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Geschlechtsspezifisches Spielzeug : Starke Krieger, süße Puppen: Eine Kinderwelt in Rosa und Blau

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Noch nie war Spielzeug so geschlechtsspezifisch gestaltet. Warum ist das so? Und: Ist das schlimm?

shz.de von
erstellt am 06.Mär.2016 | 11:50 Uhr

Stadum | Jungskram! Eindeutig. Mary-Ann (5) steht mit ihrer Freundin Lara-Sophie (6) in der Puppenecke und verzieht ihr Gesicht. Ob sie denn auch mal mit Autos und Baggern spielen, wurden sie soeben gefragt. Die Mädchen aus der Kita Stadumer Arche in Stadum (Kreis Nordfriesland) sind sich einig: Keine Autos. Keine Bagger. Stattdessen versuchen sie, ein Bügelbrett aufzustellen. Die Puppen brauchen schließlich ordentliche Sachen.

Zwei Schritte daneben sitzen Iwen (5) und Max (6). Sie haben mit Klötzen eine Polizeistation gebaut und parken jetzt ein Auto in der Garage. Was sie mögen? Polizei. Star Wars. Feuerwehr. Wie sieht es mit Puppen aus? Max und Iwen gucken ungläubig. „Neiiin!“ Warum nicht? „Das ist nur was für Mädels“, belehrt Iwen.

Hier die Mädchen mit den Puppen, dort die Jungs mit den Autos – feinstes Klischee und doch Realität. Nicht ausschließlich, natürlich. Denn selbstverständlich gibt es Mädchen, die mit Puppen nichts anfangen können oder genau so gern mit dem Feuerwehrauto fahren wie sie Mutti mimen. Genauso wie Jungs, die lieber Koch als Superman sind. Doch wenn man mit Erziehern im Land spricht, mit Eltern oder Großeltern, wenn man Kindergärten besucht oder Wunschzettel liest, dann zeichnet sich ein ziemlich eindeutiges Bild: Die Welt der kleinen Mädchen ist rosa, mit Einhörnern, Ponys und Prinzessinnen. In dieser Welt gibt es pinke Glitzerpullover, und an Fasching geht man als Eiskönigin. Die Jungswelt ist blau, und darin rollen Bagger und Roboter, kämpfen Krieger mit Schwertern, und auf den Puschen prangen Autos. Die Frage ist: Ist das normal? Und: Ist das schlimm?

Eine Mischung aus Genen und der Umwelt

Mädchen sind Mädchen und Jungs sind Jungs. Sie haben nunmal andere Gene, und die sind der Grund, weshalb Jungen raufen und Mädchen sich kümmern – glaubte man lange Zeit. Inzwischen ist klar: Es ist eine Mischung aus Genen und der Umwelt, welche die Kinder erzieht und prägt. Wie genau diese Mischung aussieht, ist strittig. Aber die Tendenz geht in diese Richtung: Wenig Genetik, viel Umwelt. Lise Eliot, Neurobiologin an der Chicago Medical School, sichtete für ihr 2010 erschienenes Buch „Pink brain, blue brain“ unzählige Studien. Sie wollte erforschen, wie Hormone Geschlechtsunterschiede im Verhalten beeinflussen. Stattdessen kam sie zu dem Ergebnis, dass es kaum Geschlechtsunterschiede gibt. „Angeborene Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen sind nicht so fest verdrahtet wie viele Eltern annehmen“, sagt die Forscherin. Aber was ist mit Büchern wie „Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken“ oder „Männer sind vom Mars, Frauen von der Venus“? Was ist mit der täglichen Beobachtung, dass Männer und Frauen einfach nicht zusammenpassen? „Entsprechende Ergebnisse gibt es einfach nicht“, so die Forscherin. „Wissenschaftler haben nur sehr wenige verlässliche Unterschiede zwischen den Gehirnen von Männern und Frauen gefunden, und noch viel weniger zwischen denen von Jungs und Mädchen.“

Die pinke Welt ist pinker und undurchlässiger geworden, die blaue Welt blauer

Dr. Birgit Köhler von der pädiatrischen Endokrinologie (Hormonzentrum für Kinder) an der Charité Berlin ist da etwas vorsichtiger. „Es gibt schon genetische Unterschiede. Die Veranlagung ist da“, sagt sie. Aber erklärt sie die rosa und blauen Kinderzimmer? Auf diese Frage gibt sie, ohne zu zögern, dieselbe Antwort wie ihre amerikanische Kollegin: nein.

