Umfrage : Soll Biodiesel abgeschafft werden?

Warnt davor, den Einsatz von Biokraftstoff zulasten der Ernährung in der Dritten Welt voranzutreiben: Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter Harry Carstensen. Foto: Staudt
Warnt davor, den Einsatz von Biokraftstoff zulasten der Ernährung in der Dritten Welt voranzutreiben: Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter Harry Carstensen. Foto: Staudt

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter Harry Carstensen hat davor gewarnt, den Einsatz von Biokraftstoff zulasten der Ernährung in der Dritten Welt voranzutreiben. Was halten Sie von der staatlichen Förderung der Bioenergie? Beteiligen Sie sich an unserer Umfrage!

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25. März 2008, 04:32 Uhr

Die Konkurrenz zwischen dem immer größeren Bedarf an Nahrungsmitteln und einer neu geschaffenen Nachfrage für Biotreibstoff habe Grundnahrungsmittel weltweit dramatisch verteuert, sagte der CDU-Politiker. "Dies verschärft das Ernährungsproblem in den ärmsten Ländern noch weiter." Man könne nicht etwas Gutes für den Klimaschutz tun wollen und damit gleichzeitig das Problem des Hungers in der Welt verschärfen.
Konkret forderte Carstensen eine Diskussion darüber, ob die Subventionierung und Förderung von Biokraftstoffen durch verbindliche Beimischungsquoten aufrechterhalten werden kann wie bisher.
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"Eine Tankfüllung mit Biokraftstoff entspricht in etwa der Energiemasse, von der ein Mensch in der Dritten Welt ein Jahr lang leben kann", erläuterte der diplomierte Agraringenieur. "Dass 850 Millionen Menschen an Unterernährung leiden, ist weder aus ethisch-moralischen Gründen noch aus handfesten politischen Überlegungen hinnehmbar. Hunger führt zur politischen Radikalisierung und verursacht Migration."
Carstensen: Schleswig-Holstein kann helfen
Nach Ansicht des Kieler Regierungschefs sollten auch weitere Möglichkeiten zur Ertrags- und Produktivitätssteigerung in der landwirtschaftlichen Produktion ausgelotet werden. "Ich will mich in Berlin dafür einsetzen, dass die deutsche Entwicklungszusammenarbeit stärker als bisher auf die Entwicklung der ländlichen Räume in der Dritten Welt ausgerichtet wird. Gerade dort liegen im Kampf gegen Hunger ja besondere Chancen", sagte Carstensen, der viele Jahre lang den Agrarausschuss des Bundestages geleitet hat. Hier könne Schleswig-Holstein mit seiner leistungsfähigen Landwirtschaft und seiner Agrarforschung auf Weltniveau wertvolle Beiträge leisten. "Wir wollen dieses Know-how stärker in die staatliche Entwicklungszusammenarbeit, aber auch in die Arbeit der nichtstaatlichen Organisationen einbringen."
Kritik an Carstensens Äußerungen kam aus der FDP. Die Kritik des "Ministerpräsidenten im Rapsland Schleswig-Holstein" sei weitgehend verfehlt, erklärten der Landtagsabgeordnete Günther Hildebrand und die Bundestagsabgeordnete Christel Happach-Kasan. Erst die Einführung der Steuer auf Biokraftstoffe und des Beimischungszwangs durch die schwarz-rote Bundesregierung habe größere Biokraftstoffimporte auch aus der Dritten Welt bewirkt. "Dafür sollte der Ministerpräsident die Bundesregierung kritisieren, nicht aber die heimische Biospritproduktion infrage stellen." Die Bauern hätten ihre Produktion in gutem Glauben auf Biomasse umgestellt. "Jetzt eine undifferenzierte Diskussion über die Biokraftstoffgewinnung anzufangen schadet den Landwirten in ihrer Planungssicherheit."

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