Blizzard in den USA : Schneesturm „Juno“: Entwarnung für New York, bangen an der Ostküste

New York ist von Blizzard „Juno“ weitestgehend verschont geblieben.
New York ist von Blizzard „Juno“ weitestgehend verschont geblieben.

Blizzard „Juno“ hat in der Nacht weniger Schnee als erwartet gebracht - aber ist das Unwetter schon vorbei?

shz.de von
27. Januar 2015, 16:45 Uhr

New York | Der Wintersturm „Juno“ hat in den USA das öffentliche Leben entlang der Ostküste lahmgelegt. New York ist von der gewaltigen Wetterfront allerdings verschont worden. Nachdem viel Schnee fiel, die befürchteten Sturmböen aber ausblieben, hob der Nationale Wetterdienst am Dienstagmorgen (Ortszeit) die Blizzard-Warnung für die Stadt auf. Auch Philadelphia weiter im Südwesten erlebte nur Schneefall, ohne Sturm. Für weite Teile Neuenglands inklusive Boston galt die Warnung aber weiter.

In Lowell, Massachusetts, gab es bereits in der Nacht massive Schneefälle. Am Morgen waren die Straßen verwaist, schreibt ein Twitterer.

<blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p>Perkins Street in <a href="https://twitter.com/hashtag/Lowell?src=hash">#Lowell</a> deserted this morning <a href="https://twitter.com/hashtag/MAsnow?src=hash">#MAsnow</a> <a href="http://t.co/jGOohNkiqf">pic.twitter.com/jGOohNkiqf</a></p>&mdash; Chelsea Feinstein (@CEFeinstein) <a href="https://twitter.com/CEFeinstein/status/560076371486314497">27. Januar 2015</a></blockquote>

In New York wurde auch das Fahrverbot nach neun Stunden außer Kraft gesetzt. Gouverneur Andrew Cuomo sagte am Dienstagmorgen (Ortszeit), dass Autos jetzt wieder in der Metropole und den angrenzenden Landkreisen fahren dürften. Auch der öffentliche Nahverkehr sollte am Vormittag wieder anlaufen. Der U-Bahn-Verkehr steht bislang still, Schulen und andere öffentliche Einrichtungen sind geschlossen.

Direkte Tote oder Schwerverletzte gab es durch „Juno“ nach ersten Erkenntnissen nicht. Allerdings starb ein Junge beim Rodeln auf Long Island. Mehrere Jugendliche waren auf aufgepumpten Schläuchen aus Autoreifen einen Hang heruntergejagt, dabei stieß der 17-Jährige gegen einen Laternenpfahl. Er wurde sofort ins Krankenhaus gebracht, die Ärzte konnten ihn aber nicht mehr retten.

Im Nordosten der Vereinigten Staaten könnte der sogenannte Blizzard jedoch noch „lebensbedrohliche“ Ausmaße annehmen. Der Nationale Wetterdienst sprach von einem „womöglich historischen“ Schneesturm. „Juno“ könne bis zu 90 Zentimeter Neuschnee, heftige Windböen, großflächige Stromausfälle und gewaltige Verkehrsbehinderungen bringen. Die Behörden riefen die Einwohner auf, sich für den Sturm zu rüsten. Betroffen sind unter anderem die Bundesstaaten New York, Connecticut, Massachusetts, Pennsylvania und New Jersey. Auch in Boston wurden Fahrverbote verhängt. Autos durften nur in Notfällen auf die Straße. Ein Twitterer schreibt: „Die Straßen von Boston sind heute Abend leer“

<center><blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p>The streets of Boston are empty tonight. <a href="https://twitter.com/hashtag/BlizzardOf2015?src=hash">#BlizzardOf2015</a> (pic <a href="https://twitter.com/jess_marotta">@jess_marotta</a>) <a href="http://t.co/mh6VRiBgtI">pic.twitter.com/mh6VRiBgtI</a></p>&mdash; BostonTweet (@BostonTweet) <a href="https://twitter.com/BostonTweet/status/559923549696425984">27. Januar 2015</a></blockquote></center>

Für die Küstenorte zwischen Delaware und Maine gab es Flutwarnungen. Mehrere Bundesstaaten verhängten laut US-Medien Reiseverbote.

Entlang der Ostküste strichen Airlines mehr als 6000 Flüge. Insgesamt wurden fast 8000 Flüge abgesagt. Screenshots von Flightradar24 zeigen die Ausmaße der Flugausfälle. Der Himmel über New York am Montag- und Dienstagmorgen.

