Kiel "Jelly": Gemeinsam statt einsam

Von Judith Pape | 31.03.2011, 06:32 Uhr

Kieler initiieren Netzwerk, das Freiberufler und Selbständige beim Arbeiten zusammenbringt

New York, Berlin und jetzt auch Kiel: Jeden Donnerstag ab 11 Uhr lädt ein "Jelly" Freiberufler, Existenzgründer und Selbständige in das "Galileo" am Wissenschaftspark ein, um in Gesellschaft an den eigenen Projekten zu arbeiten. Auf den großen Ledersofas im Loungebereich des Restaurants können sich die Berufstätigen der Stadt treffen, werkeln und austauschen, die ansonsten vor allem zu Hause im Stillen arbeiten. Eine neue Form des Arbeitens, die erst vor wenigen Jahren in den USA gegründet wurde. Ein W-Lan gibt es vor Ort. Der Laptop oder das sonstige Arbeitsequipment sind das Einzige, was die "Jelly"-Teilnehmer mitbringen müssen.

Die Kieler Initiatoren, Susanne Pohl und Dieter Bethke - selbständige Journalistin und freier Fotojournalist - kennen die Vor- und Nachteile der Freiberuflichkeit aus eigener Erfahrung. Morgens, ohne große Schönheitsrituale, direkt vom Bett an den Schreibtisch, bei einem zweiten Kaffee nach der Mittagspause keinem Kollegen Rechenschaft schuldig zu sein - so mancher Angestellte mit einem klassischen Büroalltag träumt von diesen Freiheiten. Aber Dieter Bethke weiß, dass diese Privilegien auch ihre Schattenseiten haben: "Man ist ja auch nur Mensch, fühlt sich auf Dauer alleine, sehnt sich nach Austausch und zum Beispiel einem gemeinschaftlichen Mittagessen". Schon länger sucht der Fotojournalist Räume zur Errichtung eines Coworking-Space in Kiel, der Freiberuflern, Existenzgründern und Selbstständigen zu einem geringen Beitrag flexibel Büroinfrastruktur zur Verfügung stellen will. Auf einem 2010 veranstalteten Kongress im Wissenschaftspark zeigten viele der angesprochenen Zielgruppe reges Interesse an diesem Projekt. Das "Jelly" im "Galileo" ist nun eine Art Testlauf, um eine konkrete Vorstellung vom unabhängigen Arbeiten in Gemeinschaft zu bekommen.

Bereits die ersten beiden Donnerstage liefen für die Initiatoren "sehr gut" an. Zu Susanne Pohl und Dieter Bethke gesellten sich Yvonne Ortmann, ebenfalls Journalistin, sowie Stefan Aust und Jörg Pechau, die eine Softwarefirma betreiben. Bei Latte Macchiato und Bio-Limonade machten es sich die Teilnehmer vor ihren Laptops bequem, arbeiteten an journalistischen Texten oder Bildbearbeitungsprogrammen. Angst, die Atmosphäre könnte die Konzentration stören, hatte indessen keiner: "Das gemeinsame Arbeiten liefert einen ganz unerwarteten Mehrwert", so Susanne Pohl, "man hat hier gegenseitige Kontrolle, und der kreative Austausch beflügelt die Arbeit". Yvonne Ortmann fügte hinzu: "Ich nehme mir einfach die entsprechenden Aufgaben mit." für Inhalte, die absolute Aufmerksamkeit bedürfen blieben ja noch die restlichen Tage der Woche am heimischen Arbeitsplatz.

Inspiration erhalten, objektive Meinungen einholen und vom Wissen anderer profitieren - das sind auch für Stefan Aust und Jörg Pechau die positiven Aspekte des Jelly. Erst vor einem viertel Jahr haben die Softwareentwickler sich gemeinsam selbstständig gemacht. Ein eigenes Büro besitzen sie derzeit noch nicht, und aufgrund ihrer unterschiedlichen Wohnorte in Hamburg und Kiel ist auch noch nicht sicher, wo sie sich niederlassen werden. Das "Jelly" im "Galileo" bietet ihnen da eine "optimale Gelegenheit" zu arbeiten und Kontakte zu knüpfen.

Für die Zukunft wünscht Dieter Bethke sich eine rege Beteiligung aus allen beruflichen Bereichen: "Jeder ist willkommen, eine möglichst bunte Mischung kann ja nur gesund sein und unsere Kompetenzen erweitern". Gegen 17 Uhr endet der Arbeitstag der "Jelly"-Aktivisten - da entsprechen sie dann doch dem klassischen Bürorythmus.

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