Meldungen Warum starb die dreijährige Yagmur?

Von tyr | 19.12.2013, 18:36 Uhr

Der Tod des Kindes in Hamburg-Billstedt wirft Fragen auf – es wurde seit seiner Geburt vom Jugendamt betreut

Am Montag soll es eine Sondersitzung der Bürgerschaft geben. Die Opposition fordert vom SPD-Senat eine lückenlose Aufklärung des Falls.

Doch „Kindstötungen werden nie ganz verhindert werden können“, sagt Prof. Theresia Höynck. Sie forschte lange am kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen (KfN), lehrt inzwischen an der Universität Kassel und ist Vorsitzende der Deutschen Vereinigung für Jugendgerichte und Jugendgerichtshilfen. Zwischen 60 und 100 Kinder würden in Deutschland jährlich durch ihre Eltern getötet. Dabei machten Todesfälle durch Misshandlungen wie Schütteln, Ersticken, Erdrosseln oder Ertränken rund ein Viertel der Todesfälle von Kindern unter sechs Jahren aus. „Häufig kommen die Eltern aus einem sozio-ökonomisch schwierigen Umfeld, haben komplizierte Biografien und gewaltbelastete Beziehungen und sind mit der Erziehung ihrer Kinder überfordert“, sagt die Rechtswissenschaftlerin.

Yagmurs Tod weckt Erinnerungen an den Fall der elfjährigen Chantal, die im Januar 2012 an einer Überdosis des Heroin-Ersatzstoffs Methadon ihrer drogensüchtigen Eltern starb. Auch sie hatte unter Aufsicht des Jungendamtes gestanden, dem später schwere Fehler vorgeworfen wurden.

Die 26-jährige Mutter spricht von einem Unfall. Hämatome am Körper des Kindes ließen jedoch die Vermutung aufkommen, dass die Dreijährige misshandelt worden war. Sie wurde daraufhin in die Rechtsmedizin gebracht. Das erste Ergebnis: Das Mädchen ist durch einen Riss in der Leber innerlich verblutet. Der wegen Körperverletzung, Diebstahl und Drogendelikten polizeibekannte Vater war zu dem Zeitpunkt nicht zu Hause. Der 25-Jährige schweigt nach Polizeiangaben bislang. Gestern Abend wurde gegen die Eltern ein Haftbefehl erlassen.