Wieso zum Teufel sehen die dann so aus? Denn da ist noch etwas, das Erziehern und Eltern auffällt: Das alles hat sich verstärkt. Die pinke Welt ist pinker und undurchlässiger geworden, die blaue Welt blauer. In ihrer eigenen Kindheit hat Mama vielleicht auch schon gern mit Prinzessinnen gespielt. Aber auf ihrer Zahnbürste war noch keine drauf. Und auf den Kindergartenfotos von früher tragen auch nicht fast alle Mädchen pink.

Ein Lillifee-Handy ist eines der liebsten Spielzeuge von Mary-Ann (5) – sie brachte es zum Spielzeugtag in die Kita Stadum mit.
Ein Lillifee-Handy ist eines der liebsten Spielzeuge von Mary-Ann (5) – sie brachte es zum Spielzeugtag in die Kita Stadum mit. Foto: Wilke
 

Paradox ist ja: Frauen waren hierzulande noch nie so gleichberechtigt wie heute. Es gibt Elternzeit für Väter, Frauen sind Managerinnen und Spitzenpolitikerinnen. Doch Spielzeug und Mode für Kinder war noch nie zuvor so stark geschlechtsspezifisch gestaltet. Wie kommt das? Dr. Uta Klein, Professorin für Geschlechterforschung in Kiel, spricht von einem „Aufeinandertreffen zweier scheinbar nicht zusammenpassender Erscheinungen“. Der Feminismus hat viel erreicht – „aber auf der anderen Seite führten eben solche Lockerungen gesellschaftlicher Vorgaben zu einer Unsicherheit und bei etlichen Menschen zu einem Bedürfnis nach Eindeutigkeit und einem starken geschlechterkonformen Verhalten.“ Einem Verhalten, das vielen nicht klar ist. „Eltern ist meist nicht bewusst, welche Signale sie senden“, sagt Uta Klein.

Erik (4) baggert für sein Leben gern – deshalb sollte das Fahrzeug am Spielzeugtag mit in den Kindergarten.
Erik (4) baggert für sein Leben gern – deshalb sollte das Fahrzeug am Spielzeugtag mit in den Kindergarten. Foto: Wilke
 

Tatsächlich beobachten Forscher, dass Eltern Jungen und Mädchen von Geburt an unterschiedlich behandeln – und seien die Unterschiede auch scheinbar noch so unbedeutend. Sie sehen etwa, dass Väter mit ihren Söhnen wilder spielen und mit ihren Töchtern ausdauernder kuscheln. Dass Eltern dem Jungen das Holzauto anbieten und dem Mädchen die Puppe. Dass Sohnemann früher aufs Bobbycar gesetzt wird, oder dass der rosa Strampler der großen Schwester in der Kiste bleibt, wenn der kleine Bruder reinpassen würde. Und selbst wenn Eltern ihre Söhne und Töchter gleich erziehen würden – da sind ja noch Großeltern, Freunde, Erzieher, Bilder in Fernsehen, Internet und Werbung. Und da sind: Spielsachen.

Ecke Rosa und Ecke Blau sind Ergebnisse der Industrie

Wer in einen Spielzeugladen geht, erfasst mit einem Blick, wo die Sachen für Mädchen liegen und wo die für Jungs. Nur aufgrund der Farben. In der Ecke Rosa wären: Ein pinkes Pflegeset mit Plastikfön, Spiegel, Bürste und Parfumflakon. Jede Menge geflügelte Einhörner. Ein pink-weißes Shoppingcenter mit Geschäften für Badeanzüge, Taschen und Brautkleider. Es geht um pflegen, kümmern, schön machen. Pferde und Püppchen sehen lieb aus, haben große Augen, lange Haare und sind süß und wahlweise sexy.

