Bernd Sido Mit 68 topfit für den OstseeMan

Von Anja Werner | 05.08.2011, 05:50 Uhr

Hobby-Athlet Bernd Sido trainiert erst seit dem 50. Lebensjahr Triathlon - und lässt dennoch viele Jüngere klar hinter sich.

Ein Blick so klar wie ein Bergsee. Schlank, groß, gebräunt und beneidenswert gut trainiert. Vitalität pur strahlt Bernd Sido aus. Kaum zu fassen, dass der Mann aus dem Harzland, der seit Jahrzehnten die Sommer auf dem Campingplatz in Holnis verbringt, seit vier Jahren Rentner ist und bald seinen 69. Geburtstag feiert. "Ich fühle mich deutlich jünger. Ich bin topfit", sagt Sido. Locker fit genug für einen Triathlon über die brutale IronMan-Distanz (3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42 Kilometer Laufen). Zum vierten Mal startet Sido am Sonntag beim OstseeMan. Er wird zu den ältesten Athleten zählen, aber viele Jüngere deutlich hinter sich lassen.
"Letztes Jahr hatte ich Probleme beim Laufen. Die habe ich in den Griff bekommen", sagt der 68-Jährige, mit dem die meisten 18-Jährigen sportlich nur schwer mithalten könnten. 2010 kam Sido nach 12:14 Stunden ins Ziel. "Eine verdammt gute Zeit", sagt OstseeMan-Organisator Reinhard Husen mit spürbarer Bewunderung. Der Gelobte selbst war alles andere als zufrieden. Diesmal will er ganz deutlich unter zwölf Stunden bleiben. Diese Zeit knacken selbst viele Hobby-Triathleten nicht, die Sidos Söhne oder gar Enkel sein könnten.
So fit im Alter - das geht doch nur, wenn die Laufschuhe schon im Kindergarten geschnürt werden. Die Vita von Bernd Sido beweist das Gegenteil: Erst knapp vor 30 fing er als Wasserballer richtig mit Sport an, erst seit 50 trainiert der Vater von drei erwachsenen Kindern Triathlon. "Ich bin damals in einer Staffel über eine kürzere Distanz für einen erkrankten Kollegen eingesprungen", erinnert sich Sido an seinen ersten Start vor 19 Jahren. Seitdem ist er vom Triathlon-Virus infiziert. "Meistens trainiere ich allein - trotz Familie bin ich schon ein Einzelgänger", sagt er.
Mit 52 meistert er die erste Langdistanz, zählt wenig später in seiner Altersklasse zu den Besten bei den ganz großen Wettkämpfe in Frankfurt, Roth und selbst beim IronMan auf Hawaii, kommt schließlich mit seiner Bestzeit - 9:48 Stunden - ins Ziel und kratzt damit sogar am Profibereich.
Ein so erfolgreicher sportlicher Spätzünder muss mit reichlich Talent beschenkt sein. Auch das ist falsch. "Es gibt viele mit mehr Talent. Zu viel Talent ist auch nicht gut. Das verführt dazu, ein Weichei zu sein", sagt Sido. Intensives, kontinuierliches Training und die Fähigkeit, in seinen Körper genau hinein horchen zu können - darauf kommt es für den 68-Jährigen an. "Ich brauche keine Pulsuhr mehr. Dennoch weiß ich genau, wenn ich mich der 75-Prozent-Leistungsgrenze nähere, die ich nie überschreite", sagt Sido.
Natürlich hat auch er Lehrgeld gezahlt. "Lange Zeit habe ich zu viel und falsch trainiert." Wie war das mit dem Berufsleben vereinbar? "Ganz einfach. Statt sich um 18 Uhr vor den Fernseher zu setzen, habe ich den Rest des Tages mit Sport verbracht." Jede der drei Disziplinen trainiert er drei Mal in der Woche. Die längsten Einheiten hat er viele Jahre aufs Wochenende gelegt. Dennoch unterstützt Ehefrau Dagmar das Hobby ihres Gatten, begleitete ihn im Vorjahr sogar das letzte Stück ins Ziel.
"Jeder Zieleinlauf ist ein einmalig schönes Erlebnis", sagt Sido. Ein nur kurzer, mehr als verdienter Lohn für ein langes, hartes Stück Arbeit, während der der innere Schweinehund nahezu in allen Körperteilen zwickt. Ist Extrem-Triathlon gesund? "Mit der richtigen Einstellung und Vernunft ganz sicher", sagt Sido.
Wie lange er noch Wettkämpfe bestreiten wird, mag er nicht sagen. "Ich werde fühlen, wenn es genug ist. Aber ich werde ganz sicher bis zum Ende meines Lebens Sport treiben."