Vier Strafanzeigen : Spritdiebstahl in Schleswig nimmt zu

Videoüberwacht? Von wegen. Im Parkhaus am Schwarzen Weg gibt es keine Kameras.
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Videoüberwacht? Von wegen. Im Parkhaus am Schwarzen Weg gibt es keine Kameras.

Die Kripo in Schleswig ermittelt in vier Fällen von Spritdiebstahl. Das sei sicher nur die Spitze des Eisbergs, sagt die Polizei. Oft bemerken die Geschädigten den Diebstahl nicht.

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27. März 2013, 11:37 Uhr

Schleswig | Als Heinz Rauschenberger in der vergangenen Woche seinen Wagen aus dem Parkhaus am Schwarzen Weg holen wollte, meldete sich der Bordcomputer mit einem schrillen Warnsignal. "Bitte tanken" zeigte der Rechner des Fahrzeugs an. Die Nadel der Tankuhr befand sich im roten Bereich. Rauschenberger war überrascht. Denn bevor er seinen Wagen im Parkhaus abgestellt hatte, war er zu einer Tankstelle gefahren, um vollzutanken.

Der Schleswiger ist Opfer eines Benzindiebstahls geworden. Straftaten dieser Art sind der Polizei zwar nicht neu, aber sie treten in jüngster Zeit offenbar häufiger auf als früher. "Das mag auf die gestiegenen Kraftstoffpreise zurückzuführen sein", sagt Matthias Glamann, Sprecher der Flensburger Polizeidirektion. In den ersten Wochen dieses Jahres gingen bei der Kriminalpolizei in Schleswig vier Anzeigen wegen Kraftstoffdiebstahls ein. Das hört sich wenig an, ist aber nach Ansicht von Glamann nur die Spitze des Eisbergs. Denn die Dunkelziffer sei vermutlich hoch: "Nicht in jedem Fall bemerken Geschädigte den Diebstahl - vor allem dann nicht, wenn man die Tankdeckel nicht abschließen kann."

Die Tat dauert nur wenige Minuten

Insbesondere Wiederholungstäter dürften nur selten den ganzen Tank leerpumpen. Zum einen ist das Fassungsvermögen der Kanister begrenzt, zum anderen fällt ein Diebstahl von zehn oder 20 Litern je nach Tankgröße nicht zwangsläufig sofort auf, eröffnet den Tätern aber die Option, die Opfer mehrfach bestehlen zu können, ohne damit einen erhöhten polizeilichen Fahndungsdruck auszulösen. Die Tat selbst dauert nur wenige Minuten. Mit einem Schlauch saugen die Täter den Kraftstoff an und füllen ihn in ihre Kanister. Einziges, aber offenbar leicht zu überwindendes Hindernis sind abschließbare Tankdeckel. Die meisten können mit etwas Kraftaufwand aufgehebelt werden. Dann ist der Schaden am Auto meist höher als der Wert des gestohlenen Diesels oder Benzins.

Wie kann man sich schützen? Technische Vorrichtungen lassen sich nach Einschätzung von Experten zu leicht überwinden und scheiden daher in den meisten Fällen aus. Polizeisprecher Glamann setzt auf die Aufmerksamkeit von Passanten: "Wenn man im Parkhaus jemandem mit Schlauch und Kanister bemerkt, sollte man umgehend über die 110 die Polizei verständigen."

Kein Verlass ist hingegen auf die angebliche abschreckende Wirkung von Schildern, die beispielsweise auf eine Videoüberwachung hinweisen. Im Parkhaus am Schwarzen Weg hat man diese Schilder zwar montiert, aus Kostengründen aber auf die Montage der Kameras verzichtet.

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