A7-Ausbau Größte Autobahn-Baustelle Deutschlands wird auf links gedreht

Von Kay Müller | 30.04.2017, 12:43 Uhr

Auf der A7 werden die Bauabschnitte gewechselt. Bis Ende 2018 sollen die restlichen 26 Kilometer sechsspurig sein.

Peter Schreibers Blick geht nach oben. Wenn der Verkehrskoordinator der größten deutschen Autobahnbaustelle in diesen Tagen über die A7 fährt, schaut er immer häufiger gen Himmel. „Das Wetter hat uns in den vergangenen Wochen immer wieder einen Strich durch die Rechnung gemacht.“ Denn wenn die Temperaturen unter fünf Grad sinken, kann nicht ordentlich weitergearbeitet werden, und wenn es regnet, können die Arbeiter nicht die gelben Fahrbahmarkierungen auf den Asphalt malen. Doch darum dreht sich gerade alles auf der Ausbaustrecke der A7 zwischen dem Bordesholmer Dreieck und dem Hamburger Stadtrand.

Nachdem die für die Arbeiten verantwortliche Via Solutions vor einigen Wochen höchst offiziell die Halbzeit der Arbeiten verkündet hat, wird nun die Baustelle einmal auf links gedreht, damit Ende 2018 wie geplant alles fertig ist. Die letzten Abschnitte, die schon sechsspurig ausgebaut sind, werden frei gegeben – dafür werden noch im Mai nach und nach die drei Abschnitte, die bisher als sogenannte Erholungsstrecken mit Tempo 120 dienten, zu Baustellen: Dann wird zwischen Neumünster-Mitte und Großenaspe, zwischen Bad Bramstedt und Kaltenkirchen sowie zwischen Quickborn und Hasloh gebaut.

Dafür wird der Verkehr vierspurig auf die östlichen Fahrbahnen geleitet, die westlichen werden als erstes fertiggestellt. 26 von insgesamt 65 Kilometern Autobahn müssen noch um drei Meter verbreitert und sechsspurig werden, dazu ein gutes Dutzend Brücken instand gesetzt oder neu gebaut werden – alles unter laufendem Verkehr.

 

Damit der Zeitplan weiter eingehalten werden kann, drückt Schreiber auf die Tube. Wenn der Markierungswagen an ihm vorbei fährt kann er die Farbe riechen. Er mag es, wenn er Bagger hört, die südlich von Neumünster einen Bauabschnitt seitlich so verbreitern, dass die im Vergleich zu anderen Autobahnbaustellen mit 2,85 und 3,25 Meter breiteren Fahrbahnen dort Platz finden. „Das ist wohl ein bisschen das Erfolgsgeheimnis dieser Baustelle, dass es hier weniger Unfälle gibt, und die Menschen vergleichsweise entspannter unterwegs sind“, sagt Via Solutions Sprecher Florian Zettel. Er schaut zu Schreiber, der den Lärm auf der Baustelle fast zu genießen scheint.

 

Nicht genießen kann er Staus. „Wir wollen es immer vermeiden, tagsüber auch nur eine Spur der Autobahn zu sperren, weil es dann sofort stockt.“ Deshalb passiert das in der Regel nur nachts, wie auch die Verschwenkungen der Fahrspuren, die es in den kommenden Wochen geben wird. „Wir bereiten das genau vor, markieren alle Fahrstreifen gelb, setzen Schutzplanken in die Mitte“, sagt Schreiber. Meist gegen Mitternacht bremsten dann eigene Autos den Verkehr herunter, so dass bei Fahrzeuglücken die Baken versetzt werden könnten. „Das dauert nur ein paar Minuten, und wir haben dabei mittlerweile so viel Erfahrung, dass wir die Hilfe der Polizei gar nicht mehr brauchen.“

 

Doch damit das alles passiert, müssen die drei restlichen Bauabschnitte eingerichtet werden – und dafür muss es trocken sein. Peter Schreiber hat mittlerweile schon viele Wetter-Apps auf seinem Handy installiert. Richtig weiter hilft ihm aber keine: „Manchmal zeigen die Regen an, wo gar keiner ist. Aber zum Glück sind wir flexibel: Wenn es irgendwo einen Schauer gibt, und ein paar Kilometer weiter ist die Fahrbahn trocken – dann machen wir eben dort weiter.“