Bad Segeberg Der Kalkberg

Von sh:z | 26.10.2007, 02:30 Uhr

Der Kalkberg ist nicht einzigartig. Auch im niedersächsischen Lüneburg ragt ein Gipsfelsen empor. Aber dafür gibt es dort keine Karl May-Festspiele wie in Bad Segeberg.

Seine Existenz verdankt Bad Segeberg allein dem Kalkberg. Als im Mittelalter überall Burgen gebaut wurden, war auch Kaiser Lothar III. von der strategischen Bedeutung des Felsens überzeugt. 1134 baute er eine Burg auf dem Berg mit dem Namen Siegesburg, daher auch der Name Bad Segeberg.

Überreste der historischen Burg können Interessierte allerdings nur noch in Form des Burgbrunnens besichtigen: Während des 30-jährigen Krieges wurde die Siegesburg von den Schweden zerstört.

Dem Namen nach besteht der Kalkberg aus Kalk, tatsächlich ist der Berg aber ein Gipsfelsen - Ablagerungen vor 250 Millionen Jahren schufen diesen einzigartigen Klotz im hügeligen Ostholstein. Wegen des Gipsabbaus schrumpfte er über Jahrhunderte hinweg von 110 Meter auf 91 Meter zusammen.

Unter dem Berg lagern noch immer Salzsteinsedimente. Der Abbau misslang allerdings: 1877 wurden die Schachtbauten wegen des einbrechenden Grundwassers eingestellt. Die gute Seite der fehl geschlagenen Bauarbeiten: durch die entstandene Sole konnte die Stadt zum Sol- und Moorbad aufsteigen. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging es aber auch mit dem Kurbetrieb bergab: Die Einrichtungen wurden 1964 geschlossen.

Touristisch lässt sich aber der Berg allein perfekt vermarkten: Im Innern befinden sich die Kalkberghöhlen - 20 000 Fledermäuse übernachten hier im Winter, zudem ist die karge Höhle Heimat des so genannten Segeberger Höhlenkäfers. Und bundesweit kennt man Bad Segeberg vor allem wegen seiner Karl May-Festspiele. Seit 1952 finden diese im Kalkbergstadion statt, eine Grube am Fuße des Felsens, die durch den Gipsabbau entstanden ist. Die historische Altlast: Ausgerechnet der nationalsozialistische Reichsarbeitsdienst erschuf das riesige Freilichttheater.