Lübeck Die Melanchthon-Kirche steht jetzt in Tansania

Von st | 22.07.2011, 06:02 Uhr

Gastgeschenk: Bilder und ein Kreuz, das aus Rauchglasscheiben der ehemaligen Kirche gefertigt wurde

Die evangelische Melanchthon-Kirche ist abgerissen, das Grundstück verkauft und neu überbaut. Mit einem Teil des Verkaufserlöses wird nun in Tansania eine neue Kirche gebaut. Ihr Name: Melanchthon-Kirche. Lübecks Pröpstin Petra Kallies und Mitglieder des Kirchenvorstands Luther-Melanchthon machten sich auf den weiten Weg zur Einweihung. Eine Woche lang werden sie in Tansania sein.

Es gibt eine Verbundenheit der neuen und der alten Melanchthon-Kirche: In Lübeck wurde das Gebäude 2007 entwidmet, im Frühjahr 2011 abgerissen und das Grundstück verkauft. Ein Teil des Erlöses ging in die Partnerschaftsarbeit der Gemeinde. In Ikengele, Tansania, ist mit dem Geld eine neue Kirche gebaut worden. Zwar ohne Turm und etwas kleiner, aber mit jeder Menge Engagement von beiden Seiten. In der kommenden Woche wird die neue Melanchthon-Kirche geweiht.

"Die Schließung der Lübecker Melanchthon-Kirche ist vielen Gemeindegliedern damals schwer gefallen. Jetzt entsteht an anderer Stelle der einen Welt etwas Neues. Als Gastgeschenke haben wir Bilder und ein Glaskreuz im Gepäck, das aus Rauchglasscheiben der ehemaligen Lübecker Kirche gefertigt wurde. Wir wünschen der tansanischen Gemeinde Gottes Segen für die neue Kirche und für ihre Arbeit", sagt Petra Kallies, Pröpstin im Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg vor der Abreise nach Tansania. Sie selbst war Pastorin in der Luther-Melanchthon-Gemeinde, hat die Partnerschaftsarbeit persönlich begleitet.

Im kommenden Jahr feiert die Partnerschaft ihr 20-jähriges Bestehen. "Der Bau der Kirche ist ein Meilenstein in dieser langen Verbindung", ergänzt Pastor Thorsten Rose. "Doch es sind die vielen kleinen Engagements, die die Partnerschaft lebendig halten". Das Tansaniafest findet einmal im Jahr statt. Der Fonds "Help the Hopeful Children" wird finanziell unterstützt. So ermöglichen es viele Lübecker Kindern in Igoma, zur Schule zu gehen.

Prof. Dr. Matthias Grottker von der Fachhochschule Lübeck reist in doppelter Mis-sion mit: als Vorstandsmitglied der Luther-Melanchthon-Kirchengemeinde und als Wissenschaftler der Fachhochschule Lübeck, Fachbereich Bauwesen. Er bereitet ein Wasserversorgungsprojekt zur Verbesserung der Siedlungshygiene in ländlichen Gebieten vor.

Dreh- und Angelpunkt des Projekts ist die Einrichtung von Haushaltssandfilteranlagen zur Steigerung der Wasserqualität in privaten Haushalten. Das Projekt Household-Sand-Filter-Projekt soll ab Juli 2011 im Stadtteil Igoma in Mwanza, einer Stadt am Victoriasee in Tansania mit 1,2 Millionen Einwohnern, sowie in den drei Vorort-Dörfern Kissessa, Ihayabujaga und Ikengele durchgeführt werden.

Begleitet wird Prof. Grottker zum Projektstart von Studenten, die das Projekt zum Thema ihrer Praxissemester gemacht haben und einem Ingenieur aus dem Labor für Siedlungswasserwirtschaft und Abfalltechnik.