In der Ecke Blau gibt es: Actionfiguren, die vor Kraft kaum laufen können. Roboter. Laserschwerter. Monster-Trucks. Ritterburgen. Es geht um Wettstreit, Action, kämpfen, bauen, kaputtmachen. Natürlich, die Jungs-Mamas könnten auch in die rosa Ecke greifen, und die Mädchen-Papas in die blaue. Aber sie tun es nicht oder kaum, denn dieses Spielzeug hat sich so extrem in zwei Richtungen entwickelt, dass dem kaum etwas entgegenzusetzen ist.

Die Raubritterburg für Jungen...

Die Raubritterburg für Jungen...

Foto: Playmobil
 

Und das kam so: Ecke Rosa und Ecke Blau sind die Ergebnisse einer Industrie, die gesättigt war und in Zeiten sinkender Geburtenrate nach neuem Wachstum suchte. Das aber war nur noch über eine Erweiterung der Zielgruppen möglich, über die Eroberung von Nischen. Was können wir noch speziell für Babys herstellen? Für Vorschulkinder? Für Teenager? Und: Wie ködern wir Mädchen? In den 90er Jahren begann etwa Playmobil, Werbung gezielt auf die Zielgruppe Mädchen auszurichten – und andere Unternehmen zogen mit. „Pinkifizierung“ nennt Dr. Stevie Schmiedel den Trend, den Experten seit 15 bis 20 Jahren verstärkt beobachten. Die Hamburger Geschlechterforscherin ist Mitbegründerin der Initiative „Pinkstinks“, die gegen Produkte und Werbung protestiert, welche Kindern eine eindeutige Geschlechterrolle zuweisen. „Am Anfang stand die Erkenntnis der Marktwirtschaft, dass sie die Spielsachen einfach pink einfärbt und ,für Mädchen’ draufschreibt. Eine hervorragende Strategie, um Dinge doppelt zu verkaufen“, bemerkt sie süffisant. Die Folge waren pinke Überraschungseier „nur für Mädchen“, die für Mädels konzipierte Lego-Serie „Friends“ mit fliederfarbenen Shopping-Centern oder Memory-Spiele in einer rosa Filly-Pferd-Edition.

...und das rosa Prinzessinnen-Schloss für Mädchen.
...und das rosa Prinzessinnen-Schloss für Mädchen. Foto: Playmobil

Tatsächlich ist die Geschlechtertrennung in den Geschäften frappierend – nicht nur beim Spielzeug. Wer für seine Tochter einen Badeanzug sucht, findet kaum ein Modell, das nicht prinzesschenhaft ist. Wer seinem Sohn einen Pullover kaufen will, hat die Wahl zwischen grün und blau, Spiderman und Dinosauriern. In der Drogerie liegt neben dem rosafarbenen „Prinzessinen-Bad“ das blaue „Sieger-Bad“, auf dem ein Junge ein Pokal in die Höhe reckt. Und in der Buchhandlung gibt es Kinderbücher, die sich ausdrücklich an Jungs (mit Rittern drauf) und Mädchen (mit Prinzessinnen drauf) richten.

Haben diese Sachen Fuß gefasst, verstärken sie sich wie von selbst. Denn: Kinder möchten dazu gehören. Ab etwa drei Jahren wissen sie, dass es zwei Geschlechter gibt. „Dann ist es normal, dass sie sich stärker am gleichen Geschlecht orientieren. Sie suchen nach Sicherheit in ihrer Geschlechteridentität“, sagt Christa Wanzeck-Sielert, Diplompädagogin und Expertin für Sexualerziehung aus Kiel. Sprich: Tragen die anderen Mädchen rosa, will die Freundin das auch. Mögen die Jungs Autos, bringt wohl kaum einer von ihnen eine Puppe zum Spielzeugtag mit.

Aber verändern die Rosa-Blau-Koordinaten die Kinder? Oder entsprechen sie ihnen?

