ÖPNV in Schleswig-Holstein Am Dienstag: Warnstreiks bei Bussen in Flensburg, Kiel, Lübeck und Neumünster

Von Carlo Jolly | 11.02.2022, 16:29 Uhr

Kiel / Flensburg / Lübeck. Berufspendler und Schüler müssen sich nach Alternativen zum Bus umsehen. So weit liegen Gewerkschaft und Bus-Arbeitgeber auseinander.

Am Dienstag früh ab drei Uhr kommen viele Stadtbusse in Flensburg, Kiel, Lübeck und Neumünster womöglich gar nicht erst aus den Depots. Von der Frühschicht bis zur Spätschicht wollen Busfahrer der kommunalen Omnibusbetriebe in den vier Städten den öffentlichen Busverkehr lahmlegen, teilte Verdi Nord mit. Damit wäre auch der komplette Berufsverkehr sowie die Schülerbeförderung betroffen. Die Busfahrer nähmen ihre Arbeit mit der Frühschicht am Mittwoch wieder auf, teilte Verdi-Nord-Sprecher Frank Schischewsky mit.

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Bisher keine Einigung bei Tarifverhandlungen

Der ganztägige Warnstreik folgt auf die am Donnerstag ergebnislos vertagten Gehaltstarifverhandlungen. Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi Nord sei es bei den Tarifverhandlungen nicht zu einer Einigung für die rund 1600 Beschäftigten in den Busunternehmen in Kiel, Neumünster, Flensburg und Lübeck gekommen.

Verdi fordert eine Erhöhung der Gehälter um 1,50 Euro pro Stunde rückwirkend zum 1. Januar. Der Tarifvertrag soll zwölf Monate Laufzeit bekommen.

„Die veränderte Forderung der Gewerkschaft bleibt deutlich überhöht.“
Wilfried Kley, Bus-Arbeitgeber

Die kommunalen Busarbeitgeber hatten ihre Angebot nach eigenen Angaben zweimal nachgebessert und am Ende 600 Euro Corona-Sonderprämie netto für 2022 sowie 1,5 Prozent Tariferhöhung ab Januar 2023 angeboten, bei einer Laufzeit von 24 Monaten. Bei dieser Laufzeit habe die Gewerkschaft aber rund neun Prozent Lohnerhöhung verlangt, so die Arbeitgeber: „Die veränderte Forderung der Gewerkschaft bleibt deutlich überhöht und kann vom öffentlichen Nahverkehr der Städte in Zeiten rückläufiger Fahrgastzahlen und coronabedingten Mehrkosten nicht gestemmt werden", erklärte Verbandsgeschäftsführer Wilfried Kley.

„Die Verhandlungen mit dem Kommunalen Arbeitgeberverband knüpfen dort an, wo wir mit Beginn der Corona-Krise aufgehört haben.“
Karl-Heinz Pliete, Verdi-Verhandlungsführer

Dass die Beschäftigten jetzt bereit seien, auf die Straße zu gehen, sei eine klare Botschaft, hieß es bei Verdi Nord: „Wir müssen zum Mittel des Warnstreiks greifen, um ein einigungsfähiges Angebot zu bekommen", sagte Verdi-Verhandlungsführer Karl-Heinz Pliete.

Das sei ein Ärgernis für alle Beteiligten, und man hätten diesen Weg gerne vermieden, so der Gewerkschafter. Deshalb werde der Warnstreik frühzeitig angekündigt, damit die Fahrgäste entsprechend planen könnten.

In Lübeck sind etliche Linien nicht betroffen

Der Lübecker Stadtverkehr teilte mit, dass die Linien 30, 31, 32, 33, 35, 38, 39 und 40 von dem Streik nicht berührt seien. Sie führen nach Fahrplan. Ebenfalls an dem Tag bestreikt werde dagegen die Fähre. Für Fußgänger und Radfahrer fahre die Fähre stündlich jeweils zur vollen Stunde zum Priwall und zurück. Eine Versorgung für Notdienste wie Krankenwagen und Feuerwehr ist garantiert.

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Aktiv-Bus in Flensburg will einen Streikfahrplan erarbeiten und Fahrer nicht bestreikter Busbetriebe einsetzen. Zuletzt waren die Busbetriebe 2020 wiederholt bestreikt worden, sowohl anlässlich von Gehaltstarifverhandlungen kurz vor der Corona-Pandemie als auch im Herbst 2020, als über den Manteltarifvertrag verhandelt wurde.