Barsbek Faszination Meerglas - Die Schönheit der Strandscherben

Von Jana Werner | 27.07.2013, 03:14 Uhr

Einfach nur am Strand spazieren gehen kann Ann-Christin Wimber seit Jahren nicht mehr.

An den Küsten der Nord- und Ostsee ist ihr Blick stets nach unten gerichtet, suchen ihre Augen den Sand nach den von ihr so begehrten Funden ab. Wo andere achtlos vorübergehen, möchte sie keines der schönen Exemplare übersehen. Die Mutter zweier Kinder aus Barsbek bei Kiel sammelt Meerglas und betreibt damit hierzulande ein äußerst seltenes Hobby.

Tausende Scherben hat sie bereits entdeckt, nach ihrem Ursprung bestimmt und ist dabei immer wieder auf neue Geschichten gestoßen. Über ihre Leidenschaft hat sie ein Buch geschrieben. "Scherben am Strand waren für mich als Ostseekind nie etwas Besonderes - sie lagen immer irgendwo herum, und die Eltern sprangen entsetzt herbei, kaum dass ich eine in der Hand hatte", erklärt die gebürtige Kielerin in ihrem jüngst veröffentlichten Werk "Meerglas".

Hinter jeder Scherbe stecke eine eigene Welt, sagt Ann-Christin Wimber, deren Passion vor ein paar Jahren in den USA begonnen hat - in einem Glasmuseum in Sandwich im Bundesstaat Massachusetts. "Die Qualität der rund geschliffenen Scherben", so schreibt sie in ihrem Buch, "unterscheiden sich von Küste zu Küste, von Land zu Land". Farblich unterscheiden sich die Funde nicht: "Grüne, weiße und braune Scherben finden Sammler überall auf Schritt und Tritt. Blaue sind rar, rote fast nie zu finden." Ihr ältester bestimmter Fund ist die Mündung einer Bordeauxflasche von 1890.

Viele ihrer Funde hat Ann-Christin Wimber in ihrem Zuhause, einer ehemaligen Schule, verbaut oder verbastelt. Sie kreiert Fensterschmuck, Schlüsselanhänger oder Mosaike. "Das ist aus der Not entstanden, denn was sollst du mit dem ganzen Glasmüll machen?", erklärt die 39-Jährige. Vielleicht hat sie aber irgendwann ihr eigenes Meerglas-Museum . . .