<center><blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p>This is the air space over <a href="https://twitter.com/hashtag/NewYork?src=hash">#NewYork</a> Today vs. Yesterday at 6:45am EST <a href="http://t.co/6WmLKEh6if">pic.twitter.com/6WmLKEh6if</a>&#10;&#10;via <a href="https://twitter.com/flightradar24">@flightradar24</a> <a href="https://twitter.com/hashtag/blizzardof2015?src=hash">#blizzardof2015</a></p>&mdash; That Matt Navarra (@MattNavarra) <a href="https://twitter.com/MattNavarra/status/560046130869075969">27. Januar 2015</a></blockquote></center>

Nach Angaben des Wetterdienstes könnten die Windböen an der Küste in Massachusetts am Dienstag Hurrikan-Stärke erreichen. Der Sturm könne sogar gewaltig genug sein, um die Küstenlinie dauerhaft zu verändern.

New York verwandelte sich am Montag und in der Nacht zu Dienstag in eine weiße Parklandschaft. Die Fahrverbote sorgten in der Weltmetropole für ungewöhnliche Ruhe. Der stundenlange Schnee hatte über Nacht zwar eine Pause eingelegt. Meteorologen sagten jedoch weitere Niederschläge für den Dienstag voraus.

Um ein Verkehrschaos zu vermeiden, waren schon vor dem Unwetter öffentliche Einrichtungen geschlossen worden. Auch viele Unternehmen gaben ihren Angestellten einen freien Tag. Die gesamte nördliche Hälfte der US-Ostküste ist eingeschneit, wenn auch bei zumeist milden Temperaturen nur knapp unter null Grad. 60 Zentimeter Neuschnee sollen es in New York und Philadelphia sein, im nördlicher gelegenen Boston könnten es sogar 80 oder 90 Zentimeter werden.

Der Schnee legte sogar die Vereinten Nationen lahm. Das UN-Hauptquartier am East River sollte am Dienstag nicht öffnen. Selbst die legendäre Metropolitan Oper sagte eine Aufführung mit Sängerin Anna Netrebko ab.

Betroffen waren nicht nur Tausende UN-Angestellte und viele Touristen. Auch die Gedenkveranstaltung mit Israels Präsident Reuven Rivlin zur Befreiung des deutschen Vernichtungslagers Auschwitz vor 70 Jahren wurde um einen Tag verschoben.

In Massachusetts machte „Juno“ auch vor der Justiz nicht halt. Im Prozess gegen den mutmaßlichen Attentäter vom Boston-Marathon verzögerte sich die Auswahl der Geschworenen wegen des Winterwetters. Sie werde am Dienstag nicht wie geplant fortgesetzt werden, sagte eine Gerichtssprecherin. Bei dem islamistischen Terroranschlag waren 2013 drei Menschen getötet und 260 verletzt worden.

Selbst die Gesetzgebung in Washington war betroffen. Das Repräsentantenhaus verschob eine Reihe von Abstimmungen aus Sorge, dass Abgeordnete wegen des Wetters nicht rechtzeitig aus ihren Heimatbezirken in die Hauptstadt reisen könnten. Eigentlich hätte es über eine Reihe von Maßnahmen gegen Menschenhandel abstimmen sollen.

Der „Nor'easter“, wie die aus dem Nordosten heranbrausenden eisigen Stürme genannt werden, sind im Winter zwar nicht ungewöhnlich, dennoch sorgen sie in den Metropolen wie New York und Boston immer wieder für Verkehrschaos.

Schneestürme verursachen in den USA auch regelmäßig massive Stromausfälle, weil die anfälligen Stromleitungen über der Erde verlaufen. Oftmals müssen Hunderttausende Menschen ohne Elektrizität klarkommen. Während es im letzten Winter gleich mehrere solcher Stürme gab, war dieser Winter bislang eher mild.

Auf Twitter gibt es bereits seit Montag den passenden Hashtag zum Schneesturm. Unter #blizzardof2015 twittern Tausende zahlreiche Einträge und Bilder.

<center><a class="twitter-timeline" href="https://twitter.com/hashtag/blizzardof2015" data-widget-id="559707746917171200">#blizzardof2015-Tweets</a>

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Ein Blizzard ist ein starker Schneesturm, der häufig das öffentliche Leben in dem betroffenen Gebiet lahmlegt. Nach Definition der US-Wetterbehörde NOAA muss mindestens drei Stunden lang der Wind mit einer Geschwindigkeit von wenigstens 56,3 Kilometern (35 Meilen) pro Stunde wehen und die Sichtweite durch Schneefall oder aufwirbelnden Schnee unter 400 Meter liegen.

Blizzards entstehen meistens, wenn polare Kaltluft aus Kanada nach Süden strömt. Starke Schneefälle und Temperaturstürze lassen dann Teile der USA unter einem Schnee- und Eispanzer erstarren.

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