Protest gegen Kriegseinsätze Orchestermusiker blockieren den Fliegerhorst Jagel

Von dpa | 21.08.2017, 12:29 Uhr

Sie rufen auf, die Anschaffung von Kampfdrohnen zu verhindern: 80 Musiker und Sänger demonstrieren vor dem Stützpunkt.

Dutzende Musiker des Netzwerks „Lebenslaute“ haben am Montag den Fliegerhorst Jagel mehrere Stunden lang abgeriegelt. Alle elf Zufahrten und Eingänge zum Stützpunkt in der Nähe von Schleswig seien „mit Musik blockiert worden“, sagte der Sprecher der Gruppe Marcus Beyer. Die Sänger und Orchestermusiker sowie ihre Unterstützer wollen mit der Aktion gegen die geplante Anschaffung von Kampfdrohnen für die Bundeswehr und für die Schließung des Fliegerhorstes Jagel demonstrieren.

In Jagel ist das Taktische Luftwaffengeschwader 51 stationiert. Hier werden unter anderem die deutschen Tornadopiloten ausgebildet. „Wir sind sehr zufrieden mit der Aktion“, sagte Breyer. „Alles ist genauso gelaufen, wie wir uns vorgenommen haben.“ Zum Ende gab es ein Abschlusskonzert „Von Bass bis Sopran- gemeinsam gegen Rüstungswahn“.

Aufklärungsdrohnen bei der Bundeswehr

„Heron“ – das ferngesteuerte Auge Jageler Soldaten in Mali

Meinung – Stefan Beuke
Auch wenn sie tausende Kilometer von Jagel entfernt sind, sind die Männer auf den Bildschirmen gut zu erkennen. Sie schaufeln Erde auf einen weißen Pick-up. Eigentlich eine harmlose Aktion. Aber ist es wirklich so harmlos, was dort gerade im Großraum der Stadt Baku in Mali passiert? Das Land ist in einer unstabilen Lage. Islamistische Terroristen versuchen, die Macht an sich zu reißen. Die Vereinten Nationen stemmen sich dagegen.



Hauptmann Bernd A. winkt ab. Ungefährlich. Was nicht für alle Bilder gilt, die der Chef der Luftbildstaffel des Taktischen Luftwaffengeschwaders 51 in Jagel und sein Team analysieren. Seit knapp einem Monat sind die Jageler Soldaten auch mit drei Aufklärungsdrohnen vom Typ „Heron“ in Mali im Einsatz. Sie sind das ferngesteuerte Auge der Soldaten. Sie sollen Erkenntnisse über die Terroristen bringen und die etwa 500 deutschen Soldaten, die zu einem großen Anteil als Aufklärer eingesetzt werden, wichtige Informationen bringen. Die Mission in Mali gilt weltweit als die gefährlichste Mission der Vereinten Nationen überhaupt.

Das Besondere dabei: Pilot und Sensorbediener, die immer im Tandem arbeiten, sind vor Ort im Westen Afrikas, die Bildauswertung erfolgt überwiegend vom heimischen Fliegerhorst. Nur ein Mann ist in Gao in Mali. Zu hoch ist die Belastung für die Bildauswerter. Im Schnitt sind sie 100 Tage pro Jahr im Einsatz. Viele von ihnen auch mehr. Es ist der dritte Auslandseinsatz, der parallel läuft. Im Fokus steht der Tornado-Einsatz in Incirlik an der türkisch-syrischen Grenze gegen den Islamischen Staat. Fast vergessen ist der Einsatz in Afghanistan, wo ebenfalls „Heron“-Drohnen eingesetzt werden. Nun auch noch Mali. Die Bedeutung der unbemannten Aufklärung nimmt dabei zu. Und das Zentrum der unbemannten Aufklärung liegt in Schleswig-Holstein. Am Montag konnte das Geschwader auf ein Jubiläum blicken, dass die Jageler Soldaten stolz macht. 30  000 Flugstunden hat der „Heron“ (auf deutsch „Reiher“) nun vorzuweisen – darunter 177 Stunden im jüngsten Einsatz in Mali. „Eine unglaubliche Zahl, eine unglaubliche Leistung der Staffel“, sagt Oberst Michael Krah, Kommodore des Taktischen Luftwaffengeschwaders. „Die gleiche Flugstundenanzahl, die wir in zehn Jahren Tornado geflogen sind.“

2010 ging es zum ersten Mal in den Einsatz. Nach Afghanistan. Direkt nach dem ersten Testflug kam es damals zu einem Unfall mit einer Transall. In den sechs Jahren gab es insgesamt vier Ausfälle, einmal war die Technik Schuld. Der letzte Vorfall war 2013. Damit die Quote weiter gesenkt wird und die Piloten bestmöglich auf ihre Einsätze vorbereitet werden, wird in den kommenden Tagen ein neuer Simulator in Betrieb genommen, in dem besser verschiedene Szenarien eingeübt werden können. Zudem würden „bis Ende nächsten Jahres 30 neue Tandems ausgebildet“, erklärt Krah.

Ab 2019 soll die Bundeswehr von der derzeitigen Version „Heron 1“ auf „HeronTP“ hochgerüstet werden. Die Truppe will dann nochmals 25 neue Piloten einstellen. „Genauso viele wie Jet- und Transportflieger“, sagt der Oberst. Das zeige, welche Stellung die unbemannte Aufklärung inzwischen einnehme. Damit die Soldaten auch zukünftig zwischen gefährlichen und ungefährlichen Situationen unterscheiden können.
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Nach etwa eineinhalb Stunden habe die Polizei ein Tor kurzzeitig geräumt, damit Soldaten mit Bussen in den Fliegerhorst herein beziehungsweise heraus fahren konnten. Insgesamt haben nach Angaben der Polizei seit dem frühen Morgen rund 150 Demonstranten die Zugänge und Tore des Fliegerhorst blockiert.

Die Polizei habe an einigen Toren Demonstranten aufgefordert, den Weg zum Fliegerhorst für Busse mit Soldaten und Mitarbeitern frei zu machen, sagte ein Polizeisprecher. Die Aktivisten seien diesen Aufforderungen ohne Auseinandersetzungen nachgekommen. Nach Angaben der Polizei verlief die Protestaktion friedlich.