Tödliche Unfälle 2016 Wo Schleswig-Holsteins Straßen am gefährlichsten sind

Von Christina Norden | 05.01.2017, 20:16 Uhr

73 Menschen starben im vergangenen Jahr bei 69 Unfällen. Besonders schlimm war es an Ostern. Eine traurige Jahresbilanz.

Es sind nur rote Punkte auf einer Karte, doch jeder von ihnen steht für ein schreckliches Ereignis: Bei 69 Unfällen sind im vergangenen Jahr mindestens 73 Menschen auf den Straßen Schleswig-Holsteins gestorben. Fünf von ihnen waren nicht älter als 18 Jahre. Im Vergleich zum Vorjahr (77) ist die Unfallzahl gesunken.

Mehr Informationen:

Tödliche Unfälle Daten


Woher kommen die Informationen?


shz.de hat die Polizeimeldungen ausgewertet. Ein Anspruch auf Vollständigkeit besteht nicht. Das Innenministerium gibt traditionell im Frühjahr eine offizielle Unfallstatistik heraus. Dieses Jahr wahrscheinlich Anfang März. Die offiziellen Ergebnisse können sich von denen von shz.de unterscheiden. Ursache dafür ist zum Beispiel, dass die Polizei nicht bei allen Unfällen mit Todesfolge Mitteilung macht.

Unfallschwerpunkte

Es gibt Straßen in Schleswig-Holstein, von denen weiß man als Autofahrer einfach, dass dort immer wieder Unfälle passieren. Die B5 zum Beispiel. Die sehr schmale Fahrbahn, viele Kurven, zahlreiche unfallträchtige Einmündungen, der Verkehr von langsamen Lastwagen und schleichenden Traktoren, der für ständigen Überholdruck sorge – besonders das südliche Teilstück der B5 sei hochgradig gefährlich für Gesundheit und Leben, heißt es auch von der Polizei. Im Sommer haben die Husumer Nachrichten der Verkehrsader Nordfrieslands eine eigene Serie gewidmet. Die Polizei kennt das Problem und versucht, Unfallpunkte zu entschärfen. Doch im vergangenen Jahr sind erneut zwei Menschen auf der Strecke gestorben. Am 29. März kam ein 45-jähriger Autofahrer aus ungeklärter Ursache bei Epenwöhrden von der Straße ab, streifte einen Baum und überschlug sich. Er starb noch am Unfallort. Am 6. Oktober ereignete sich ein ganz ähnlicher Unfall: Bei Barlt kam ein 22-Jähriger von der Fahrbahn ab. Auch er prallte gegen einen Baum, auch er überschlug sich, auch er starb.

Die B76 war 2015 der Unfallschwerpunkt. Sieben Menschen kamen auf der Nord-Ost-Achse Schleswig-Holsteins ums Leben. Drei von sechs Unfällen ereigneten sich dabei fast an gleicher Stelle: in Höhe des kleinen Ortes Neudorf-Bornstein. Die gute Nachricht: Das hat sich 2016 nicht wiederholt. Trotzdem starben auch auf der B76 wieder zwei Menschen. Ein 18-Jähriger wurde am 2. April in Kiel von einem Auto erfasst und am 31. August starb ein Motorradfahrer in der Nähe von Preetz, nachdem er ins Schlingern geriet und mit einem entgegenkommenden Auto zusammenstieß.

Die meisten Unfälle passieren auf Landstraßen

All diese vier Unfälle haben eins gemeinsamen: Sie ereigneten sich auf Bundes- oder Landstraßen – wie die meisten tödlichen Unfälle 2016. Nur etwa zehn Prozent der ausgewerteten Unfälle passierten innerorts. Noch weniger waren es auf Autobahnen. Zu drei von den fünf Unfällen kam es allerdings auf der A7. Man könnte vermuten, dass es im Baustellenbereich krachte. Doch dem ist nicht so. Am 29. Februar übersah ein Autofahrer das Stauende auf der A7 bei Harrislee. Sein Auto verkeilte sich unter einem Lkw und er starb noch am Unfallort.