Axel Dammler, Kinder- und Jugendforscher beim Marktforschungsunternehmen „iconkids & youth“, glaubt Letzteres. Sicher, die Industrie verstärke das Phänomen. Aber, so Dammler: „Spielzeug war immer und in allen Kulturen bis zurück ins Altertum extrem geschlechtsspezifisch. Das ist kein Zufall.“ Es gebe nunmal typisch weibliche und typisch männliche Spielformen, so Dammler. „Mädchen spielen integrativer, mögen gemeinsame Rollenspiele wie Vater-Mutter-Kind. Sie tauchen gern in Welten ein, lieben Projektionsflächen. Das interessiert Jungs nicht. Sie spielen wettbewerbsorientiert und identifizieren sich eher mit Fußballern oder Superhelden, als dass sie Popstars anhimmeln.“

Zuordnungen, bei der sich Stevie Schmiedel die Nackenhaare sträuben. Weil sie Jungen und Mädchen festlegen, ihre Rollen besiegeln, Klischees zementieren. Forschen, bauen, aktiv sein, räumlich denken für Jungs. Süß, sozial und häuslich sein, pflegen und Selbstoptimierung für Mädchen. Na und?, findet Axel Dammler. So sind sie halt, die Jungs und Mädels.

Sind sie nicht!, widerspricht Stevie Schmiedel. Und für sie ist es ein großes Problem, dass so getan werde, als ob. Sie glaubt, dass das Spielzeug mit daran Schuld ist, wenn Mädchen kein Mathe mögen, sich in ihrem Körper unwohl fühlen und lieber Model statt Managerin werden wollen. „Später drücken sich Mädchen viel zu wenig aktiv aus“, beklagt sie. Irgendwann könne das auf Äußerlichkeiten ausgelegte Spiel der Mädchen zu „Depressionen, Essstörungen und selbstverletzendem Verhalten“ führen. Umgekehrt sei es für Jungen gefährlich, wenn sie durch Kraftprotze und Krieger stets zu Stärke und Dominanz animiert würden. „Warum sollte sich ein kleiner Junge nicht auch in die Ecke kuscheln und mal zart sein dürfen? Wir haben eine hohe Selbstmordrate unter Männern, männliche Depression ist oft fatal, weil sie nicht lernen, mit Gefühlen umzugehen“, so Schmiedel.

Auch Uta Klein glaubt, dass einseitiges Spielzeug dazu beiträgt, den Entwicklungsspielraum von Kindern einzuschränken. „Besonders Mädchen verengen ihre Berufsvorstellungen. Während sehr kleine Mädchen sich noch vieles vorstellen können – sogar Bundeskanzlerin zu werden – , verengt sich dieses Spektrum später und es bleiben als ,Top Five’ die klassischen frauendominierten Berufe über.“

„Pink ist eine Phase. Da wachsen die raus.“

„Kompletter Blödsinn“ sei das, sagt Axel Dammler. Dass Batman und Lillifee Einfluss auf das spätere Leben nehmen, hält er für absurd. „Barbie stand schon immer für Konsum, Bulimie und ein falsches Schönheitsideal. Mittlerweile ist die zweite Barbiegeneration Mutter. Ist sie etwa komplett essgestört?“ Stattdessen ist er sich sicher: „Die Karten, welche Rolle ich im Leben ergreife, werden im Laufe der Kindheit und Jugend komplett neu gemischt. Irgendwann finden Kinder Pink total doof. Und nur weil sie ständig mit Lillifee spielen, wollen sie keine Fee werden“, so der Jugendforscher. „Pink ist eine Phase. Da wachsen die raus.“ Stimmt das? Oder wachsen sie da erst hinein?

Geschlechter-Duschgel in blau und rosa.
Geschlechter-Duschgel in blau und rosa. Foto: Dewanger
 

Ebenso wie der Marktforscher meint auch Christa Wanzeck-Sielert nicht, dass Mädchen später keine Wissenschaftlerinnen, Chirurginnen oder Ingenieurinnen werden, weil sie als Vierjährige viel mit Prinzessinnen spielen. „Wenn sie älter werden, reflektieren sie das und verstehen, dass es nicht alles ist“, sagt Wanzeck-Sielert. „Kinder sind auch Akteure. Wenn das Elternhaus nicht extrem geschlechtsspezifisch ist, werden sie sich neu orientieren.“ Für sie ist eine andere Frage viel entscheidender als die, welches Spielzeug die Kinder in die Hand nehmen: Was machen die Erwachsenen? Wie reagiert die Erzieherin, wenn der Junge am Spielzeugtag eine Puppe mitbringt? Ermuntert sie Jungs zum Basteln und Mädchen zum Baggerspiel? Lässt Papa Töchterlein auch mal den Rasenmäher schieben? Werkelt er mit dem Sohn in der Küche? Wichtig sei, dass Jungen und Mädchen mehrere Türen geöffnet würden. „Kinder gucken sehr intensiv, was Vater und Mutter machen. Die Erziehung bestimmt mit darüber, wie stark Kinder in diesen Rollen verhaftet bleiben.“

