Traditionsschiffe bei der Kieler Woche Windjammer-Kapitäne: Dobrindt-Büste schwimmt durch Kieler Förde

Von Felisa Kowalewski | 18.06.2017, 19:29 Uhr

Traditionsschiffe der Windjammerparade auf der Kieler Woche wehren sich gegen neue Richtlinie.

Was wäre die Kieler Woche ohne die majestätische Windjammerparade? In der Förde sind historische Schiffe mit blähenden Segeln seit jeher zu Hause. Anfang des Jahres stand diese Tradition jedoch auf der Kippe: Eine neue Sicherheitsrichtlinie für Traditionsschiffe sollte nach dem Plan des Berliner Verkehrsministeriums bereits im Frühjahr 2017 in Kraft treten. Doch die Traditionsschiffer schlugen Alarm: Sie sahen in der Sicherheitsverordnung das Ende der Traditionsschifffahrt. Laut dem Dachverband der deutschen Traditionsschiffe, der Gemeinsamen Sicherheitskommission für historische Wasserfahrzeuge (GSHW), liefen 90 Prozent der Schiffe Gefahr, durch die Sicherheitsrichtlinie nicht mehr fahren zu können. An die 110 Schiffe wären in Norddeutschland betroffen.

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FAQ Traditionschiffe

Mit der Verordnung sollen die bauliche Beschaffenheit, der Brandschutz, die Ausrüstung und die Qualifikationen der Crews von Traditionsschiffen strenger geregelt werden. Die Schiffseigner sehen sich in ihrer Existenz bedroht. Das Ministerium entgegnet: „Mit unserer Sicherheitsverordnung haben wir einen vernünftigen Ausgleich vorgeschlagen, der die Sicherheit von Besatzung und Passagieren gewährleistet und gleichzeitig das maritime Erbe wahrt“, erklärt der parlamentarische Staatssekretär Enak Ferlemann (CDU).   Traditionsschiffe unter deutscher Flagge, die mit deutschen Schiffssicherheitszeugnissen ausgestattet sind, dürfen in Deutschland übrigens nur zu ideellen Zwecken betrieben werden. Nicht der kommerzielle Einsatz als Fahrgastschiff, sondern der Erhalt des Schiffes als historisch wertvoller Zeuge der maritimen Seeschifffahrtsgeschichte steht im Vordergrund. Dies schließt die entgeltliche Beförderung von Fahrgästen im Rahmen des zuvor genehmigten Betreiberkonzeptes nicht aus, sofern kommerzielle Aktivitäten nur einen untergeordneten Anteil an der Schiffsnutzung ausmachen.

Für dieses Jahr ist die Windjammerparade gerettet. Der Hafenkapitän von Kiel, Michael Schmidt, sagt: „Für die Windjammerparade gelten dieses Jahr noch die selben Bestimmungen wie bisher. Minister Alexander Dobrindt hat die neue Richtlinie noch nicht unterschrieben.“ Nach Schmidts Informationen wären zunächst nur Schiffe unter deutscher Flagge betroffen. Von den 89 Traditionsschiffen, die am Sonnabend bei der Windjammerparade fahren, sind das aber immerhin 52. Wie es nächstes Jahr bei der Kieler Woche aussehen wird, ist weiterhin unklar.

Was bedeutet die Diskussion für die Gäste an Bord?

Was die neue Richtlinie eigentlich gewährleisten soll – mehr Sicherheit, weniger Unfälle –, liefert sie laut GSHW nicht unbedingt. Ein Sprecher betont: „Keiner der bekannten Unfälle der vergangenen 15 Jahre wäre durch die neue Verordnung verhindert worden. Es gab weder Todesfälle noch Schiffsuntergänge bei Traditionsschiffen, die ein Sicherheitszeugnis besaßen.“ Die Unfallzahlen schwanken stark – von Werten zwischen neun und 19 in den Jahren 2002 bis 2006 über Zahlen zwischen eins und sechs von 2007 bis 2012. In den vergangenen vier Jahren gab es mal fünf und mal zwölf Unfälle pro Jahr. Bei den Unfällen, zu denen Berichte angefertigt wurden, handelt es sich zumeist um auf Grund laufen, Kollisionen und technische Probleme. Verletzt wurden dabei von 2005 bis 2014 sieben Menschen.

Etwas anders sieht es bei Privatschiffen aus. Sie sind von der Richtlinie ausgenommen, da sie offiziell keine Passagiere befördern. Bei ihnen gab es Unfälle durch Kentern, Kollisionen und Untergänge. Allerdings passierte dabei nichts. Ausnahme: ein tragischer Unglücksfall im Jahr 2016. Damals starben drei Deutsche auf dem niederländischen Schiff Amicitia, als ein Teil des Mastes auf das Deck stürzte.

Sicherheit an der Kiellinie

Besucher, die auf den Traditionsschiffen während der Kieler Woche Törns fahren, gehen aber laut Bialek kein Sicherheitsrisiko ein: „Alle Schiffe fahren mit Zeugnis. Sie sind sicher.“ Auch bei der Windjammerparade steht Sicherheit an erster Stelle: Der Direktor, Kapitän Borowski von der „Thor Heyerdahl“, ist über Funk mit allen Teilnehmern und den Sicherungsfahrzeugen verbunden. Ein Sicherheitsabstand von 175 Metern soll eingehalten werden und für den Notfall sind Schlepper vor Ort.