Am 1. Juli kippte ein Lastwagen auf Höhe des Rasthofs Brokenlande um. Der Fahrer wurde noch im Führerhaus reanimiert, starb aber wenig später im Krankenhaus. Die A7 war den ganzen Tag gesperrt. Nur eine Woche später lief ein 54-Jähriger aus unbekannter Ursache bei Rendsburg auf die Autobahn und wurde von einem Lastwagen erfasst.

Kreis Schleswig-Flensburg: Die gefährlichste Region

Beim bloßen Blick auf die Karte fällt es schwer, regional zu differenzieren. Ist nun der Norden oder der Süden am gefährlichsten? Der Vergleich der Kreise und kreisfreien Städte wird deutlicher: Im Kreis Schleswig-Flensburg gab es wie bereits 2015 am meisten Unglücke (je elf). In den kreisfreien Städten Flensburg und Neumünster gab es keine tödlichen Unfälle. Im Vergleich dazu starben in Lübeck vier Menschen – darunter zwei Kinder. Am 21. Januar starb ein 16-jähriger Flüchtling. „Der Unfall geschah unmittelbar bevor der 16-Jährige den Bus besteigen wollte, der ihn zur Fähre nach Travemünde bringen sollte, um von dort weiter nach Schweden zu seinen Verwandten zu reisen“, sagte Jana Schneider vom Solidaritätszentrum des Lübecker Flüchtlingsforums auf der „Walli“. Anfang März wurde ein 13-Jähriger von einem Rettungswagen erfasst.

 

Ostern war es besonders schlimm

2015 hat die Auswertung ergeben, dass besonders viele Unfälle im Sommer passiert sind. Das kann unter anderem auf das erhöhte Verkehrsaufkommen zurückgeführt werden. Die Beobachtung hält auch im Jahr 2016 Stand. Allerdings gibt es noch zwei weitere zeitliche Höhepunkte. Im vergangenen Jahr sind besonders rund um die Oster- und Weihnachtsfeiertage viele Menschen verunglückt. Allein in der Woche vom 25. bis 31. März starben acht Menschen bei sechs Unfällen.

Am ersten und zweiten Weihnachtstag kamen drei Menschen ums Leben. Am 25. Dezember prallten zwei Autos bei Geesthacht frontal zusammen. Ein 75-Jähriger starb. Einen Tag später prallten zwei Autos in Siek in Stormarn zusammen. Für die eingesetzten Rettungskräfte bot sich an der Unfallstelle ein schreckliches Bild. Während die Front des Mercedes bei dem Crash komplett eingedrückt wurde, fing der BMW nach dem Unfall Feuer und brannte komplett aus. Für den Beifahrer habe es keine Rettung mehr gegeben, sagte Kai Bredenkamp von der Freiwilligen Feuerwehr. Sturm „Barbara“ forderte am 26. Dezember ein Opfer: Zwischen Westensee und Felde wurde eine 34 Jahre alte Autofahrerin getötet, als ein umstürzender Baum auf ihr fahrendes Auto krachte. Der 24 Jahre alte Freund der 34-Jährigen wurde lebensgefährlich verletzt.

Unfallursachen

„Aus ungeklärter Ursache verlor der Fahrer die Kontrolle über sein Fahrzeug“ – dieser Satz tauchte in den Meldungen der Polizei immer wieder auf. Selten kann es nachgewiesen werden, doch eine Vielzahl der Unfälle wird wahrscheinlich die Nutzung des Handys am Steuer zur Ursache haben, vermuten Ermittler. Doch weil der Sachverhalt noch nicht in das bundesweite Verzeichnis der Unfallursachen aufgenommen ist, führt die Polizei darüber keine Statistik, erklärt Sprecher Jürgen Börner. In den meisten Fällen gerieten Unfallopfer in den Gegenverkehr (26). 16 tödliche Unfallfahrten endeten an Bäumen, sechs Mal kamen die Fahrer von der Straße ab. In 16 weiteren Fällen wurden Fußgänger oder Radfahrer von Autos erfasst.

TEASER-FOTO: Redaktion