Uta Klein glaubt allerdings nicht, dass Erwachsene im Allgemeinen die Eindeutigkeit wirklich durchbrechen wollen. Zu groß sei die Unsicherheit vor dem, was dann käme. „Unsere Offenheit ist viel geringer als gemeinhin zugegeben wird.“ Natürlich kommt es auch auf die Eltern an, sagt Schmiedel. Aber ihr Einfluss sei geringer als der von peer groups und Medien. Sicher, die Prinzessinnenpuppen und Hello-Kitty-Shirts landen irgendwann in der Ecke, meint die Gender-Expertin. Doch bis dahin haben sie längst ein verqueres Frauenbild gesät – und werden ersetzt durch „Germany’s next topmodel“, irre dünne Monster-High-Puppen und Kinder-Schminksets.

„Eltern sollten nicht alles mitmachen“

Und jetzt? „Es ist nicht schlimm, wenn Eltern so etwas kaufen – Kinder sollen sich ja in ihrer Gruppe wohl fühlen und Sachen ausprobieren“, sagt Wanzeck-Sielert. „Aber man sollte auch anderes anbieten und bewusst damit umgehen.“ Kompromisse eingehen statt massiv zu bestärken oder unreflektiert alle Wünsche zu erfüllen zum Beispiel. „Eltern sollten nicht alles mitmachen.“

Von Verboten hält auch „Pinkstinks“ nichts. „Wir wollen ja die Barbie nicht verbieten. Aber den Blick schärfen. Eltern sollten mit ihren Kindern über Rollenbilder sprechen und ihren Töchtern sagen, dass sie genauso mit Laserschwertern spielen können und die Jungs mit Einhörnern“, sagt Stevie Schmiedel. Die Organisation setzt ohnehin eher bei der Industrie an: „Wir wollen, dass auf den rosa Überraschungs-Eiern nicht draufsteht: ,Für Mädchen’. Wir wollen, dass in der Werbung auch mal ein Mädel mit Raumschiffen spielt.“

„Hauptsache sie werden glücklich“

In der Kita Stadum hält Mary-Ann ihr Lillifee-Spielhandy in der Hand. Sie trägt eine fliederfarbene Hose und einen Pullover mit rosa Herz. Neben ihr steht Lara Sophie – rosa Little-Pony-Kleid, pinke Puschen – und wiegt eine Puppe im Arm. Was sie am allerliebsten spielen? Vater-Mutter-Kind und mit Puppen, sagt Mary-Ann. Sie überlegt. Und Fußball. Sie überlegt. „Ich mag auch richtig gerne Lego. Obwohl das ja eigentlich für Jungs ist.“

Nebenan haben Erik (4) und Florian (5) – grüne und blaue Pullover – mit Bauklötzen eine Werkstatt für ihren Bagger gebaut. Ob sie auch mal mit Puppen spielen? „Nein!“, kommt es unisono. „Wir sind doch keine Mädchen!“ Wirklich nie mit Puppen? Naja. Die Jungs zögern. Manchmal schon, räumen sie ein. Und: Ja, das bringt auch Spaß.

Erzieherin Barbara Nitzling nickt, als sie das hört. Die Jungs spielen durchaus mal mit Puppen, sagt sie. „Aber sie würden niemals pink tragen.“ Und in welcher Rolle sehen sich die Erzieherinnen? „Wir möchten, dass den Kindern alles offen steht. Wir wollen unterstützen, dass sie sich bewusst entscheiden. Hauptsache, sie werden glücklich!“

Dann zeigt sie auf die Werkbank. Die sei eine der wenigen Spielorte, der gleich häufig von allen genutzt werde. Die sechsjährige Amy (grau-blau-grüner Pulli) hat dort gerade ein Flugzeug gebaut. Was sie mal werden will? „Bauer!“ sagt sie. Also: „Einer, der Flugzeuge baut!“ Oder vielmehr: eine.

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