Funklöcher in SH Zwei Prozent der Landesfläche ohne Handyempfang – Zweifel bei der IHK

Von Philipp Nicolay und dpa | 13.12.2021, 13:14 Uhr

Beim mobilen Internet beträgt die LTE-Verfügbarkeit hinsichtlich der Landesfläche über alle Anbieter gerechnet gut 98 Prozent, bei den Haushalten liegt der Wert den Angaben zufolge bei nahezu 100 Prozent.

Die vor zwei Jahren vom Land mit den großen Mobilfunkbetreibern angeschobene Investitions-Offensive zum Ausbau des Funknetzes zeigt Wirkung. Wirtschafts- und Technologieminister Bernd Buchholz teilte am Montag mit, dass nur noch 1,7 Prozent der Landesfläche in Schleswig-Holstein über kein Telefonnetz im 2G-Standard.

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Die Haushaltsabdeckung beim reinen Telefonie-Netz liege hingegen inzwischen bei 100 Prozent. Als besonders erfreulich bezeichnete es Buchholz mit Blick auf mobiles Internet, dass die 4G-Verfügbarkeit hinsichtlich der Landesfläche – über alle Anbieter gerechnet – aktuell bei 98,02 Prozent und hinsichtlich der Haushalte bei nahezu 100 Prozent (99,99 Prozent) liege.

Gesamtabdeckung im Norden

„Damit nehmen wir weiter die Spitzenposition unter den Flächenländern ein“, sagte Bernd Buchholz. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass dies für alle Anbieter zusammengenommen gilt nicht für jeden einzeln. Der falsche Anbieter führt also trotz rechnerischer Abdeckung trotzdem zu schlechtem Empfang

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Die Versorgung mit dem hochleistungsfähigen 5G-Standard liege nach Angaben von Ministerium und Mobilfunkkonzernen aktuell bei 68 Prozent der Landesfläche und bei 85 Prozent aller Haushalte.

Minister sieht SH auf gutem Weg

„Vor diesem Hintergrund kann ich nur sagen: Im Kampf gegen die Funklöcher war 2021 trotz Krisenmodus ein sehr gutes Jahr“, sagte Bernd Buchholz. Bei der Haushaltsabdeckung mit 2G lägen alle Netzbetreiber jeweils inzwischen über 99,6 Prozent. Und auch die Versorgung der Haushalte mit 4G (LTE / Daten) erreiche pro Anbieter inzwischen mindestens 98,5 Prozent – ein Anstieg um knapp drei Prozentpunkte binnen des letzten Jahres.

„Wir kommen also endlich in einen Bereich, in dem kaum noch weiße Flecken in der LTE-Versorgung zu finden sind. Das zeigt sich nicht zuletzt bei den Markterkundungsverfahren, die die Mobilfunkinfrastrukturgesellschaft des Bundes für Gebiete in Schleswig-Holstein gestartet hat. Förderverfahren, um weiße Flecken zu schließen, werden hierzulande kaum noch gebraucht.“
Bernd Buchholz, Wirtschaftsminister in SH

Damit der Ausbau auf der Erfolgsspur bleibt, werde laut Buchholz das Land in Zusammenarbeit mit dem schleswig-holsteinischen Breitband-Kompetenzzentrum (BKZ.SH) vor allem bei drei Faktoren weiterhin unterstützen:

  • der Bereitstellung von Gebäuden und Liegenschaften der öffentlichen Hand zur Aufstellung von Funkmasten
  • einheitlichen Mietbedingungen
  • einer Beschleunigung von Genehmigungsverfahren.

„Unsere Investitionen in 44 neue Basisstationen sowie Erweiterungen an 235 weiteren Standorten sind die Grundlage dafür, dass inzwischen 99,4 Prozent der Bevölkerung in Schleswig-Holstein mit LTE versorgt wird.“, sagte Mathias Poeten, Leiter des Mobilfunknetzes der Deutschen Telekom.

„Aktuell können bereits mehr als 85 Prozent der Bevölkerung den neuesten Mobilfunkstandard in unserem Netz nutzen.“
Mathias Poeten, Leiter des Mobilfunknetzes der Deutschen Telekom

Minister Buchholz erinnerte daran, dass schon heute angesichts der bundesweit herausragenden Glasfaserversorgung in Schleswig-Holstein besonders gute Voraussetzungen für eine flächendeckende Mobilfunkversorgung im Land bestünden. „Der weiterhin stark steigende Bandbreitenbedarf auch im Mobilfunk benötigt zwingend eine glasfaserbasierte Anbindung der Mobilfunkantennen – nicht nur für 5G.“

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Vor dem Hintergrund der starken Quote von 58 Prozent anschlussfähiger Hausadressen in Schleswig-Holstein sehe er erhebliches Potenzial, die Quote der mit Glasfaser angeschlossenen Sendeanlagen weiter zu erhöhen. Bereits jetzt seien in Schleswig-Holstein von den 2770 aktiven Sendeanlagen fast 1200 mit Glasfaser angeschlossen.

Kritik an den Aussagen

„Beim 4G-Ausbau sind wir schon jetzt das Flächenland mit der besten Abdeckung“, so der Minister. Eine Aussage, die bei Thomas Holst, dem Vize-Präsident der Industrie- und Handelskammer in Flensburg, Stirnrunzeln auslöst. „Wir haben beim mobilen Internet gerade im Norden große Löcher“, sagt er.

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Diese beträfen zudem nicht nur die Küstenregionen. „Wir haben auch im Binnenland große Funklöcher. Es gibt viele Bereiche, in denen man nicht telefonieren kann. Und wenn man nicht telefonieren kann, gibt es auch kein mobiles Internet“, sagt er. Dass deshalb nur 1,7 Prozent des Landes nicht versorgt seien, hält er nicht für glaubwürdig. „Das ist definitiv mehr“, sagt er.

Zudem sei gerade die Wirtschaft auf das mobile Internet angewiesen. Seine Befürchtung: Bei der anstehenden Frequenzauktion könnte es dazu kommen, dass die bestehenden Funklöcher noch weiter aufgerissen werden. Es könne dazu kommen, dass ein bestehender Mast nicht mehr genutzt werden darf. „Wir sollten noch warten bis mehr Frequenzen zur Versteigerung stehen und bis dahin sollte es die Möglichkeit geben, dass die Anbieter ihre Netze teilen“, fordert Holst.

Beispiele, wo es mit dem Empfang noch nicht klappt:

Die folgenden Bilder zeigen nur einzelne Beispiele in SH und die Übersicht ist nicht vollständig. Für einen gesamten Überblick können Sie sich auch hier informieren.