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Sicherheitsexperte: «Terroristen brauchen Schlagzeilen»

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Berlin/Essen (dpa) - Der blutige Terrorakt auf offener Straße in London könnte mit seiner demonstrativen Brutalität und der ungewöhnlichen Tatwaffe auf eine neue Vorgehensweise von Einzeltätern hinweisen.

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erstellt am 23.Mai.2013 | 04:44 Uhr

Berlin/Essen (dpa) - Der blutige Terrorakt auf offener Straße in London könnte mit seiner demonstrativen Brutalität und der ungewöhnlichen Tatwaffe auf eine neue Vorgehensweise von Einzeltätern hinweisen.

«Das Opfer wurde geradezu hingerichtet. Das lässt auf eine bestimmte Mentalität der Täter schließen», sagte der Direktor des Instituts für Krisenprävention (IFTUS), Rolf Tophoven, in einer ersten Einschätzung am Donnerstag der dpa.

Sollten sich Hinweise auf einen militant islamistischen Hintergrund erhärten, wäre die Tatwaffe - ein Fleischerbeil - aus Sicht Tophovens eher ungewöhnlich. Sich selbst radikalisierende terroristische Einzeltätern seien aber kein neues Phänomen. Wie beim Anschlag in Boston hätten auch die gut vorbereiteten britischen Sicherheitsbehörden Einzeltäter oft nicht auf dem Schirm. «Auch deutsche Behörden fürchten diese Taten von Einzeltätern», sagte Tophoven. Er vermute, dass Anschläge dieser Art aus der militanten islamistischen Szene eher zunehmen würden.

Einen engen Zusammenhang sieht Tophoven zwischen der Tat an sich und der medialen Verbreitung. «Meine alte These ist: Terrorismus braucht Schlagzeilen.» Derartige Anschläge müssten bemerkt werden, sonst seien sie aus Sicht der Täter ein Misserfolg.

Vor 20, 30 Jahren habe man nach einem Anschlag erst ein Bekennerschreiben abwarten müssen, sagte Tophoven. «Heute wird das alles in Echtzeit ins Netz gestellt.» Es sei keine Option, über solche Taten nicht zu berichten. Doch müssten sie bei allem Grauen auch sachlich eingeordnet werden.

Gerade in der militanten islamistischen Szene sei in den vergangenen Jahren eine erhebliche Professionalisierung im Umgang mit Medien festzustellen. Das sei auch anhand der Qualität von Video-Botschaften des Terrornetzwerkes Al Kaida zu merken. «Diese Szene hat ihren Umgang mit sozialen Medien wie Twitter und Facebook perfektioniert.» Tophoven verwies auf Untersuchungen, wonach die Zahl islamistischer Internetseiten von 1995 bis 2005 von 12 auf über 5000 gestiegen sei - «Tendenz steigend».

Institut für Krisenprävention

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