaben rund 138.000 Hektar Wald zerstört - eine Fläche, die knapp doppelt so groß wie Hamburg ist. Portugal erlebt das schlimmste Brandjahr seit 2005. Vor zwölf Jahren hatten die Flammen 321.000 Hektar Wald vernichtet.

zur Startseite

von
erstellt am 11.Aug.2017 | 09:38 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen