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Afghanistan und Pakistan : Schon mehr als 400 Tote - Hilfe für Erdbebenopfer schwierig

vom

Bei dem schweren Erdbeben im Hindukusch sind mindestens 400 Menschen ums Leben gekommen. In Pakistan wurden nach offiziellen Angaben vom Dienstag 310 Tote gefunden. In Afghanistan starben mindestens 115 Menschen.

shz.de von
erstellt am 27.Okt.2015 | 08:28 Uhr

Kabul | Hunderte Tote, tausende Verletzte – und abgelegene Regionen ohne Hilfe. Das schwere Erdbeben im Hindukusch hat die ohnehin schon schwierige Situation der Menschen in Afghanistan und Pakistan noch einmal verschlimmert. „Die Zahlen könnten noch steigen“, erklärte Afghanistans Regierungsgeschäftsführer Abdullah Abdullah via Twitter.

4000 Häuser seien beschädigt worden. Das Epizentrum des Erdbebens der Stärke 7,5 am Montag lag in Badachschan im Dreiländereck zwischen Afghanistan, Pakistan und Tadschikistan. In den Krankenhäusern wurden Hunderte Menschen behandelt, allein in Pakistan gab es rund 1200 Verletzte. In Afghanistan kommen die Helfer nur schwer zu den Opfern durch. Erdrutsche blockieren die Wege in der bergigen Region.

Afghanistan mit seinen abgelegenen Bergregionen gilt als Unterschlupf für islamistische Terroristen. Diese nutzen die anhaltene Instabilität des Staates aus. Deutschlands Einsatz im Afghanistan-Krieg endete 2014. Frieden ist dort nicht eingekehrt.  Mehr als 6800 Menschen wurden laut UN im vergangenen Jahr verletzt, fast 3700 getötet. Die Zahl der nach Deutschland Flüchtenden steigt.

Außerdem seien viele Straßen unpassierbar, weil sie von den radikalislamischen Taliban kontrolliert würden, sagte Mawlawi Hamidullah Muslim, Mitglied des Provinzrates im afghanischen Badachschan, am Dienstag. In Badachschan lag das Epizentrum des Bebens der Stärke 7,5, das am Montag die Region erschütterte.

Die Erschütterungen waren bis in die Hauptstadt Neu Delhi und in die nepalesische Hauptstadt Kathmandu zu spüren.

Unter anderem Indien und die USA boten ihre Hilfe an. Pakistans Premierminister Nawaz Sharif aber lehnte dankend ab. „Unsere eigenen Ressourcen sind ausreichend, um mit der Tragödie fertig zu werden“, erklärte er. Auch die Vereinten Nationen erklärten, sie stünden für Rettungsarbeiten bereit, falls es Bedarf gebe. Nach Angaben der pakistanischen Zeitung „Dawn“ sendete die Regierung bislang 2000 Zelte und ein mobiles Krankenhaus in die Region.

Die Hilfsorganisation Roter Halbmond ist sowohl in Pakistan als auch Afghanistan mit Teams unterwegs. Pakistans Armee erklärte, Wege durch 27 von 45 Erdrutschen geschaufelt zu haben. Vier Helikopter seien unterwegs.

Das Video zeigt, wie Anwohner das Erdbeben erlebten.

Ein Nachrichtensprecher in Kabul wurde während seiner Moderation vom Erdbeben überrascht.

Wie kam es zur Krise in Afghanistan?

Die Region Afghanistan zerfiel, nachdem die Mudschaheddin, finanziell unterstützt von den USA und Saudi-Arabien, die 1979 einmarschierten Sowjets besiegten. Danach begannen schwere Rivalitäten um die Macht und um Regionen. Die fundamentalistisch islamisch ausgerichteten Taliban-Milizen kamen an die Macht. Sie errichteten einen autoritären islamistischen Staat unter Einsatz der Scharia. Nach den Terroranschlägen am 11. September 2001 in den Vereinigten Staaten wurde das Taliban-Regime, das Mitgliedern von Terrororganisationen Unterschlupf gewährt hatte, im maßgeblich von den Vereinigten Staaten geführten Krieg gegen den Terror gestürzt. Seither bestimmt dieser Krieg das Geschehen. Das Land ist seit 2004 eine islamische Republik.

 
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