Hamburg Start zum Probelauf in Moorburg

Von Berit Waschatz | 24.07.2013, 01:14 Uhr

Über dem umstrittenen Kohlekraftwerk in Hamburg-Moorburg könnten schon bald regelmäßig Wolken auftauchen.

Am vergangenen Wochenende sei der Hybridkühlturm teilweise in Betrieb genommen worden, sagte Unternehmenssprecher Stefan Kleimeier. In den nächsten acht Wochen könnten deswegen unbedenkliche Schwaden aus reinem Wasserdampf aufsteigen. Für Ende Juli oder Anfang August ist dann das erste Kohlefeuer geplant. Die Kohle ist bereits im März per Schiff angeliefert und im Kohlekreislager eingelagert worden.

Weil mit dem ersten Kohlefeuer auch die Anlagen der Rauchgasreinigung schrittweise in Betrieb gehen, kann in den nächsten Wochen aus dem Kamin auch weißer Rauch aufsteigen. Der bestehe vor allem aus Kalkmehl und sei weder gefährlich noch gesundheitsschädlich, teilte Vattenfall den Anwohnern kürzlich mit.

Im Juni waren bereits dunkle Abgaswolken aus dem Kraftwerk gequollen. Anwohner hatten über Übelkeit geklagt und die Feuerwehr alarmiert. Diese konnte keine Gefahrstoffe entdecken. Vattenfall hatte damals erstmals den Kessel erhitzt, wobei auch die für den Korrosionsschutz angebrachten Transportanstriche verbrannten. Das sei aber ein einmaliger Vorgang gewesen, hieß es daraufhin.

Das Kohlekraftwerk wird seit 2007 gebaut. Inzwischen sind die Bauarbeiten weitgehend abgeschlossen. Derzeit sind noch 1100 Arbeiter auf der Baustelle, Ende des Jahres sollen es nur noch etwa 500 sein. Seit Anfang des Jahres würden bereits verschiedene Anlagenkomponenten in Betrieb genommen, sagte Kleimeier.

Im nächsten Jahr soll das 2,5 Milliarden Euro teure Kohlekraftwerk ans Netz gehen - unter anderem wegen Materialmängeln zwei Jahre später als geplant. Es hat eine Leistung von 1680 Megawatt und produziert pro Jahr elf Milliarden Kilowattstunden Strom. Damit könnte es fast die gesamte Stadt versorgen.

Die Umweltverbände BUND und Nabu kritisieren vor allem den hohen Kohlenstoffdioxid-Ausstoß des neuen Kraftwerks. Sie gehen von 8,5 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr aus. Das entspricht etwa 40 Prozent des Hamburger Gesamtausstoßes. Der BUND erreichte zudem vor dem Oberverwaltungsgericht, dass das Kraftwerk kein Wasser aus der Elbe zum Kühlen entnehmen und erhitzt wieder zurückführen darf. Eine Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts dazu steht noch aus.